Friedhelm Busse

Friedhelm Busse (* 4. Februar 1929 in Bochum) gehört zu den führenden Köpfen der militanten Neonaziszene in der BRD. In den Siebziger Jahren prägte er die Entwicklung der militanten extremen Rechten entscheidend mit.

Der gelernte Schriftsetzer stammt aus einer strammen Nazifamilie: Sein Vater war bereits 1920 Mitglied der NSDAP und einer der ersten SA-Männer im "roten" Ruhrgebiet, später SA-Sturmbannführer. Im Jahre 1944 meldet sich der damals Fünfzehnjährige Friedhelm Busse nach zwei Jahren "Adolf-Hitler-Schule" freiwillig zur Waffen-SS und kommt Anfang 1945 zur 12. SS-Panzer-Division "Hitler-Jugend". Als Panzerjäger kämpft er noch im April 1945 gegen die vorrückenden Alliierten.

Nach Gründung der "Sozialistischen Reichspartei" (SRP), einem Sammelbecken von ehemaligen SS-Leuten, NS-Funktionären und NSDAP-Anhängern ab 1949, ist er in der Jugendorganisation der Partei, "der Reichsjugend" aktiv. Als Angehöriger der "Reichsfront" ist er auch für den Personenschutz der SRP-Führung zuständig, so auch von Naziverbrecher Otto Ernst Remer, dem für die Niederschlagung des Umsturzversuches vom 20. Juli 1944 maßgeblich verantwortlichen Kommandeur. In der SRP lernt er auch Wolfgang Nahrath kennen, den späteren "Bundesführer" der rechtsextremen und 1994 verbotenen "Wiking-Jugend" (WJ).

Als die SRP 1952 verboten wird, wird er Mitglied und Funktionär der "Deutschen Reichspartei" (DRP).

1952 wird er auf dem Pfingsttreffen des "Bund deutscher Jugend" (BDJ), dessen Mitglied und Funktionär er ist, wegen gefährlicher Körperverletzung verhaftet. 1953 wegen wird er wegen Freiheitsberaubung verurteilt.

Anfang der Sechziger Jahre engagiert sich Busse für den "Südtiroler Freiheitskampf". Bei Attentaten deutscher und österreichischer Naziterroristen werden an der Grenze Österreich/Italien über zwei Dutzend Menschen im Zuge dieses "Freiheitskampfes" ermordet. 1963 findet die Polizei bei Busse ein Kilogramm Dynamit. Er wird zu drei Monaten auf Bewährung verurteilt.

Nach der Gründung der "Nationaldemokratischen Partei Deutschlands" (NPD) im Jahre 1964 tritt Busse in die Partei ein. Bald darauf führt er den Kreisverband Bochum-Wattenscheid und gehört dem Landesvorstand in NRW an. Er wird Leiter des Referates "Sozialpolitik und Gewerkschaftsfragen".

Als die NPD 1969 an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert, Willy Brandt (SPD) Bundeskanzler wird und die Rechte mit der aufkommenden Studierendenbewegung und der Ostpolitik der Entspannung der Regierung immer mehr in die Defensive gerät, entbrennt ein Richtungsstreit. Während die offizielle Parteilinie auf die Ideale der konservativen Revolution schwört und eine "bürgerliche" NPD anstrebt, drängt die innerparteiliche Opposition, der auch Busse angehört, auf eine Radikalisierung der politischen Aussagen. 1970 ist Busse an der Gründung der "Aktion Widerstand" (gegen die Entspannungspolitik) beteiligt, die einen letzten Versuch darstellt, alle Kräfte zu bündeln. Doch der Niedergang der NPD ist nicht aufzuhalten. Busse wird im Zuge des Streits zwischen "Bürgerlichen" und "Radikalen" 1971 aus der NPD ausgeschlossen. Die Partei versinkt vorerst in der Bedeutungslosigkeit.

Am 17. Juni 1971 gründet Busse mit anderen die "Partei der Arbeit/Deutsche Sozialisten" (PdA/DS) in Krefeld, die ab 1975 unter dem Namen "Volkssozialistische Bewegung Deutschlands" (VSBD) auftritt. An der Gründung ebenfalls beteiligt ist Busses Freund Karl Peter Weinmann, Mulitfunktionär (VSBD, Wiking-Jugend, NF, Wehrsportgruppe Hoffmann) und mehrfach als Agent für verschiedene Geheimdienste tätig (unter anderem Verfassungsschutz und Stasi). 1972 tritt Busse und seine PdA/DS in die "Aktion Neue Rechte" (ANR) ein. Er wird Landesbeauftragter für Nordrhein-Westfalen, 1973 wird Mitglied des Bundesvorstandes und Leiter des "Referats Strategie". Die ANR ist der Versuch, neue Strategien für eine "neue" Rechte zu entwickeln. Es kommt zu Richtungsstreitereien innerhalb der ANR. Nachdem Busse und seine Getreuen die ANR wieder verlassen hatte spaltet sich die ANR Anfang 1974.

1972 organisiert Busse in der Nähe von München einen "Nationaleuropäischen Jugendkongress" mit dem 1967 wegen eines blutigen Anschlages in Italien wegen Mordes in Florenz zu lebenslanger Haft in Abwesenheit verurteilten Erhard Hartung. Hartung hatte an der Grenze zwischen Österreich und Italien mit zwei weiteren Nazis vier italienische Soldaten mit einer ferngezündeten Mine hinterrücks ermordet.

Busse ist in den Siebziger Jahren entscheidend an der Entwicklung der militanten Neonaziszene beteiligt, als langjähriger Kader verfügt er über viele Kontakte.

1975 ist er an der Gründung der NSDAP/AO (NSDAP/Auslands- und Aufbauorganisation) beteiligt. Mit dabei sind weitere heute noch aktive einschlägige Nazikader, wie der Mörder und verurteilte Terrorist Manfred Roeder oder das Ehepaar Curt und Ursula Müller (NS-Kampfgruppe Mainz, Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front (GdNF) aus Mainz. Die "illegale NSDAP" soll vernetzte Strukturen schaffen und durch nationalsozialistische Propagandaaktionen Aufsehen erregen. Es entstehen Wehrsportgruppen, konspirative und "legale" Strukturen wie die an der SA orientierte und 1983 verbotene "Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten" um Michael Kühnen. Die Kader der NSDAP/AO versuchen in neonazistischen Organisationen eine führende Rolle einzunehmen. Von den USA aus wird Propagandamaterial in mehreren Sprachen weltweit verbreitet.

Um 1980 verlegt Busse seinen Wohnsitz nach München. Im Rahmen eines geplanten Banküberfalls findet zwischen Mitgliedern der VSBD und der Polizei eine Schießerei vor der Wohnungstür Busses in München-Ottobrunn statt. Zwei der Neonazis werden erschossen. Auf Empfehlung der NSDAP/AO an ihre Anhänger erlebte die VSBD um 1980 nochmal einen gewissen Mitgliederzulauf. Am 24. Januar 1982 wird die VSBD verboten. 1983 wird Busse wegen Begünstigung von Bankräubern und Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Nachdem 1983 die ANS/NA verboten wurde unterwandern deren Mitglieder die bis dahin bedeutungslose "Freiheitliche deutsche Arbeiterpartei" (FAP) und übernehmen sie. Die FAP entwickelt sich zur Sammlungspartei militanter Neonazis. Im Auftreten ist sie an der SA und der NSDAP orientiert. Die Affinität der Neonazis für legale Parteien erklärt sich aus dem Umstand, dass Parteien nach bundesdeutscher Gesetzgebung nur durch das Bundesverfassungsgericht verboten werden können, die Strukturen sind also relativ geschützt. Es entwickeln sich zwei Lager in der FAP: Die Fraktionen um Jürgen Mosler und um Michael Kühnen. Kühnens Homosexualität dient als Aufhänger für einen Richtungsstreit, der zu einer starken Polarisierung führt. Busse wird als Kandidat der Mosler-Fraktion zum Bundesvorsitzenden der FAP gewählt, der er auch bis zum Ende der Partei bleibt. Kühnen verlässt mit seinen Anhängern die Partei 1990 und stirbt am 25. April 1991 an AIDS. Noch nach seinem Tod ist der Kult um seine Person, vor allem in den neuen Bundesländern, ungebrochen. Kühnen ist nach wie vor eine wichtige Symbolfigur der Neonaziszene. Indes wird auch Jürgen Mosler aus der Partei gedrängt, der Einfluss der FAP schwindet zusehends. Es entstehen neue Gruppierungen wie die "Nationale Offensive" und der "Deutschen Alternative", die zur Partei wird und als legaler Arm der GdNF fungiert.

1992 kommt es in Rostock zu einem bislang beispiellosen Pogrom, als Anwohner und Neonazis tagelang eine Sammelunterkunft für Asylsuchende attackieren und unter dem Jubel der Menge Brandanschläge verübt werden. Zahlreiche führende Nazikader sind damals in Rostock anwesend, unter ihnen Friedhelm Busse. Ob das Pogrom geplant war, ist ungeklärt. Am Rande des Rudolf-Hess-Gedenkmarsches 1992 in Wunsiedel sollen dazu die Besprechungen stattgefunden haben. Beteiligt gewesen sein sollen, neben anderen, auch der Hamburger Christian Worch (GdNF, Nationale Liste), der verurteilte mehrfache Vergewaltiger Arnulf Priem (GdNF, Wotans Volk), der Rechtsanwalt und Multifunktionär Jürgen Rieger und der aus dem Film "Beruf: Neonazi" bekannte Bela Ewald Althans, die alle auch in Rostock anwesend waren.

Busses Einfluss als Führungsperson innerhalb der Neonaziszene beginnt seit Anfang der Neunziger immer kleiner zu werden. Ihm wird sein Führungsanspruch vorgeworfen. Die FAP ist nicht mehr die wichtige Sammlungspartei, die sie war. Die Ablösung des Kühnen-Flugels und anderer wichtiger Funktionäre hat einen schmerzlichen Mitgliederschwund mit sich gezogen.

1995 wird die FAP wenig überraschend verboten. Die Strukturen der darauf gut vorbereiteten Nazipartei gehen in den sog. "Freien Kameradschaften" auf. 1994 ist Busse an der Gründung der "Stuttgarter Kameradschaft" beteiligt. Die Versammlung, an der 187 Neonazis teilnehmen, wird von der Polizei aufgelöst. Busse wird im Dezember wegen Weiterführung der verbotenen ANS/NA zu zwanzig Monat auf Bewährung verurteilt.

Ab Dezember 1997 ist Busse Betreiber des Nationalen Infotelefons Bayern und Leiter seiner "Katakomben-Akademie", die als Kaderschmiede und Schulungseinrichtung fungieren soll. Er betreibt den "Deutschen politischen Presse- und lnformationsdienst" (dpi) und gibt verschiedene Publikationen heraus, wie die "Nachrichten – Informationen – Meinungen" (NIM), die sich als "Theorieorgans des Nationalen Widerstandes" versteht und, seit 1999 eine Schriftenreihe "Zeitgeschichtliche Dokumente". Auch im Internet wird er aktiv und zeichnet bis heute für die Website "Freies Franken" verantwortlich.

2000 hält Busse eine Vortragsreihe in Sachsen, unter anderem in Dresden, Königstein, Wurzen und Chemnitz.

Busse ist regelmäßiger Teilnehmer bei Naziaufmärschen und tritt auch oft als Redner auf. Immer öfter wird er von der Polizei mit Redeverboten belegt. Am 1. Mai 2001 in Essen wird er wegen des Satzes "Wenn Deutschland judenfrei ist, brauchen wir kein Auschwitz mehr" von der Polizei aus der Demo ausgeschlossen. Im Juni 2001 bezeichnet er während einer Kundgebung in Karlsruhe die Gründung der Bundesrepublik Deutschland als kriminellen Akt, fordert die Wiedereinsetzung der NS-Diktatur und belegt Bundesaußenminister Joseph Fischer in schmähender antisemitischer Absicht mit dem Namen "Jossele". Wegen beiden Vorfällen wird er 2002 unter anderem wegen Volksverhetzung und "Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole" zu 28 Monaten ohne Bewährung verurteilt.

Busse tritt wieder in die NPD ein. Anfang der Neunziger gelangte die Partei zu neuer Poularität, als im Zuge der Verbotsverfahren verschiedener Gruppierungen wie die FAP, der "Wiking-Jugend" oder der "Nationalistischen Front" (NF) deren Kader und Anhänger die NPD als neue legale Organisation übernahmen und komplette Strukturen in die Partei überführten. Die NPD entwickelte sich zwischenzeitlich zum wichtigsten Sammelbecken der Neonazis.

Angesichts seines fortgeschrittenen Alters und seines arg geschrumpften Anhängerkreises macht sich Busse nun Gedanken über seine Zukunft. In einem Rundschreiben aus dem Gefängnis vom 27. Februar 2004 ernannte er Norman Bordin zu seinem Nachfolger in der "Führung des Nationalen Widerstandes". Bordin hatte er nach eigenen Angaben während seiner "bisherigen Haftzeit in der JVA Bernau" als "zuverlässigen und unbeugsamen Kameraden" kennengelernt. In dem Rundschreiben ruft er zur Zusammenarbeit mit der NPD auf, die "als Phalanx des nationalen Befreiungskampfes eines Tages die Mitverantwortung für die Gestaltung unseres künftigen Staates tragen" werde.

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Personendaten
Busse, Friedhelm
Gehört zu den führenden Köpfen der militanten Neonaziszene in der BRD
4. Februar 1929
Bochum

See also: Friedhelm Busse, 1. Mai, 17. Juni, 1920, 1929, 1944, 1945, 1949, 1952