Friedrich Wöhler
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Herkunft: Teil aus [1] (Encarta)
Friedrich Wöhler (* 31. Juli 1800 in Eschersheim/Frankfurt am Main; † 23. September 1882 in Göttingen) war ein deutscher Chemiker.
Leben
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Friedrich Willhelm Wöhler wurde am 31. Juli 1800 als Sohn von Dr. August Anton und Katharina Wöhler im Hause seines Onkels in Eschersheim (bei Frankfurt a. M.) geboren. Sein Vater war ein fürstlicher Stallmeister. Er machte sich 1806 selbstständig, kaufte sich einen Bauernhof bei Frankfurt und bewirtschaftete diesen mit grossem Erfolg. Der Vater unterrichtete seinen Sohn bis er neun Jahre alt war. Friedrich Wöhler experimentierte häufig zu Hause nicht immer ohne Gefahr. Danach besuchte er die öffentliche Schule. Mit 13 Jahren besuchte er das Gymnasium in Frankfurt. Als zwanzig jähriger studierte Wöhler Medizin in Marburg, jedoch nachts machte er chemische Versuche. Ein Jahr später studierte er in Heidelberg Medizin und Chemie, letzteres bei Prof. Leopold Gmelin, wo er auch seine Vorlesungen besuchte. 1823 erlangte er den Doktortitel in Chirurgie, Medizin und Geburtshilfe. Da er aber grösseres Interesse an der Chemie hatte, lernte er anschließend, auf Gmelins Empfehlung, ein Jahr lang in Stockholm analytische Chemie bei Prof. Jöns Jakob Berzelius gegen den Willen seines Vaters Chemiker zu werden. Unter Chemikern war es eine besondere Auszeichnung bei Berzelius zu studieren.
Berzelius und Wöhler hielten gemeinsame Vorträge vor gehobener Gesellschaft. Während seines Aufenthalts in Stockholm, entwickelte sich zwischen dem jungen Chemiker (Wöhler) und dem viel älteren „Grossmeister“ der damaligen Chemie (Berzelius) eine Freundschaft. So wurde Wöhler nicht nur einer der erfolgreichsten Schüler von Berzelius, sondern auch Übersetzer seiner Bücher.
Von 1824 bis 1831 war Wöhler Lehrer an der Gewerbeschule in Berlin.
Im Jahre 1828 gelang ihm die Harnstoffsynthese (siehe Leistungen), durch die er seine Berühmtheit erlangte Im Alter von 28 Jahren wurde Wöhler Professor. Darauf erkrankte er lebensgefährlich. Nach seiner Genesung heiratete er zum ersten mal. Seine Frau starb jedoch bereits bei der Geburt des zweiten Kindes. Anschliessend war er sechs Jahre lang Professor an der Gewerbeschule in Kassel, welche eine Nachahmung der École Polytechnique in Paris ist (die Technikschule in Paris, sie ist die berühmteste der französischen Grandes Écoles (Eliteschulen). Die Zulassung erfolgt nach einer äußerst schwierigen Prüfung). 1834 gab er Julie Pfeiffer das Jawort. Von dieser Ehe gingen vier Kinder hervor. Danach arbeitete er bis 1882 in den Gebieten der Chemie und Pharmazie an der Universität Göttingen . Dort galt er als ausgeglichener und beliebter Lehrer. Ab 1836 war er Direktor des chemischen Laboratoriums der Universität in Nachfolge von Friedrich Stromeyer.
Das chemische Laboratorium wurde unter Friedrich Wöhlers Leitung eine berühmte Lehrstätte für Chemie, die Studenten aus der ganzen Welt anzog. Bis zu seinem Tod leitete er diese Abteilung. Wöhler war neben Justus von Liebig einer der erfolgreichsten und beliebtesten Lehrer. Gemeinsam mit seinem Kollegen und Freund Friedrich Wöhler lieferte Liebig wichtige Beiträge zur Theorie der organischen Chemie, so beispielsweise zum Aufbau organischer Verbindungen. Die beiden Wissenschaftler charakterisierten u. a. Benzoesäure und Harnsäure.
Friedrich Wöhler schrieb über 250 Bücher, darunter das Buch "Grundriss der Chemie", welches er in "Unorganische Chemie" und "Organische Chemie" unterteilte. Friedrich Wöhler erhielt während seines Lebens zahlreiche Orden und Ehrungen. So wurde er unter anderem Mitglied des Institut de France und Offizier der französischen Ehrenlegion.
Wöhler war von ausgeglichenem und humanem Charakter. Er brachte das Kunststück fertig, sich die Freundschaft von Berzelius und Liebig zu erhalten, auch als die beiden nach langem Streit ihre Beziehung abbrachen. Friedrich Wöhler starb im Alter von 82 Jahren am 23. September 1882 in Göttingen.
von Christian Fischer u. David Kolarik
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Leistungen
Einige Informationen zu Harnstoff:
Harnstoff ist eine farblose, kristalline Verbindung mit der Summenformel CH4N2O. Der Schmelzpunkt liegt bei 132,7°C. Die Verbindung löst sich in Wasser und Alkohol, in Ether ist sie unlöslich. Harnstoff ist auch unter dem Namen Carbamid bekannt. Er kommt wie schon der Name andeutet im Urin vor und wird hauptsächlich in der Leber als Endprodukt des Proteinstoffwechsels gebildet. In verschiedenen Schimmelpilzen sowie in den Samen und Blättern von Hülsenfrüchten und Getreidearten findet man Harnstoff. Heute wird der Harnstoff industriell hergestellt. Eingesetzt wird er in Düngemitteln, als Stabilisator in Cellulosenitratsprengstoffen und verschiedenen Kunstharzen.
Die Reaktion:
Als Wöhler die Protokolle vom Lehrjahr bei Berzelius durchlas, entnahm er dem Protokoll, dass bei der Reaktion von Cyansäure und Ammoniak unter Hitze immer ein kristalliner Stoff entsteht. Dieser reagierte aber nicht mehr mit Ammoniak und Cyansäure. Fünf Jahre später im Jahre 1828 versuchte Wöhler diesen Versuch in seinem eigenen Labor ein zweites Mal. Diesmal entstand wieder dieser feste, kristalline Stoff. Wenn nun Ammoniumcyanat entstanden wäre, müsste sowohl der basisch, als auch der saure Teil des Salzes durch eine andere Säure beziehungsweise durch eine Base ersetzt werden können. Weder mit Säuren bildete es Cyansäure, noch mit Basen bildete sich Ammoniak. Daraus schloss Wöhler, dass sich durch die Hitze die Atome zum bekannten Harnstoff umlagerten. Jetzt musste er nur noch den in vitro (im Reagenzglas, Gegenteil: In vivo) hergestellten Harnstoff mit dem natürlich isolierten Harnstoff vergleichen. Dies war die Bestätigung der paradoxen Geschichte, dass aus zwei anorganischen Stoffen eine organische Substanz entstehen kann. Die Umlagerung der Atome nur durch die Hitze erklärte sich Wöhler damit, dass zwei ganz verschiede Stoffe dieselbe Proportion von denselben Elementen enthalten können, und dass nur die ungleiche Art der Vereinigung die Verschiedenartigkeit in den Eigenschaften hervorbringt.
Das Zitat:
Es stammt aus dem Brief von Wöhler an Berzelius kurz nach der Entdeckung Harnstoffsynthese: …denn ich kann so zu sagen mein chemisches Wasser nicht halten und muss Ihnen sagen, dass ich Harnstoff machen kann, ohne dazu Nieren oder überhaupt ein Tier, sei es Mensch oder Hund, nötig zu haben. Das cyansaure Ammoniak ist Harnstoff. (…)
Die Auswirkungen seiner Entdeckung:
Die Harnstoffsynthese nach Wöhler eröffnete das Feld der Biochemie, da zum ersten Mal ein Stoff, der nur aus Organismen bekannt war, aus „unbelebter“, anorganischer Materie künstlich erzeugt werden konnte. Ab dem Jahre 1828, als Wöhler die Synthese entwickelt hatte, wurde die Chemie in anorganische und organische Chemie getrennt. Auch der Mythos vom Vitalismus ging verloren durch die Harnstoffsynthese, da man zu dieser Zeit glaubte, dass zur Bildung solcher organischen Stoffe eine besondere, übernatürliche Kraft, die VIS VITALIS, notwendig sei.
Herstellung von Phosphor:
Wöhler entnahm aus dem Journal von Berthier, dass beim Zusammenschmelzen von gebrannten Knochen, Kieselerde, Kupfer und Kohle als Produkt Phosphorkupfer entsteht. Als er diesen Versuch noch einmal machte, bemerkte Wöhler, dass aus einer kleinen Öffnung des geschlossenen Tiegels lange Zeit eine starke, leuchtende Flamme brannte. Wöhler wusste, dass diese Flamme nur von verbrennendem Phosphor entstehen konnte. Er erhitzte nun ein zweites Mal gebrannte Knochen, Kieselerde und Kohle in einer Retorte mit Vorstoss. Durch das erhitzen bis zur Weissglut destillierte Wöhler das Phosphor aus dem Gemenge (Sdp. Phosphor 280°C). Am Ende des Vorstosses leitete er den gasförmigen Phosphor in Wasser, das dort auskristallisierte. Die Masse in der Retorte sah wie vorher aus und war nicht zusammengeschmolzen. Im Wasser fand Wöhler ½ Drachme Phosphor vor, das entspricht etwa 2.5g.
(1 Drachme entspricht etwa 4-6,5 g und ist eine alte Apothekereinheit. Drachmen sind alte griechische silberne Münzen die zw. 4-6,5 g wogen.)
Weitere Errungenschaften von Wöhler:
1827 hatte er eine Reduktionsmethode entwickelt zur Herstellung von metallischem Aluminium. Er entdeckte es indem er Chlorgas über mit Kohlepulver vermengter Tonerde gibt. Mit dem gleichen Verfahren gelang ihm 1828 die Isolierung von Beryllium und Ytterbium, sowie 1856 die Darstellung von kristallinem Silicium.
Wöhler entdeckte auch die Synthesen von Hydrochinon aus Chinon. Ihm gelang auch die Gewinnung von Nickel aus Arsennickel.
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wöhler, Friedrich |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Chemiker |
| GEBURTSDATUM | 31. Juli 1800 |
| GEBURTSORT | Eschersheim bei Frankfurt am Main |
| STERBEDATUM | 23. September 1882 |
| STERBEORT | Göttingen |
