Fünf Silas
Sila (Pali) = Sittlichkeit, Tugend. (Sanskrit: Shila). Die sittlichen Übungsregeln des Buddhismus.
Diese ethischen Eckpfeiler spielen im Buddhismus ungefähr die Rolle wie die Zehn Gebote im Christentum, wobei buddhistische Lehrmeister betonen, dass es sich bei den Fünf Silas nicht um Gebote/Verbote im Sinne eines Gesetzes, sondern um sittliche Orientierungspunkte für den Übenden handelt.
| Inhaltsverzeichnis |
Die fünf Silas (Pancasila)
- Kein Lebewesen zu töten oder zu verletzen.
- Nichtgegebenes nicht zu nehmen.
- Keine unheilsamen sexuellen Beziehungen zu pflegen und sich im rechten Umgang mit den Sinnen zu üben.
- Nicht zu lügen oder unheilsam zu reden.
- Sich nicht durch berauschende Mittel das Bewusstsein zu trüben.
Darüber hinaus gibt es noch:
Die acht Tugendregeln (Atthangasila, für den Uposatha-Feiertag)
Die Regeln 1,2,4 und 5 sind gleichlautend mit oben.
3. Keinen Sexualverkehr auszuüben.
6. Nach 12 Uhr nichts mehr zu essen (bis Sonnenaufgang ca. 5 Uhr).
7. Keine Tanz-, Musik-, Gesangs-, und Theateraufführungen zu besuchen, keine Blumen, Duftstoffe, Kosmetika, Schmuck und andere Verschönerungsmittel zu benutzen.
8. Nicht auf hohen und üppigen (weichen) Betten zu schlafen.
Die zehn Tugendregeln (Dasasila, für Novizen (Samaneras))
In ihnen sind die acht Tugendregeln vollständig enthalten, jedoch wird 7. in 7. und 8. aufgeteilet. 8. wird zu 9. und 10 kommt hinzu.
7. Keine Tanz-, Musik-, Gesangs-, und Theateraufführungen zu besuchen
8. Keine Blumen, Duftstoffe, Kosmetika, Schmuck und andere Verschönerungsmittel zu benutzen.
9. Nicht auf hohen und üppigen Betten zu schlafen
10. Kein Gold und Silber (oder Geld) anzunehmen.
Was die Systematik der buddhistischen Lehre anbelangt, so gibt es eine Überschneidung der Fünf Silas mit dem Edlen Achtfachen Pfad, in dem die Wichtigkeit der "Rechten Rede", des "Rechten Handelns" und des "Rechten Lebenserwerbes" betont wird.
Die fünf Silas zählen zu dem Kerngut der buddhistischen Lehre, die sich in einer bunten Vielfalt unterschiedlichster Ausprägungen manifestiert. Eine buddhistische Schulrichtung, die nicht auf dem Pfeiler der 5 Silas ruht, kann nicht von sich in Anspruch nehmen, die Lehre Buddhas zum Ausdruck zu bringen. Es hat in manchen buddhistischen Schulen immer wieder Versuche gegeben, diesen ethischen Aspekt auszuklammern (etwa im Zen). Solchen Schulrichtungen fehlt mit der ethischen Verankerung ein Herzelement des Dharma, der buddhistischen Lehre. Vor dem Hintergrund der Fünf Silas erweisen sich auch manche Elemente des Tibetischen Buddhismus als bedenklich. 1)
Zu den Fünf Silas gibt es zahlreiche Kommentare. Angesichts der Knappheit der ursprünglichen Formulierungen bedarf es der Ausdeutung und der Vertiefung der einzelnen Silas. Greifen wir uns etwa die Regel Vier heraus, stellen sich folgende Fragen: Was ist unheilsame Rede? Was ist rechte Rede? Muss - als Gegenstück zur Rede - nicht auch das Zuhören, das „Rechte Zuhören“ bedacht werden? Welche Formen der Rede sind gemeint: auch schriftstellerische, journalistische, briefliche Äußerungen?
1) Victoria und Victor Trimondi: Der Schatten des Dalai Lama. Patmos 1999.
Literatur
- Thich Nhat Hanh
- Das Herz von Buddhas Lehre. Kap. 12,13. Herder Verlag 1998.
- Einssein. Theseus Verlag 1991. (Die 14 Regeln des Tiêp-Hiên-Ordens).
- Volker Zotz: Mit Buddha das Leben meistern. Kapitel 7. Rowohlt 1999. ISBN 3499605864
