Funktionalismus

Der Ausdruck Funktionalismus bezeichnet allgemein an der Funktion ausgerichtete Erklärungsmodelle und Entwurfsmuster.

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Kultur- & Sozialwissenschaften

In der Soziologie, Ethnologie sowie Volkskunde werden damit Theorieansätze bezeichnet, die soziale Phänomene auf ihre Soziale Funktion in/für die betreffende Gesellschaft oder Gruppe hin zu erklären versuchen. In der soziologischen Systemtheorie bedeutet dies, dass Systemen eine Funktion (bezüglich ihrer Umwelt oder anderer Systeme oder Supersysteme) unterstellt wird, und Prozesse und Strukturen darin in Hinblick auf diese Funktion analysiert werden können.

Bedeutsam geworden sind solche funktionalistische Theorien, die dynamischen Prozesse richten. Man spricht hier vom Strukturfunktionalismus.

Die bedeutendsten Vertreter des sozialwissenschaftlichen Funktionalismus sind Bronislaw Malinowski und Alfred Radcliffe-Brown.

Architektur und Design

In Architektur und Design versteht man unter Funktionalismus das Zurücktreten rein ästhetischer Gestaltungsprinzipien hinter den die Form bestimmenden Verwendungszweck des Gebäudes oder des Geräts entsprechend dem berühmten wie oft mißverstandenen Motto ("die Funktion bestimmt die Form" Form follows function) von Louis Sullivan und der populären Auffassung, eine zeitgemäße Schönheit in Architektur und Design ergebe sich bereits aus deren Funktionalität.

Die Anfänge dieser Auffassung reichen zu den ästhetischen Theoretikern des 19. Jahrhunderts zurück (Lotze, Semper, Greenough), werden in Deutschland jedoch erst mit der Gründung des Deutschen Werkbundes unter dem Schlagworten Sachlichkeit und Zweckform in den Rang einer künstlerisch ernstzunehmenden Gestaltungsweise erhoben. Der Funktionalismus erlangte nach dem Ersten Weltkrieg und nach dem 'Zwischenspiel des Expressionismus' unter dem Begriff Neues Bauen, "Bauhausstil" oder Neue Sachlichkeit als gestalterisches Prinzip erneut größere Beachtung. Zum wirklich allgemeinverbindlichen Inbegriff modernen Bauens wurde der Funktionalismus in Deutschland jedoch erst nach dem zweiten Weltkrieg und hat auf diese Weise die Architektursprache des Wiederaufbaus weitestgehend geprägt. Seit Beginn der 70er Jahre gerät die formale Armut und Unwirtlichkeit der funktionalistischen Planungen zunehmend in das Feld öffentlicher Kritik, weshalb die sog. Postmoderne in den 80er Jahren des 20. Jahrhundert dem Funktionalismus schließlich völlig neue Gestaltungsprinzipien entgegen zu setzten versuchte. Eine erneute Aktualität als Gestaltungsprinzip erlangt der Funktionalismus in der Architektur in der zweiten Hälfte der 90er Jahre, nach dem Abebben des sog. Dekonstruktivismus.

Philosophie

Von einer funktionalistischen Sichtweise des von der neuzeitlichen Philosophie aufgeworfenen Leib-Seele-Problems spricht man, wenn der menschliche Geist als eine Art Computerprogramm aufgefasst wird. Während der eliminative Materialismus die Seele mit Gehirnprozessen gleich setzt, verneint der Funktionalismus eine völlige Gleichheit mit materiellen Prozessen. Dennett (1991) sieht das Gehirn viel mehr als Hardware auf der das Bewusstseinsprogramm als Software läuft.

Siehe auch Multiple Realisierung.

Politologie

Funktionalismus bezeichnet an der Funktion von Politiken ausgerichtete Vorstellung politischer Gestaltung, bspw. das Zusammenwachsen von Staaten bzw. die Aufgabe staatlicher Souveränität zugunsten überstaatlicher Institutionen. Einzelne Politikbereiche werden schrittweise - bspw. über internationale Abkommen - miteinander verschmolzen, welche dann ähnliche Prozesse in anderen Politikbereichen nach sich ziehen und zur Bildung gemeinsamer politischer Institutionen führen.

Literatur


Kategorie:Soziologie Kategorie:Philosophie Kategorie:Mode und Design Kategorie:Architekturstil

See also: Funktionalismus, Alfred Radcliffe-Brown, Architektur, Bronislaw Malinowski, Dekonstruktivismus (Architektur), Design, Deutscher Werkbund, Ethnologie, Expressionismus, Form follows function