Galant (Mode)
Der Ausdruck das Galante ist ein in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Europa aufgekommenes Mode und Stilideal. Es gehört zu dieser Mode, daß sie schwer bestimmbar sein will, von einem "Gewissen etwas" dem "Je ne sçais quoi" leben will, von einer neuen Natürlichkeit und Freiheit, insbesondere im Umgang der Geschlechter miteinander. Von moralischer Leichtfertigkeit sprechen die Gegner der neuen Mode frühzeitig, Verantwortungslosigkeit wird mit ihr spätestens im zweiten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts ein thematisierbares Problem, ohne dass bis weit in das 18. Jahrhundert hinein, sich eine neue Mode vergleichbar auf einen Begriff bringen wollte. Erst die Empfindsamkeit, die Mode der sensibility, der tenderness, der Zärtlichkeit schafft hier Mitte des 18. Jahrhunderts eine Gegenposition.
Zum Galanten gehört neben dem Verhalten, der "Conduite" eigener Stil, eine eigene Textproduktion "galanter Wissenschaften", "galanter Poesie", " galanter Romane" und nicht zuletzt eine Mode galanter Kompositionen in der Musik.
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Galante Conduite
Hier von den Franzosen Mitte des 17. Jahrhunderts zu den deutschen Studenten. - Christian Thomasius und August Bohse, die Generation der Lehrer, Christian Friedrich Hunold (Menantes) und die ihm folgenden die Generation der Schüler. Das Ideal in Deutschland gegenüber der großen Europamode - "L'Europe galante". Frauendienst, Ritterlichkeit, Scherzhaft behandelte Ideale.
Galante Romane
Romane von Frauen, Romane für Frauen, die insbesondere in Deutschland ausgeprägte Mode von Romanen für die galante Welt. Romane können Galanterie besser unterrichten als alle anderen Lehrbücher, so die Theorie. Brüche im Ideal, Kritik am galanten Roman.
Galante Poesie
Benjamin Neukirch: Galante Briefe und Getichte
Galante Wissenschaften
"Galante Wissenschaften" wird im deutschen das begriffliche Äquivalent für die "belles lettres"
Galante Kompositionen in der Musik
Von André Campras L'Europe galante zu den späten galanten Kompositionen des 18. Jahrhunderts
Aus dem Galanten wird das Ideal einer schmerzlich vergangenen Epoche: Rezeption im 19. und 20. Jahrhundert
Das galante unter den Ästhetizisten (z.B. Paul Verlaine: Fêtes galantes), Ideal im Jugendstil wie unter den Naturalisten (z.B. Arno Holz), in den 20er Jahren in Deutschland ein Begriff für Zensurverdächtige Publikationen sexueller Libertinage.
Literatur
- Thomas Borgstedt / Andreas Solbach: Der galante Diskurs : Kommunikationsideal und Epochenschwelle. - Dresden : Thelem, 2001. - ISBN 3-933592-38-0
- Olaf Simons: Marteaus Europa oder der Roman, bevor er Literatur wurde : eine Untersuchung des deutschen und englischen Buchangeborts der Jahre 1710-1720. - Amsterdam : Rodopi, 2001. - ISBN 90-420-1226-9
- Olaf Simons: Zum corpus "galanter" Romane zwischen Bohse und Schnabel, Talander und Gisander - in: Günter Dammann (Hrsg.): Das Werk Johann Gottfried Schnabels und die Romane und Diskurse des frühen 18. Jahrhunderts. - Tübingen : Niemeyer, 2004. - ISBN 3-484-81025-4
- Herbert Singer: Der deutsche Roman zwischen Barock und Rokoko. - Köln : Böhlau, 1963
- Herbert Singer: Der galante Roman. - Stuttgart : Metzler, 1961
