Gay Affirmative Psychotherapy
Unter Gay Affirmative Psychotherapy werden Psychotherapien verstanden, die die homosexuelle Orientierung und Entwicklung ihrer Klienten und Klientinnen fördern und unterstützen.
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Grundsätze
Aufgrund der "heterosexuellen Vorannahme", die die Einschätzung anderer Menschen in unserer Gesellschaft begleitet, sind Schwule, Lesben und Bisexuelle bereits in ihrer Kindheit einer speziellen Entwicklungsschwierigkeit ausgesetzt, indem sie in ihrer Sexualität allgemeinen Erwartungen (z.B. von den Eltern) widersprechen.
Kernpunkte der Gay Affirmative Psychotherapy sind daher die Begleitung des Klienten/der Klientin beim inneren und äußeren Coming-out sowie die Thematisierung von Diskriminierungserfahrungen und der Entwertung der Homosexualität durch die Umwelt oder auch durch die zu behandelnde Person selbst (sog. internalisierte Homophobie).
Homo- und Heterosexualität werden als gleichwertig und auch gleichursprünglich verstanden. Homosexualität ist keine "Verkehrung", der Heterosexualität, sondern in ihrer Genese ebenso eigenständig strukturiert und rekonstruierbar.
Ein weiterer Punkt der therapeutischen Begleitung ist die etwaige Einbeziehung von Angehörigen in den Coming-out-Prozess.
Historisches
Magnus Hirschfeld war der erste, der mit seiner "Adaptionstherapie" einen affirmativen Ansatz bezüglich homosexueller Patientinnen und Patienten vertrat. Sie bestand darin, die betreffenden Personen zu ermutigen, ihre Homosexualität als naturgegebenen Zustand zu akzeptieren.
Insbesondere die Psychoanalyse vertrat Standpunkte, die Homosexualität pathologisieren, obwohl Freud diesbezüglich eine vergleichsweise affirmative Position eingenommen hatte. Erst in den letzten Jahrzehnten thematisierten psychoanalytisch orientierte Forscher und Therapeuten (etwa Fritz Morgenthaler, Richard Isay) Homosexualität verstärkt im positiven Sinne. Einer der im deutschen Sprachraum gegenwärtig wichtigsten Vertreter der Gay Affirmative Psychotherapy ist der Schweizer Psychoanalytiker und Professor für klinische Psychologie (Basel) Udo Rauchfleisch.
Literatur
- Isay, Richard A. (1993). Schwul sein. München: Piper. ISBN 3492116833
- Rauchfleisch, Udo u.a. (2002). Gleich und doch anders: Psychotherapie und Beratung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und ihren Angehörigen. Stuttgart: Klett-Cotta. ISBN 360894236X
- Ritter, Kathleen Y. & Terndrup, Anthony I. (2002). Handbook of Affirmative Psychotherapy with Lesbians and Gay Men. New York: Guilford. ISBN 1572307145
Weblinks
- Michaele Ise & Melanie Steffens: Von der Pathologisierung zur Ignoranz. Heterosexismus in der Psychologie. http://www.linksnet.de/artikel.php?id=351
