Gaur

Gaur
270px|thumb|none|Gaur
Systematik
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Rinder (Bovinae)
Gattung: Bos
Art: Gaur (B. frontalis)

Der Gaur (Bos frontalis) ist der größte lebende Vertreter der Rinder. Er ist in Süd- und Südostasien verbreitet. In Form des Gayals ist er von Menschen domestiziert worden.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Ein Gaur erreicht eine Kopfrumpflänge von 3 m, eine Körperhöhe von 220 cm und ein Gewicht von einer Tonne. Sein Fell ist braun, mit Abstufungen zwischen rötlichen und schwärzlichen Farbschlägen. Die Hörner sind im Schnitt 90 cm lang und halbmondförmig aufwärts gebogen.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet umfasst Indien, Bangladesch, Myanmar, Thailand, Kambodscha, das südliche Vietnam und die Malaiische Halbinsel. Hier lebt der Gaur in dichten Wäldern. Zum Fressen kommt er gelegentlich auf Lichtungen oder an die Waldränder, meidet aber meistens das offene Land.

Lebensweise

thumb|left|"Gayal" aus Brehms Tierleben Gaure sind von Natur aus tagaktiv, haben sich aber in der Nähe menschlicher Siedlungen oft auf eine nächtliche Lebensweise umgestellt. Sie sind Grasfresser, die notfalls auch Laub und Kräuter nehmen. Ihre Herden bestehen aus etwa zehn, ausnahmsweise bis zu vierzig Tieren; dies sind Kühe mit ihren Kälbern, begleitet von einem Bullen. Die Bullen wechseln oftmals die Herden. Je Herde kann es nur einen Bullen geben; das Recht, eine Herde zu führen, wird in Kämpfen ausgetragen, die aber kaum jemals zu Verletzungen führen. Junge Bullen bilden eigene Verbände, alte Bullen leben als Einzelgänger.

Menschen und Gaure

Gefährdung

Die IUCN stuft den Gaur als gefährdet ein. Durch menschliche Bejagung und Ansteckung mit Viehseuchen ist sein Bestand sehr geschrumpft. Heute gibt es noch etwa 20.000 wilde Gaure, die über inselartig begrenzte Gebiete verstreut leben. Die Populationsentwicklung ist in den verschiedenen Ländern des Verbreitungsgebiets sehr unterschiedlich: In Indien haben sich die Bestände wegen der 1990er sogar vergrößert, hier leben heute 90 % aller wilden Gaure. In allen Ländern Südostasiens ist die Situation dagegen dramatisch; hier sind alle Populationen von der Vernichtung bedroht.

Domestikation

Gaure gehören zu den fünf Rinderarten, die von Menschen domestiziert wurden. Die Haustierform wird Gayal oder Mithan genannt. Der Gayal ist deutlich kleiner als sein wilder Vorfahr und gilt als zahmer. Er wird als Arbeitstier und Fleischproduzent eingesetzt. Gayale werden nur in der Grenzregion von Myanmar, Manipur und Nagaland eingesetzt; in den übrigen Teilen des Verbreitungsgebiets ist der Gaur nie domestiziert worden, ist also nur lokal begrenzt von Bedeutung. Meistens leben die Gayalherden halbwild im Dschungel und kommen nur gelegentlich in die Dörfer. Allerdings sind mancherorts Gayale mit Hausrindern gekreuzt worden; diese Mischlinge werden auch in anderen Teilen Indiens genutzt und haben wiederum typische Haustiereigenschaften.

Namen

Oft wird der Gaur als Bos gaurus geführt; dies war der ursprüngliche Name für den wilden Gaur, während der Name Bos frontalis den Gayal bezeichnete. Da beide ein und derselben Art angehören, wird seit 1993 für beide die Bezeichnung Bos frontalis verwendet.

Die Namen Gaur und Gayal stammen aus dem Hindi. Daneben wird gelegentlich, vor allem von Südostasien-Reisenden, der malaiische Name Seladang verwendet.

See also: Gaur, Art (Biologie), Bangladesch, Domestikation, Familie (Biologie), Gattung (Biologie), Hausrind, Hindi, Hornträger, IUCN