Gegenreformation
Als Gegenreformation wird die Reaktion der katholischen Kirche auf die von Martin Luther in Wittenberg ausgehende Reformation bezeichnet, die sich im Bereich der Theologie und der Kirchen abspielt und sich auf meist geistige Auseinandersetzungen beschränkt. Dieses lässt sich zunächst auch unter dem Begriff Katholische Reform zusammenfassen.
Der Begriff Gegenreformation bezeichnet außerdem die Versuche der römisch-katholischen Kirche seit ca. 1540, den Protestantismus insgesamt gewaltsam zurückzudrängen, weil dieser wiederum sowohl politisch als auch in seinen kirchlichen Institutionen in einem Maße festgefügte Strukturen bekommt, dass er mit rein theologisch-geistlichen Mitteln nicht mehr wirksam bekämpft werden kann. Die Gegenmaßnahmen des Katholizismus erstrecken sich seit dieser Zeit sowohl auf den kirchlichen als auch auf den politischen Bereich. Sie beinhaltet zugleich Maßnahmen einer Durchführung der Rekatholisierung in protestantischen Territorien. Dieser Prozess reichte bis in das 18. Jahrhundert. Die wichtigsten Mittel waren Diplomatie, staatliche Repression und ideologische Indoktrination. Barocker Kirchenbau und barockes Theater spielen eine wichtige Rolle in der gegenreformatorischen Propaganda. Die Gegenreformation kann zugleich als groß angelegter Versuch einer Sozialdisziplinierung im Sinne Gerhard Oestreichs aufgefasst werden. Anstelle des Begriffspaares Reformation-Gegenreformation, das eine positive Reformation und eine negative Gegenreformation vorgibt, wird in der modernen Geschichtswissenschaft der Begriff Konfessionalisierung verwendet, womit der Akzent auf die Modernisierung der frühneuzeitlichen Gesellschaft gelenkt wird.
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Begriffsgeschichte
Den Ausdruck Gegenreformation führte 1776 der Göttinger Jurist Johann Stephan Pütter in die Literatur ein. Er verstand darunter die gewaltsame Rückführung von Protestanten zur katholischen Religionsübung. Die Verwendung des Begriffes Gegenreformation im Sinne eines Zeitalters hat sich seit 1889 durch Moriz Ritter eingebürgert. Er dehnt den Begriff Gegenreformation aus bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Dabei war er es aber gar nicht, der als Erster den Begriff Gegenreformation für diese historische Epoche verwendete, sondern Leopold von Ranke im Jahre 1843, der vom "Zeitalter der Gegenreformation" unter Berücksichtigung der tiefgreifende katholischen Bewegung sprach. Bewußt ist Ranke somit schon die innerkirchliche Reformbewegung gewesen, die Wilhelm Maurenbrecher schließlich als katholische Reformation bezeichnete. siehe: Katholische Reform Der Begriff setzt sich nur langsam durch, weil hierbei konfessionelle Vorbehalte geltend gemacht wurden. Ein Teil der katholischen Historiker lehnte die beiden Ausdrücke, die ihnen Werturteile zugunsten des Protestantismus zu enthalten schienen, entschieden ab, andere suchten einen Ausgleich, indem sie zwischen katholischer Selbstreform und politischer Gegenreformation unterschieden und als Epochenbezeichnung "Zeitalter der Glaubensspaltung" (1517-1555) und "Zeitalter des konfessionellen Absolutismus" (1555-1648) gebrauchten. In der modernen Geschichtswissenschaft verwendet man dafür den von Wolfgang Reinhard und Heinz Schilling eingeführten Begriff Konfessionalisierung.
Entwicklung der Gegenreformation
Vorreiter der Gegenreformation ist der im Jahre 1534 durch Ignatius von Loyola gegründete Jesuitenorden. Überhaupt hatten die Jesuiten, die von Papst Gregor XIII. entschieden gefördert wurden (siehe auch Reformpapsttum), bedeutsamen Anteil an der Gegenreformation in Europa.
Den Ausgangspunkt der Gegenreformation bildete das Konzil von Trient (von 1545 bis 1563 mit Unterbrechungen). Es betonte die dogmatischen und liturgischen Differenzen zum Protestantismus und stellte gleichzeitig die wichtigsten Missstände in der damaligen katholischen Kirche ab (z. B. Bestimmungen über die Priesterausbildung und Beseitigung von Pfründen- und Ablassmissbrauch). Damit wurde gleichzeitig versucht, dem Protestantismus durch die Abstellung der wichtigsten Mängel, die Angriffsmöglichkeiten einzugrenzen.
Im Deutschen Reich bildete der Augsburger Religionsfriede 1555 mit seiner Bestimmung, dass der Landesherr über die Konfession seiner Untertanen entschied, die Grundlage, auf denen gegenreformatorische Bestrebungen handeln mussten. Ein erster Höhepunkt war der Kölner Bistumskrieg 1583, durch den der Kölner Bischofssitz und das zugehörige Kurfürstentum sowie im Gefolge auch andere Fürstbistümer wieder katholisch wurden.
In den habsburgischen Erblanden, die bis auf Tirol alle protestantisch waren, begann die Gegenreformation im großen Stil mit Kaiser Rudolf II. ab 1576 und wurde mit besonderer Schärfe durchgeführt. Die dagegen in der böhmischen Konföderation zusammengeschlossenen protestantischen Stände rebellierten (Prager Fenstersturz), was 1618 den Anlass für den Dreißigjährigen Krieg bildete. Sie wurden 1620 am Weißen Berg (Bílá Hora) bei Prag von Ferdinand II. geschlagen. Der protestantische Adel Böhmens wurde ausgewiesen oder zum Konfessionswechsel gezwungen.
In Frankreich versuchten ab 1559 die bis dahin im Untergrund agierenden Hugenotten, eine Anerkennung ihres Glaubens zu erreichen. Dabei wurden sie auch durch Elisabeth I. (England) und deren Agenten Nicholas Throckmorton - offiziell Botschafter am französischen Hof - und William Cecil gegen den katholischen Herzog François de Lorraine, duc de Guise unterstützt. Die englische Krone versuchte, auch unter Ausnutzung des Aufstandes in den spanischen Niederlanden, die französischen Katholiken in die Defensive zu drängen und ihre 1559 verloren gegangenen Besitzungen in Frankreich wiederzuerobern. Besonders lag den Engländern dabei an Calais, wo ihnen die Kontrolle über den Ärmelkanal verloren gegangen war. Die Verweigerung der Rechte der Hugenotten und ihre staatliche Verfolgung beginnend mit der Bartholomäusnacht vom 24. August 1572 führten zu konfessionellen Bürgerkriegen, die 1598 mit dem Edikt von Nantes endeten. Am 23. Oktober 1685 wurde das Edikt von König Ludwig XIV. (Frankreich) im Edikt von Fontainebleau widerrufen. Hierdurch flohen viele Hugenotten aus Frankreich nicht zuletzt auch nach Kurbrandenburg unter dem toleranten Kurfürsten Friedrich III. (Brandenburg), welches den Flüchtigen Hugenotten infolge dieses Ediktes Asyl gewährte.
siehe: Jesuitentheater, Konfessionalisierung, Frühe Neuzeit, Glaubensspaltung, Rekatholisierung,
Literatur
Quellen
- Schnabel, Franz: Deutschlands geschichtliche Quellen und Darstellungen der Neuzeit, Bd. I: Das Zeitalter der Reformation 1500-1550, 2. Aufl., 1972
- Zeeden, Ernst W. / Molitor, Hansgeorg (Hg.): Die Visitationen im Dienst der kirchlichen Reform, 2. Aufl., 1977
Darstellungen
- Brandi, Karl: Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation, 5. Aufl., 1979
- Lutz, Heinrich: Reformation und Gegenreformation, 4. Aufl., 1997 (=Oldenbourg-Grundriß der Geschichte, Bd. 10)
- Ritter, Moriz: Deutsche Geschichte im Zeitalter der Gegenreformation und des Dreissigjährigen Krieges, 3 Bde. Stuttgart 1889-1908.
Weblinks
- Gegenreformation aus österreichischer Perspektive
- Gegenreformation im Internet - von Felix Stadler
- http://www.religionen.at/iraustrelispaltung.htm.
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