Geleitzug

Ein Geleitzug ist ein geschützter Konvoi aus (Handels-)Schiffen.

Der Begriff wird häufig verwendet im Zusammenhang mit dem ersten und Zweiten Weltkrieg, als die vom Seehandel abhängigen Mächte ihre Handelsschiffe im organisierten Verband durch besonders bedrohte Gewässer zu bringen suchten. Diese Geleitzüge waren in der Regel durch Kriegsschiffe bewacht, jedoch trugen die Handelsschiffe häufig auch eigene Geschütze.

England und Amerika führten große Geleitzüge über den Atlantik, die von bestimmten Sammelpunkten, z.B. von Halifax, losfuhren. Es war eine große organisatorische Leistung Verbände aus dutzenden von Handelsschiffen unterschiedlicher Bauart und Nationalität unter dem Geleitzugkommandanten zu einem Verband zu machen, der gemeinsam handeln konnte. Die Handelsschiffkapitäne kannten häufig die Signale nicht und waren nicht so diszipliniert. Zu Geleitzugkommandanten wurden bereits pensionierte Admiräle reaktiviert.

Bekannt geworden sind die großen Geleitzugschlachten des ersten und Zweiten Weltkrieges, die heute und damals den Anschein erweckten, dass es ein großes Risiko gewesen sei die Überfahrt zu bestehen. Tatsächlich jedoch bedeuteten die Geleitzüge eine erhöhte Sicherheit, denn sie konnten im Gegensatz zu den Einzelfahrern durch Kriegschiffe bewacht werden. Im Laufe des Krieges hatten die deutschen U-Boote immer geringere Chancen die mit erfahrenen und eingespielten Besatzungen besetzten Geleitschiffe zu umgehen oder ihnen zu entkommen.

Ein Geleitzug konnte sich über riesige Flächen ausdehnen, die viele Quadratkilometer umfassten. Trotzdem bildeten sie winzige, schwer zu findende Punkte in den Weiten der Weltmeere. Darum waren Geleitzüge paradoxerweise fast ebenso schwer zu finden wie Einzelfahrer. Gegen die Taktik der Geleitzüge entwickelte der deutsche Admiral Dönitz bereits im Ersten Weltkrieg die Rudeltaktik.

Die bewachenden Kriegschiffe waren Zerstörer, Korvetten, Hilfsflugzeugträger und sogar Schlachtschiffe, wenn es galt wertvolle Geleitzüge (solche mit Kriegsmaterial) gegen Überwassereinheiten zu schützen. Mit der Steigerung der Reichweite großer Flugzeuge und dem Radar stellten auch die landgestützten Bomber eine immer größere Bedrohung dar für die dem Geleitzug feindlichen Einheiten.

Wichtige Routen gingen von den großen Häfen Nordamerikas über den Atlantik nach England und durch das Nordmeer nach Russland. Das Kriegsglück des Afrikakorps Rommels hing vom Durchkommen der Deutsch/Italienischen Geleitzüge von Italien nach Afrika ab. Die Deutschen organisierten Geleitzüge für ihren Verkehr von und nach Norwegen.

Das Prinzip des Geleitzuges wurde aber auch schon zur Zeit der Segelschiffe angewandt. Auch hier suchte man sich gegen die Angriffe feindlicher Kampfschiffe oder Piraten zu sichern, indem man bis zu 150 Schiffe zu einem Geleit zusammenfasste. Besonders in den Englisch-Niederländischen Seekriegen des 17. Jahrhunderts wurden Seeschlachten ausgetragen, bei denen es um die Wegnahme oder Sicherung eines Geleites ging. Andere Geleitzüge formierten sich um der Piraterie nordafrikanischer Küstenstaaten zu entgehen. Geriet ein solches Geleit in eine Flaute, so nützte die stärkste Begleitung nichts, wenn die Angreifer mit windunabhängigen Galeeren über die bewegungsunfähigen Segler herfielen.

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