Reorganisierte Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage

Die Reorganisierte Kirche der Heiligen der Letzten Tage (Reorganized Latter Day Saints, RLDS), wurde in den 1860er Jahren von Mormonen gegründet, die Brigham Young nicht als Prophet anerkannten und sich stattdessen um Joseph Smith III, den Sohn des mormonischen Kirchengründers Joseph Smith Jr., scharten. Diese gingen nie nach Utah, sondern blieben im mittleren Westen der USA, vor allem in Missouri rund um Kansas City, wo bis heute der Schwerpunkt der RLDS-Kirche liegt. Die RLDS-Kirche ist mit ca. 250.000 Mitgliedern heute die zweitgrößte Konfession innerhalb des Mormonismus im weiteren Sinne und die größte "Prärie-Mormonische" (d.h. Brigham Young ablehnende) Kirche. Bis vor einigen Jahren waren alle Vorsitzenden der Kirche direkte Nachkommen von Joseph Smith Jr., aber 1996 übernahm Grant McMurray, ein nicht Verwandter, das Amt. Ende 2004 trat er völlig überraschend zurück. Während der speziell dafür angesetzten Weltkonferenz im Juni 2005 soll ein neuer Präsident vorgeschlagen und gewählt werden.

Die RLDS hat sich im Jahr 2001 in Gemeinschaft Christi (Community of Christ) umbenannt. Sie bewegt sich vielfach näher an den christlichen Kirchen der Ökumene als die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ("Mormonen" im eigentlichen Sinne), lässt ihre Priester an gewöhnlichen protestantischen Colleges zu Pfarrern ausbilden, und arbeitet auch in der ökumenischen Bewegung mit. Beispielsweise hat sie die Polygamie von Anfang an abgelehnt und hat sich inzwischen auch von Ideen wie der Totentaufe und allen geheimen Tempelzeremonien völlig getrennt. Die Frauenordination wurde in neuerer Zeit eingeführt, bleibt aber umstritten. Ihre zwei Tempel, darunter der allererste Mormonentempel in Kirtland/Ohio und ein neuer in Independence/Missouri, stehen anders als die Tempel der Utah-Kirche jedermann offen und es finden keine besonderen Rituale darin statt. Auch ihr Gottesbild ist klassisch-trinitarisch. Sie betont vor allem den kommunitarischen und pazifistischen Aspekt der mormonischen Lehren.

Das Buch Mormon erkennt diese Kirche als wertvolle Lehrquelle an, sie legt sich allerdings anders als die Utah-Kirche nicht mehr darauf fest, dass das Buch tatsächliche Ereignisse der amerikanischen Vorgeschichte darstellt. Die von dieser Kirche veröffentlicheten Ausgaben des Buches haben eine andere Kapitel- und Verszählung als die der Utah-Kirche, sind aber textlich fast identisch. Das Buch Lehre und Bündnisse wird in einer dieser Kirche eigenen Fassung anerkannt, diese enthält viele Abweichungen von der Fassung der Utah-Kirche. Das Buch Köstliche Perle wird nicht anerkannt. Als Bibel wird die sogenannte "Inspirierte Version" verwendet, eine von Joseph Smith veränderte Fassung der King-James-Bibel. Einige Änderungen aus Smiths letzten Jahren fehlen dabei allerdings.

Insgesamt kann man sagen, dass diese Kirche, insbesondere die Führungspersonen, den Tätigkeiten und Offenbarungen Smiths aus seinen letzten Jahren (Nauvoo-Phase, 1840-1844) seit jeher sehr zwiespältig gegenübersteht -- sie werden eigentlich nicht akzeptiert, aber man wollte auch vermeiden, Smith als "gefallenen Propheten" zu bezeichnen, wie es einige der kleineren ostmormonischen Kirchen getan haben. Die Kirche hat in der Vergangenheit vehement darauf bestanden, die mormonische Polygamie sei eine Erfindung Brigham Youngs gewesen und habe mit Joseph Smith nichts zu tun. Diese Aussage ist jedoch nach dem heutigen Forschungsstand nicht mehr haltbar.

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See also: Reorganisierte Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage, 1860, Bibel, Brigham Young, Buch Mormon, Dreifaltigkeit, Frauenordination, Joseph Smith, Kansas City (Missouri), King-James-Bibel