Errechnetes Bild

Als errechnetes Bild bezeichnet man Bilder, die auf einer Verbindung von Schrift und Bild, d.h. auf Geometrie beruhen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Entwicklung

Die Vorläufer der errechneten Bilder können auf den Beginn der Neuzeit zurückgeführt werden, als die Linearperspektive durch Leon Battista Alberti und Filippo Brunelleschi entdeckt wurde.

Die ersten im engeren Sinne errechneten Bilder stammen jedoch von den Brüdern Ernst Heinrich Weber und Wilhelm Weber aus dem Jahr 1836 und wurden in dem Buch Die Mechanik der menschlichen Gehwerkzeuge. Eine anatomisch-physiologische Untersuchung (Göttingen 1836) veröffentlicht; es handelt sich dabei um die zeichnerische Darstellung der Positionen des menschlichen Ganges in den verschiedenen Forbewegungsphasen. Zur Anfertigung dieser Phasenbilder wurden Differentialgleichungen eingesetzt.

Durch die Erfindung des Lebensrades bzw. des Phenakistiskops durch Joseph Plateau und Simon Ritter von Stampfer wurde es möglich, die gezeichneten Phasenbilder zu animieren. Mit Hilfe der Fotografie hielten Étienne-Jules Marey, Eadweard Muybridge und Ottomar Anschütz etwa ab den 1870er Jahren ähnliche Bewegungsstudien in ihren Momentfotografien fest.

Durch die Entwicklung des Computers (Turingmaschine; Alan Turing 1936; Z1, Konrad Zuse 1938; Von-Neumann-Architektur, John von Neumann 1946 u.a.) wurden eine neue Dimension der errechneten Bilder möglich. Die u.a. durch Benoît Mandelbrot um 1980 begründete Fraktale Geometrie visualisierte mathematische Gleichungen; weitere Meilensteine des errechneten Bildes war die Enzwicklung der Vektorgrafik sowie der verschiedenen Verfahren der Fotorealistik wie Raytracing und Radiosity und schließlich der dreidimensionalen virtuellen Relaität (VR).

In Form der diversen bildgebenden Verfahren wurden die errechneten Bilder in den modernen Naturwissenschaften in der Gegenwart zum alltäglichen Hilfsmittel.

Medientheoretische Positionierung

Errechnete Bilder nehmen eine medientheoretische Sonderstellung ein, da sie sich weder dem klassischen Kanon der Kunstgeschichte zuordnen lassen, noch eine geeignete bildwissenschaftliche Theorie existiert.

Die wohl besten Erklärungsmodelle liefert Vilém Flusser mit seiner Theorie der technischen Bilder im Rahmen der Kommunikologie; hier werden alle Varianten des Bildes subsummiert, die durch Anwendung von mathematischen Formeln entstehen, also auch die Fotografie. Diese Betrachtung fasst den Rahmen weiter als Friedrich Kittler, der errechnete Bilder auf die konkrete und unmittelbare Anwendung von Formeln wie beispielsweise Differentialgleichungen; bei Flusser entstehen technische Bilder dagegen durch Apparate, die durch Formeln und Gleichungen ermöglicht werden.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

See also: Errechnetes Bild, 1836, 1870er, 1936, 1938, 1946, 1980, Alan Turing, Benoît Mandelbrot, Bild