Gerundium
Das Gerundium (nicht zu verwechseln mit dem Gerundivum) wird sowohl im Lateinischen als auch im Englischen (engl. gerund) dazu verwendet, ein Verb substantivisch zu gebrauchen. Es entspricht in seiner Bedeutung dem sog. "substantivierten Infinitiv" des Deutschen (z. B. "das Gehen", "beim Gehen"). Im Gegensatz zum Gerundivum hat es grundsätzlich eine aktivische Bedeutung.
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Bildung
Im Lateinischen
Das Gerundium wird im Lateinischen gebildet, indem man an den Verbstamm (z.B. voca- von vocare) -nd- und die Kasusendung der o-Deklination anhängt. Als Nominativ wird der Infinitiv selbst verwendet; da das Lateinische wie das Deutsche die Form als Neutrum ansieht ("das Laufen"), entspricht wie bei allen Neutren die Form des normalen Akkusativs der des Nominativs. Die -nd-Form wird im Genitiv, Ablativ und Akkusativ mit "ad" verwendet; einen Dativ bildet das Gerundium nicht. Formal sieht das Gerundium also in Genitiv, Akkusativ (mit "ad") und Ablativ wie ein Gerundivum aus. Eine Pluralbildung ist, wie im Deutschen, weder sinnvoll noch möglich.
Die ganze Deklinationsreihe lautet:
- Nom. errare - das Irren
- Gen. errandi - des Irrens
- Dat. - [entfällt]
- Akk. 1) errare - das Irren
- Akk. 2) ad errandum - zum Irren [nicht die Person, sondern die Tätigkeit!]
- Abl. errando - durch das Irren
Beispiel: Errare humanum est. ((Das) Irren ist menschlich.) "Errando discimus" würde dann heißen: "Durch das Irren lernen wir".
Im Englischen
Im Englischen wird das Gerundium (gerund) durch Anhängen eines "ing" an den Wortstamm gebildet, also z. B. "reading is fun" (engl.) = "Lesen macht Spaß" (dt.), "the reading was rewarding" (engl.) = "das Lesen war lohnenswert" (dt.). Obwohl das gerund auf den ersten Blick der Verlaufsform gleicht ("I am reading"), sind doch Syntax und Bedeutung eine ganz andere, eben die des substantivierten Infinitivs.
