Geschichte des Hinduismus
Der Hinduismus ist eine der ältesten heute noch praktizierten Glaubensformen. Aufgrund von Funden aus der Zeit der Indus-Kultur (2600 v. Chr. bis 1800 v. Chr.) geht man heute von einer mindestens 4000 Jahre alten Geschichte hinduistischer Glaubensvorstellungen aus.
Nach einer Theorie, die von Max Müller aufgestellt wurde, sind um 1500 v. Chr., am Ende der Indus Kultur, von außerhalb Indiens Arier eingewandert, die zu einer weiteren Hochkultur in Nordindien beigetragen hätten. Es ist aber auch möglich, dass die Rig Veda und andere Schriften des frühen Indiens älter sind als bisher angenommen, und dass die Rig Vedische Kultur ein und diesselbe war wie die Indus- und Sarasvati Kultur. In den frühen Schriften Indiens wird nirgends erwähnt, dass die Arier von außerhalb Indiens gekommen wären.
Zu den ältesten erhaltenen Schriften Indiens gehören die Rig Veda, der Sama Veda, der Yajur Veda und der Atharva Veda sowie einige astronomische Texte. Die ältesten indischen Texte können nicht mit Bestimmtheit datiert werden.
Sie erlauben einen Einblick in das frühe religiöse Leben, das von Tier- und Pflanzenopfern, rituellen Waschungen und Gebeten bestimmt war. Noch heute im Hinduismus bekannte Götter (Vishnu, Brahma) werden dort bereits verehrt.
Eine Neuausrichtung beginnt in der Zeit der Upanishaden (700 v. Chr. bis 200 v. Chr.). Sie wird sichtbar in den Brahmanas, den Aranyakas und den Upanishaden. Die Unterteilung in diese drei Textgattungen folgt der indischen Tradition, allerdings sind die Grenzen zwischen diesen Textsorten fließend. Die Brahmanas entwickeln eine komplizierte Opfertheologie, die Aranyakas ("Wald- oder Wildnisbücher") behandeln Geheimlehren, die nicht in den Siedlungen, sondern außerhalb (eben im Wald) diskutiert wurden, und die Upanishaden enthalten mystische Spekulationen. Sie umfassen etwa 250 Schriften, die über mehrere Jahrhunderte entstanden sind und Themen wie Wiedergeburt, Yoga und Karma ansprechen. Insbesondere die 13 vedischen Upanishaden, das heißt diejenigen, die je einem bestimmten der vier Veden zugeordnet sind, haben den späteren Hinduismus geprägt. Das Ende der Upanishadenzeit wird oft als ein Einschnitt angesehen: Die Zeit davor wird manchmal Brahmanismus genannt, und Hinduismus bezeichnet dann ausschließlich die nachfolgende Zeit.
Die im Westen bekannteren Götter Krishna und Rama erscheinen in der epischen Literatur zwischen 200 v. Chr. und 400. Das Ramayana und das Mahabharata sind umfangreiche und vielgelesene Dichtungen dieser Periode. Der wichtigste Teil des Mahabharata ist das Lehrgedicht Bhagavad Gita. In diese Zeit fällt auch die Aufspaltung der bis dahin homogenen Glaubensrichtung in eine Vielzahl von Ausrichtungen, die einzelne Götter speziell verehren, (beispielsweise Shaktismus, Shivaismus und Vishnuismus)sowie eine Kodifizierung der brahmanischen Lehre in der Dharma Sutra und Dharma Shastra.
Die darauf folgende Zeit von 400 bis 1700 ist durch die Puranas, eine vielzahl historischer, mythologischer und lehrender Schriften, charakterisiert. In diese Zeit fällt auch der Beginn tantrischer Traditionen. Seit dem 8. Jahrhundert griff der Islam auf den indischen Subkontinent über und dominierte im 16. und 17. Jahrhundert unter dem Mogulreich. Der Hinduismus musste sich von einer durch den Herrscher geförderten Religion zu einer Volksreligion wandeln.
Der Niedergang des Mogulreiches fiel mit der Ankunft der Britischen Ostindischen Gesellschaft zusammen, die den Hinduismus mit christlichem und abendländischem Gedankengut konfrontierte. Das Kastensystem oder die Tradition der Witwenselbstverbrennung wurden auch innerhalb des Hinduismus verstärkt hinterfragt.
Die Unabhängigkeitsbewegung Indiens unter Mahatma Gandhi, der seinen gewaltfreien Widerstand insbesondere aus der Bhagavad Gita ableitete, trugen zu größerem Interesse an hinduistischen Traditionen in der westlichen Welt bei.
