Geschichte des Kantons Glarus

Inhaltsverzeichnis

Ur- und Frühgeschichte

Bronzezeitliche (13.- 9. Jh. v. Chr.) Funde sind erste Belege menschlicher Anwesenheit im heutigen Kanton Glarus. Für die keltische Besiedlung (3. Jh. v. Chr.) sprechen Bodenfunde und Ortsbezeichnungen. So leitet sich der Name des Talflusses Linth vom keltischen Linta ab, was die Geschmeidige oder Schlange, Drache bedeutet.

Römische Zeit

Reste römischer Bauten finden sich am Walensee und auf Kerenzen. Zu Beginn unserer Zeitrechnung gehört das Glarnerland zur Provinz Rätien.

Christianisierung

Die erste Talkirche wird im 6. Jahrhundert in Glarus gebaut. Um 700 wandern die Alemannen ein, deren Sprache sich aber erst im 11. Jahrhundert allgemein durchsetzt. Zu dieser Zeit untersteht das Glarnerland dem Kloster Säckingen.

Der Weg in die Eidgenossenschaft

Im 13. Jahrhundert kommt es unter habsburgische Vormacht, die die Glarner abzuschütteln versuchen. Sie verfügten nämlich über eine gewisse Eigenständigkeit, urkundet doch 1282 die Gemeinschaft der Männer des ganzen Tales Glarus. 1351 lassen sie sich von Zürchern und Innerschweizern erobern.

Nachdem sie 1352 einen ersten Rückeroberungsversuch Habsburgs zurückgeschlagen haben, schliessen sie den Bund mit den Eidgenossen und errichten unterhalb Näfels eine Letzimauer, von der Überreste heute noch festzustellen sind. Nach der Schlacht bei Sempach erobern sie das Städtchen Weesen, das durch eine verräterische Mordnacht im Februar 1388 wieder verloren geht.

An der ersten ausführlich dokumentierten Landsgemeinde geben sie sich 1387 eigene Satzungen und legen damit den Grundstein zur heutigen demokratischen Verfassung.

Am 9. April 1388 schlagen sie in der Schlacht bei Näfels ein mehrfach überlegenes habsburgisches Heer und befreien sich mit diesem Sieg von der habsburgischen Herrschaft. - Seither erinnert die am ersten Donnerstag im April begangene Näfelser Fahrt an dieses Ereignis.

1395 kaufen sie sich von Säckingen los, zahlen dem Frauenkloster aber noch bis zum Umsturz Ende des 18. Jahrhunderts einen ewigen Jahreszins.

Reformation und Konfessionalismus

Schon vor 1530 ist die Mehrheit der Glarner und Glarnerinnen reformiert. Ulrich Zwingli hatte während zehn Jahren in Glarus als Pfarrer gewirkt und seine Reformationsschrift 1523 Ammann, Rat und Gmeind des Lands Glaris gewidmet. Nur Näfels und Oberurnen bleiben beim alten Glauben und einige wenige andere Gemeinden werden paritätisch. Erste Grundsätze von Religionsfreiheit vermögen jedoch die Spannungen zwischen den Konfessionen nicht zu verhindern.

Immerhin überdauert das Simultanverhältnis an der Kirche von Glarus: bis zur Weihe der katholischen St. Fridolins Kirche 1964 nutzen beide Konfessionen die gleiche Kirche; daran vermag selbst der verheerende Brand von Glarus (1861) nichts zu ändern. Die Staatsgewalt jedoch teilt sich. Es gibt drei Landsgemeinden: je eine der Angehörigen der beiden Glaubensgruppen und die gemeinsame. Auch die Gerichte, das Militär- und Postwesen und der Salzhandel trennen sich. Es gelten gar, weil die Reformierten den Gregorianischen Kalender ablehnen, während eines Jahrhunderts zwei Kalender. 1836 hebt die neue Kantonsverfassung diese konfessionelle Landesteilung auf.

Unrühmliche Bedeutung erlangte der Kanton Glarus in der Rechtsgeschichte, als hier im Jahre 1782 mit der Enthauptung von Anna Göldi die letzte Hexenhinrichtung Mitteleuropas stattfand. Ebenfalls einmalig in Europa wurde im Glarus erst im Jahre 1851 offiziell die Folter als Mittel der gerichtlichen Wahrheitsfindung abgeschafft.

Napoleonische Zeit

1799 wird das Glarnerland zum Kriegsschauplatz fremder Heere. Die Franzosen zwingen die über den Pragelpass und das Klöntal vorgestossenen Russen unter General Suworow zum verlustreichen Rückzug über den verschneiten Panixerpass. - Aus dem ausgehungerten Land ziehen 1200 Kinder in andere Kantone, wo sie Ernährung und Hilfe finden müssen.

Wirtschaftsgeschichte

Alpwirtschaft

Der Kanton Glarus ist der am stärksten industrialisierte Kanton der Schweiz. Ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte zeigt, dass die Glarner schon früh keine Selbstversorger mehr sind. Sie sichern sich bereits im 15. Jahrhundert ihr Auskommen mit Viehexport und Handel mit Milchprodukten - zu denen damals schon der Glarner Ziger gehört. Der Alpwirtschaft kommt heute noch Bedeutung zu. Die 96 Alpen werden von 125 Sennten mit knapp 14.000 Tieren bestossen. Je Alpsommer werden rund 4.000 Tonnen Milch verarbeitet.

Reisläuferei

Von etwa 1500 bis 1800 bildet die Reisläuferei eine der Hauptverdienstquellen der Glarner. Fast 1.000 bringen es in fremden Diensten zum Offizier, einige zudem zu Ruhm, Ansehen und Reichtum; und noch viel mehr verlieren als Soldaten das Leben. Der Herrschaftssitz von Kaspar Freuler zeugt von den Möglichkeiten eines Heerführers jener Zeit. Heute beherbergt dieses schönste Bürgerhaus der Schweiz aus dem 17. Jahrhundert das äusserst sehenswerte Museum des Landes Glarus (mit Textildruck-, Skisport-, Militär- und Waffenabteilung).

Gewerbliche Produktion

Im 16. und 17. Jahrhundert kommt der Handel mit gewerblichen Produkten (Schiefertafeln und -tische, Griffel, gestrickte Strümpfe, Kappen, Mätzenwebereiwaren) und später, in einer Zeit der Verdienstlosigkeit, die Handspinnerei auf.

Fabrikindustrie

Um 1740 hält mit der ersten Zeugdruckerei die Fabrikindustrie Einzug ins Tal, was dazu führt, dass die Weberei aufgenommen wird. In Zeiten des Niedergangs - wegen der Maschinenspinnerei und -weberei - kommt es zu Auswanderungswellen. Mitte des 19. Jahrhunderts verlässt jede zwölfte Person das Glarnerland. An diese wirtschaftlich schlimmen Situationen erinnert die Siedlung «New Glarus» im Staate Wisconsin/USA, die 1845 von ausgewanderten Glarnern und Glarnerinnen errichtet wird, und zu der immer noch gute Beziehungen bestehen. Einige Jahre später (um 1865) kommt es zum «glarnerischen Wirtschaftswunder». Die Bevölkerung wächst stark an. Die Textilindustrie bietet über 10'000 Arbeitsplätze an und ihre Produkte gelangen wegen ihrer ausgezeichneten Qualität, Marktforschung vor Ort und weit verzweigtem Netz an Handelsniederlassungen in jeden Winkel der Erde.

Industrieller Niedergang

Der Niedergang der Druck- und Textilindustrie gegen Ende des Jahrhunderts trifft das Land hart. Doch schafft, wie die oben erwähnten Zahlen belegen, die glarnerische Wirtschaft den Strukturwandel. So finden sich heute beispielsweise im denkmalgeschützten «Hänggiture»-Holzturm, an und in dem einst die bedruckten bunten Tücher zum Trocknen ausgehängt waren - High-Tech-Unternehmen. Die gewonnene Vielseitigkeit liess die glarnerische Wirtschaft widerstandsfähiger werden; geblieben ist die enorme Exportabhängigkeit.

Sozialgesetzgebung

Seit alters her an das Mitbestimmen an der Landsgemeinde gewohnt, prägt die Glarner Arbeiterschaft zusammen mit sozial gesinnten Ärzten und Pfarrern die Sozialgesetzgebung im 19. und 20. Jahrhundert. So wird zum Beispiel 1856 die Fabrikarbeit für unter 12-jährige verboten und 1864 das erste demokratisch durchgesetzte Fabrikgesetz erlassen. Es reduziert die tägliche Arbeitszeit auf zwölf Stunden (1872 auf elf Stunden), verbietet Nacht- und Kinderarbeit, schreibt Arbeitssicherheits- und Hygienemassnahmen vor und bringt einen bescheidenen Wöchnerinnenschutz. 1916 stimmt die Landsgemeinde der Schaffung einer kantonalen Alters- und Invalidenversicherung zu. Diese erste obligatorische Sozialversicherung findet mit der AHV erst 1948 eine Entsprechung auf Bundesebene. Ebenfalls ist es die Glarner Landsgemeinde, die 1925, als erstes seiner Art, das Gesetz über die Arbeitslosenversicherung erlässt. Der Fabrikarbeiterverein Schwanden gründet 1864 den ersten Konsumverein der Schweiz.

Weblinks

Glarus !

See also: Geschichte des Kantons Glarus, 1282, 13. Jahrhundert, 1351, 1352, 1387, 1388, 1395, 15. Jahrhundert, 1500