Geschichte des Kantons Zürich
(Für die von der Stadt ausgehenden beziehungsweise in erster Linie die Stadt betreffenden geschichtlichen Ereignisse siehe auch den Artikel Geschichte der Stadt Zürich.)
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Antike
Erste Besiedlungsspuren im Gebiet des heutigen Kantons Zürich stammen aus der jüngeren Steinzeit, somit dem 3. vorchristlichen Jahrtausend. Es wird im Altertum von den Kelten (Helvetiern) und Römern (römische Kastelle in Zürich, Irgenhausen, Nürensdorf und Oberwinterthur) besiedelt und gehört von 15 v. Chr. bis 401 n. Chr. zum Römischen Reich. Ab 500 dringen die Alemannen in das Gebiet vor; die schon ansässige Bevölkerung wird assimiliert. Im 7. Jahrhundert gehört es zum Frankenreich der Karolinger und Merowinger; die Bevölkerung wird christianisiert.
Mittelalter
858 macht der ostfränkische König Ludwig der Deutsche, ein Enkel Karls des Grossen, das von ihm gegründete Zürcher Fraumünster zum Mittelpunkt eines ausgedehnten Komplexes von Königsgut. Die karolingische Pfalz auf dem Lindenhof in Zürich wird im 10. und 11. Jahrhundert unter den Ottonen ausgebaut und später mehrfach von salischen Herrschern besucht. 1218 wird die Stadt Zürich freie Reichsstadt; zu dieser Zeit gehört das Gebiet des nachmaligen Kantons zahlreichen lokalen Herren. Bedeutendere damalige Besitzer sind die Grafen von Kyburg (Stammburg südlich von Winterthur) und die Freiherren von Regensberg (Stammburg nordwestlich der Stadt Zürich) und Schnabelburg (Stammburg auf dem Albis). Als Zürich 1351 einen ewigen Bund mit den Eidgenossen schliesst, besitzt die Stadt ausser der heutigen Altstadt erst die Orte Fluntern, Oberstrass und Unterstrass; über das Zürcher Bürgerrecht verfügen ausserdem die Einwohner von Zollikon, Küsnacht, Enge, Wollishofen, Wiedikon, Altstetten, Weiningen, Urdorf, Birmensdorf, Aesch sowie die heute zu Nachbarkantonen gehörenden Rudolfstetten, Berikon und Pfäffikon SZ.
Expansion
Die Zeit der Expansion ist die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts, als Zürich in den Besitz praktisch des ganzen Gebiets des heutigen Kantons gelangt. Sie teilt es auf in die Landvogteien Regensberg, Kyburg, Andelfingen, Grüningen, Greifensee sowie die Obervogteien Küsnacht, Horgen und Maschwanden-Freiamt. Ebenfalls in zürcherischem Besitz war die Landvogtei Sax-Forstegg im Rheintal, die heute zum Kanton St. Gallen gehört. Bald wird Zürich zusammen mit Bern und Luzern führender Ort der Schweizerischen Eidgenossenschaft.
Alter Zürichkrieg
Nach einer wirtschaftlichen und kulturellen Blüte im späten 13. und frühen 14. Jahrhundert unterliegt Zürich im Alten Zürichkrieg (1436-1450) um das Erbe der Toggenburger den Schwyzern und der übrigen Eidgenossenschaft; seine Wirtschaft wird schwer geschädigt. 1442 sieht sich Zürich gezwungen, die Landvogtei Kyburg mit Ausnahme der westlich der Glatt gelegenen Teile (Obervogtei Neuamt) wieder an Habsburg-Österreich abzutreten, um Unterstützung im Kampf gegen die Eidgenossen zu erhalten. Die Eidgenossen erzwingen eine endgültige Abkehr Zürichs von Österreich. 1452 kauft Zürich die Landvogtei Kyburg zurück, 1467 erfolgt der Ankauf der habsburgtreuen Stadt Winterthur gegen den Willen der Winterthurer.
Schwabenkrieg
1499-1515 engagiert sich Zürich politisch und militärisch stark im Schwabenkrieg und den oberitalienischen Feldzügen. Allmählich löst sich Zürich aus seiner süddeutschen Nachbarschaft und wendet sich mehr und mehr der Eidgenossenschaft und dem mit ihr verbündeten Frankreich zu.
Reformation
1525 führt der Rat unter theologischer Führung von Ulrich Zwingli in Zürich die Reformation ein und setzt diese auch im ganzen stadtstaatlichen Untertanengebiet - teils gegen starken täuferisch gesinnten Widerstand - durch. Die Aufnahme von Glaubensflüchtlingen aus dem Tessiner Locarno hilft der Textilindustrie und dem Textilhandel zu neuer Blüte; diese garantieren Zürich wirtschaftliche Prosperität bis ins späte 19. Jahrhundert. Unter Zwinglis Einfluss werden die Söldnerverträge mit Frankreich gekündigt; knapp hundert Jahre später verlässt Zürich infolge neuer Verträge mit Frankreich und Venedig 1614/15 seine selbst gewählte Isolation wieder.
Ancien régime
Im Dreissigjährigen Krieg 1618-1648 sympathisiert der Stadtstaat mit Schweden. Als direkte Folge des Sieges der protestantischen Orte im Zweiten Villmergerkrieg von 1712, einem durch konfessionelle Gegensätze ausgelösten schweizerischen Bürgerkrieg, dominiert Zürich von nun an zusammen mit Bern die Eidgenossenschaft. Politische Erstarrung der stadtstaatlichen Strukturen verhindern im 18. Jahrhundert nicht eine erneute kulturelle Blüte, führen aber 1794/95 zum Stäfnerhandel, einem Aufstand der politisch und wirtschaftlich machtlosen Landbevölkerung. Diese Selbständigkeitsregungen der Landschaft werden indes von der Stadt noch einmal unterdrückt.
Helvetik, Mediation, Restauration
1798 bricht der Stadtstaat unter innerem und äusserem Druck zusammen. Die neue Helvetische Republik, ein französischer Satellitenstaat, garantiert die Rechtsgleichheit von Landvolk und Stadtbürgern. 1803 wird durch die napoleonische Mediationsakte beziehungsweise die so genannte Mediationsverfassung unter Aufhebung der Untertanenverhältnisse der Landschaft der moderne Kanton Zürich gegründet. Doch mit der 1814 erlassenen restaurativen Verfassung (so genannte Restaurationsverfassung) erlangt die Stadt wieder das alte politische Übergewicht; die wirtschaftliche Gleichheit wird aber nicht mehr vollständig rückgängig gemacht.
Liberalismus
Nach der französischen Julirevolution kommt es auch in Zürich zum politischen Umsturz. Am Ustertag 1830 findet ein Aufstand der Landbevölkerung im Zürcher Oberland statt, und infolge dessen gibt sich der Kanton 1831 eine repräsentativ-demokratische Verfassung mit den Prinzipien Volkssouveränität, Gewaltentrennung, tatsächliche Gleichberechtigung der Stadt- und Landbewohner, Ablösung der Bodenlasten und Gewährung der Presse- und Gewerbefreiheit. Auf der Grundlage dieser Verfassung wird auch das Schulwesen grundlegend neu geordnet und 1833 die Universität gegründet. Seither gehört Zürich zu den liberalen Kantonen der Schweiz. Nach dem Züriputsch von 1839 erlangt die konservative Opposition nur vorübergehend wieder die Oberhand.
Sonderbundskrieg
In der zweiten liberalen Ära von 1844 bis 1868, die vom Politiker und Wirtschaftsführer Alfred Escher geprägt wird, entwickelt sich Zürich dank Bank- und Versicherungsgründungen, Eisenbahnbau und Handelsbeziehungen nach Übersee zur schweizerischen Wirtschaftsmetropole. Im Sonderbundskrieg von 1847, einem Krieg liberaler gegen konservative Kantone, steht Zürich auf der Seite der liberalen Sieger. 1848 wird der Kanton Glied des neuen Bundesstaats, der den Jahrhunderte alten Staatenbund ablöst.
Die Verfassung von 1869
1869 wird, nach einigen gegen die Wirtschaftsoligarchie (System Escher) gewandten Unruhen, eine direkt-demokratische, für damalige Begriffe linksliberale Verfassung erlassen. Diese ersetzt die streng repräsentative Ordnung durch eine weit ausgebaute Volksherrschaft und weist bereits soziale Züge wie die staatliche Kompetenz zur Gründung einer Kantonalbank zwecks Gewährung günstiger Kredite oder zur Förderung des Genossenschaftswesens auf. Sie ist für die schweizerische Demokratie wegweisend und legt durch ihre Vorbildwirkung auch in den anderen Kantonen dasjenige politische Grundgerüst fest, das noch heute gilt.
Verhältniswahlrecht und Frauenstimmrecht
Im Zusammenhang mit den Erschütterungen des Ersten Weltkriegs wird 1916 für den Kantonsrat das Verhältniswahlrecht eingeführt, das die bisherige Dominanz des Freisinns reduziert und besonders der Sozialdemokratie zu einer stärkeren Vertretung verhilft. Die Einführung des Frauenstimmrechts hingegen scheitert 1920 und in der Folge noch mehrfach, bis es endlich 1963 auf kirchlicher, 1969 kommunaler und 1970 kantonaler Ebene eingeführt wird (auf Bundesebene 1971).
Wirtschaftlicher Aufschwung und Verstädterung
Der wirtschaftliche Aufschwung geht ungebremst weiter und findet 1910 Ausdruck in der Gründung des Flughafens Zürich-Dübendorf, der 1948 durch Zürich-Kloten abgelöst wird. Die Verstädterung umfasst seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts fast den ganzen Kanton und lässt nur wenigen verkehrsmässig (noch) abgelegenen Gebieten im südlichen Knonauer Amt, im Weinland und in den Höhenlagen des Zürcher Oberlands ein wirklich ländliches Erscheinen. Heute umfasst die Agglomeration der Stadt Zürich wesentliche Teile des Kantons und seiner westlichen und südlichen Nachbargebiete.
Die Verfassung von 2005
Am 27. Februar 2005 stimmt das Zürcher Stimmvolk der neuen Kantonsverfassung zu.
Literatur
- Memorabilia Tigurina, ein im 18. Jahrhundert erstmals herausgegebenes Lexikon über den Stadtstaat Zürich
- Geschichte des Kantons Zürich, 3 Bände, 1990er Jahre
Weblinks
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