Erfindung des Telefons
Bei der Diskussion um die Erfindung des Telefons geht es darum, wer als erstes das Telefon erfunden hat, da man heute davon ausgehen kann, dass es parallell mehrmals erfunden wurde.
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Relevanz des ersten Erfindens
Betrachtet man die vielen kursierenden Geschichtenversionen zur Erfindung des Telefons, so läßt sich der Schluss ziehen, dass es für die Einführung des Telefons unwesentlich ist, wer das Telefon als erster erfunden hat. Genaugenommen wurde das Telefon sogar von niemandem wirklich erfunden, den die vorgesehene Gebrauchsbedingungen und ihr Funktionsziel wurden anfangs nicht zuverlässig erreicht.
Zeitliche Übersicht
Kinderspielzeug Dosentelefon
Vergleichsweise war das später als Kinderspielzeug erfundene Schnurtelefon, bei dem lediglich zwei Konservendosen mit einer Schnur verbunden werden, weit zuverlässiger als Reis’ Entwicklung, die in ihrer Form weder von nachfolgenden Erfindern aufgegriffen wurde, noch in späteren Entwicklungen Eingang fand
Erste Denkansätze - Charles Bourseul
Erste Denkansätze zu einem Telefon gab es bereits um 1854, als von Seiten des Militärs der Wunsch nach schnelleren Kommunikationsmitteln aufkam und der Pariser Telegrafenbeamte Charles Bourseul (1829-1912) ein Referat über mögliche Techniken der elektrischen Sprachübertragung verfasste. Er schlug eine bewegliche Platte vor, die abwechselnd einen Stromkreis öffnete oder schloss. Allerdings erkannten weder die Wissenschaftler, noch die Öffentlichkeit der damaligen Zeit die Bedeutung von Bourseuls Idee; man bezeichnete ihn als Träumer und „harmlosen Irren“. Von der Kritik entmutigt, gab Bourseul seine Pläne für die Umsetzung der Idee auf und sein Vorschlag geriet für lange Zeit in Vergessenheit.
Eine Vorstufe - Philipp Reis
Der von deutscher Seite gern als „wirklicher erster Erfinder“ des Telefons angeführte Philipp Reis bastelte 1860 eine Vorrichtung, die weiter unten beschrieben wird. Die Tonübertragung damit war nur bei sehr minimaler Berührung eines Platinblechstreifens durch eine Drahtfeder möglich. Diese überaus labile Einstellung konnte von jeder geringen mechanischen Erschütterung und Temperaturänderung zu Fall gebracht werden. Reis’ Erfindung war damit allenfalls eine Vorstufe zu einem funktionstauglichen Telefon. Auch die wohlwollenden Gönner, die der junge Reis offenbar hatte, konnten mit diesem offenbar nur fallweise funktionierenden Gerät nicht viel anfangen.
Die Geschichte von Philipp Reis
thumb|right|240px|Zeichnung der Versuchsanordnung von Philipp Reis Im Jahre 1852 nahm der Physikalische Verein in Frankfurt am Main einen Achtzehnjährigen auf, der wenig später eine der bedeutendsten Erfindungen des 19. Jahrhunderts machte: Der aus dem hessischen Gelnhausen stammende Bäckersohn Philipp Reis (1834-1874), der in Frankfurt und Friedrichsdorf eine höhere Ausbildung erhalten hatte und als Lehrer für Physik und Mathematik am Institut von Hofrat Garnier in Friedrichsdorf eingestellt worden war, entwickelte 1860 das erste - wenn auch noch sehr primitive - Telefon der Welt. Grundlage war ein Holzmodell einer Ohrmuschel, das er für den Physikunterricht entwickelt hatte, um damit „Töne aller Art durch den galvanischen Strom in beliebiger Entfernung zu reproduzieren“. Erst die kurz zuvor erlangten Erkenntnisse auf dem Gebiet des galvanischen Stroms in der Physik und Elektrotechnik ermöglichten die konstruktive Umsetzung dieses Gedankens.
Reis simulierte das Trommelfell seines Ohrmodells, indem er daran ein Stück Wursthaut befestigte, deren Schwingungen von einem feinen Platinstreifen und einer Feder abgetastet wurden. Trafen Schallwellen auf das „Trommelfell“, versetzten sie dieses in Schwingungen, die wiederum in gleicher Regelmäßigkeit den Stromkreis unterbrachen. Im Laufe seiner Versuche stellte er fest, dass er als Sender statt des komplexen Ohrmodells auch einen mit einer Membran bespannten Schalltrichter verwenden konnte. Als Empfänger diente ihm eine um eine Stecknadel gewickelte Kupferdrahtspule, durch die der vom Sender ausgesandte, thumb|left|240px|Postkarte zu Ehren von Philipp Reis teils unterbrochene, Strom floss. Die Nadel übersetzte die Impulse durch Bewegung wieder in Schallwellen; zur Verstärkung der Töne setzte Reis ein Holzkästchen als Resonanzboden ein.
Zwar war die Übertragung nur in eine Richtung möglich und die Leistungsfähigkeit sehr gering, aber bei 1947 von der Telefonfirma STC durchgeführten Tests mit dem von Reis entwickelten Telefon wurde festgestellt, dass es Sprache sehr gut übermittelte.
Trotz vieler Bemühungen konnte Reis seinem Apparat nicht zum Erfolg verhelfen. Zwar wurden einige Geräte von Laboratorien gekauft, viele bedeutende Wissenschaftler ließen sich aber nicht von Reis' Idee überzeugen. Philipp Reis war seiner Zeit schlichtweg voraus; als er sein Telefon bereits fertig gestellt hatte, war die Entwicklung des Telegrafen, die damals im Blickpunkt des wissenschaftlichen und öffentlichen Interesses stand, noch nicht abgeschlossen.
Graham Bell - erstes Patent zu unrecht?
Es ist lediglich möglich, dass eine kurze zufällige Übertragung von Tönen statt von Impulsen bei Alexander Graham Bells Versuchen zu einem „harmonischen Telegraphen“ zur gleichzeitigen Übertragung mehrerer Informationen auf dem gleichen Effekt beruhte, wie bei dem von Reis gebauten Apparat. Bell gelang es offenbar nicht, diese Beobachtung richtig einzuordnen oder zu verwerten.
Der dennoch weit erfolgreichere Alexander Graham Bell beschrieb in seinem Patentantrag lediglich die Idee zu einem Telefon. Ihm kam dabei zugute, dass wenige Jahre zuvor das Patentamt den Verzicht auf die Vorlage eines funktionierenden Modells zum Patentantrag beschlossen hatte. Die Realisierung eines Telefons gemäß dem Patent gelang nicht, vielmehr musste Bell dazu später Ideen seines Konkurrenten Elisha Gray verwenden, der seinerseits am gleichen Tag, jedoch zwei Stunden nach Bell einen Patentantrag eingereicht hatte. Auch dann war dieses Telefon (mit einer säuregefüllten Metalldose!) noch nicht wirklich gebrauchstauglich, Bell musste von seinem fachkundigen Assistenten Thomas J. Watson, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen ersten Präsidenten der IBM (1874-1956), erst noch weitere Änderungen vornehmen lassen sowie das Kohlemikrofon nach dem Patent des Engländers Blake benutzen, um seinen Telefonapparat anwendungsreif zu machen.
Das Patent, das Bell zugesprochen wurde, hatte jedoch den unschätzbaren und erfolgsträchtigen Nutzen, dass Bell damit allen anderen Konkurrenten die Aktivitäten auf dem Gebiet des Telefons mit staatlicher Rückendeckung untersagen konnte. Auch die mächtige Western Union Telegraph Company, die Elisha Gray unter Vertrag nahm und in Reaktion auf die Patenterteilung an Bell von Thomas Alva Edison ein anderes Gerät als das von Bell entwickeln ließ, scheiterte nach zahllosen Prozessen daran.
Die Geschichte von Bell, Gray und Meucci
thumb|right|240px|Alexander Graham Bell spricht in ein Telefon Die Realisierung der Telefon-Idee gelang Alexander Graham Bell (1847-1922) sechzehn Jahre später: Der Taubstummenlehrer, der 1873 eine Privatschule für Stimmphysiologie eröffnet hatte, führte diverse Versuche zur Mehrfachtelegrafie durch. Dabei erkannte er, dass etwas dermaßen Komplexes wie Sprache nicht durch einfache Unterbrechungen eines Stromflusses transportiert werden kann, sondern dass hierzu eine fortdauernde Änderung des Stromes nötig ist. Bell hatte in den Erkenntnissen der „elektromagnetischen Induktion“, die auf den Physiker Michael Faraday (1791-1867) zurückgehen, zwar schon eine Lösung für die Umsetzung gefunden. Es mangelte jedoch an den zur Durchführung notwendigen Fachkenntnissen. Erst durch einen Zwischenfall bei einem Versuch erkannte Bell, wie er die Stromänderung steuern konnte. Er machte sich sofort mit seinem Assistenten Thomas A. Watson daran, einen Apparat zu bauen, der - ähnlich dem Telefon des Philipp Reis - die Schwingungen einer Membran in elektrische Schwingungen umwandelte.
Nach etlichen Versuchen mit seinem Apparat ließ Bell im Februar 1876 seinen Anwalt ein Patent beantragen. Nur zwei Stunden später versuchte auch der Erfinder Elisha Gray, ein ähnliches Gerät anzumelden. Drei Wochen später, am 7. März, erhielt Alexander Graham Bell das Patent für sein Telefon. Wie oben schon erwähnt kam ihm dabei zugute, dass er nach neuestem Recht kein funktionierendes Modell vorlegen musste, ferner auch, dass zwar Antonio Meucci schon 1871 einen vorläufigen Patentantrag eingereicht hat, jedoch die Gebühren dafür nur bis 1874 zahlen konnte. Im Gegensatz zu der Erfindung von Gray, war Bells Apparat erst nach weiteren drei Tagen überhaupt betriebsbereit. Am 10. März 1876 übertrug Bell mit einem Notruf an seinen Assistenten Watson die ersten Worte über sein Telefon. thumb|left|160px|Elisha Gray Wie schon Charles Bourseul hatte auch Bell Schwierigkeiten, die Öffentlichkeit für die Erfindung zu begeistern. Verweigerte man Bourseul 1854 nur das Interesse an seiner Idee, wurde Bell gar als Bauchredner und Betrüger bezeichnet. Doch der Erfinder schenkte dem keine Beachtung und arbeitete mit seinem Assistenten weiter an der Verbesserung des Apparates.
Die für den Erfolg seiner Erfindung notwendige Berühmtheit brachten schließlich bedeutende Wissenschaftler aus der Gefolgschaft des damaligen Kaisers von Brasilien, der das Telefon auf einer ersten Ausstellung im Juni 1876 entdeckt hatte. Die Wissenschaftler sahen in dem Apparat „das größte Wunder, das je auf dem Gebiet der Elektrizität vollbracht worden ist“ und trugen so entscheidend zur Verbreitung in Europa bei. Bell selbst war die Bedeutsamkeit seiner Erfindung bewusst, und so gründete er 1877 die Bell Telephone Company, die in den Vereinigten Staaten den Bau eines Fernsprechnetzes übernehmen sollte. Elisha Gray verbündete sich mit der Western Union Telegraph Company, der damals größten Telegrafengesellschaft, die zuvor nicht am Kauf des Patents von Bell interessiert war, und fing ebenfalls an, ein Telefonnetz aufzubauen. Bald darauf begannen die ersten Patentprozesse, in denen festgestellt werden sollte, ob Bell tatsächlich der Erfinder des Telefons war. Bell konnte alle der insgesamt fast 600 Prozesse für sich entscheiden, da die Gerichte sich meist darauf beriefen, dass Bell als erster ein Patent erworben hatte. So wurde unter anderem nicht nur Elisha Gray und der Western Union, sondern sogar Philipp Reis der Status des Telefonerfinders verwehrt.
Die Bell Telephone Company benannte sich 1885 in American Telephone and Telegraph Company (AT&T) um und ist heute der weltgrößte Telefonkonzern.
Edison
Dabei war Thomas Alva Edisons dann verbotenes Gerät möglicherweise technisch ausgereifter als Bells Entwicklungen. Dafür konnte Edison aber wahrscheinlich einen kleinen Erfolg bei der Durchsetzung der Begrüßungsformel verbuchen. Er favorisierte „Hallo“, während Bell lieber „Ahoi“ gehört hätte.
