Geschichte Kärntens

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte und Römische Zeit

Erste Besiedlungsspuren sind seit der Altsteinzeit nachweisbar. Der Name "Kärnten" und auch Carniola, der lateinische Name Krains, kommt von den Karniern, einem wahrscheinlich illyrischen Stamm, der in der Bronzezeit hier siedelte.

In der Eisenzeit, ab ca. 300 v. Chr. bis zur Eroberung durch die Römer ist im heutigen Kärnten das Zentrum des mächtigen keltischen Staates Norikum, welcher sich etwa bis zur Donau erstreckt. Die Noriker waren im Altertum berühmt für die Eisenverarbeitung und standen schon früh mit den Etruskern, später auch mit den Römern in Handelsbeziehungen. Wichtige Ausgrabungsstätten sind u. a. Klein-Klein und das Zollfeld (Magdalensberg). Das gesamte Königreich Noricum wurde 15 v. Chr. ein Teil des Römischen Reiches.

Wichtige Orte waren Virunum (nördlich des heutigen Klagenfurt) und Teurnia (nahe Spittal an der Drau).

Die römische Kultur wird im Lauf des 6. Jahrhunderts durch slawische und awarische Immigrationswellen überformt.

743 wird das Fürstentum "Karantanien", seit dem 6. Jhdt. so genannt, unter fränkische Herrschaft gebracht (s. Awarenmark). Zu diesem Karantanien gehören nicht nur Kärnten, sondern auch das heutige Slowenien und ein Großteil der Steiermark. Slawen und Bajuwaren besiedeln das Land.

Mittelalter

887 wird Arnulf von Kärnten König des Ostfrankenreiches und 896 Römischer Kaiser. Eine der wichtigsten seiner Pfalzen ist die Karnburg. Als Kaiser vereinigt er für kurze Zeit und zum letzten Mal in der Geschichte die Teile des Frankenreichs unter einer Regentschaft. Er gilt als letzter bedeutender Herrscher aus dem Haus der Karolinger.

897 – 947 steht Karantanien unter der Herrschaft des Herzogtums Baiern, und wird von der Familie der Luitpoldinger regiert. Aus dieser Zeit stammen auch Fürstenstein und Herzogsstuhl auf dem Zollfeld, siehe hiezu: Kärntner Herzogseinsetzung.

976 ernennt Kaiser Otto II. erstmals einen Herzog von Kärnten. Dessen Sohn Bruno von Kärnten wird von 996-999 als Gregor V. der erste deutsche Papst. Kärnten wird Herzogtum neben den alten Stammesherzogtümern Baiern, Schwaben, Franken und Sachsen, und somit die älteste Ländereinheit auf dem Boden der heutigen Republik Österreich. Mit diesem Herzogtum ist auch Friaul und die Gegend um Verona verbunden.

Das 11. Jahrhundert ist eine Epoche der Klostergründungen: um 1010 St. Georgen am Längsee, vor 1028 Ossiach, um 1070 Millstatt, 1072 Gurk, 1091 St. Paul im Lavanttal.

Herzog Adalbero von Eppenstein (reg. 1011-1035) begründet die erste einheimische Dynastie; nach seinem Sturz folgen in raschem Wechsel schwäbische und fränkische Herzoge. Die Eppensteiner sterben 1122 endgültig aus; es kommt zur endgültigen Trennung der Steiermark unter der Markgrafenfamilie der Otakare. Die Nachfolger der Eppensteiner sind bis 1269 die rheinfränkischen Spanheimer. Zu dieser Zeit wird auch Krain selbständig, Friaul kommt unter das Patriarchat von Aquileia.

1193/1199 wird Klagenfurt erstmals urkundlich als forum Chlagenuurt erwähnt.

Das mittelalterliche Kärnten erreicht mit Bernhard von Spanheim (reg. 1202-1256) mit einer Vollentwicklung des Städtewesens seine Blütezeit. Mit dem Tod seines Nachfolgers Herzog Ulrich III. von Kärnten erlischt die letzte einheimische Herzogdynastie (1279 stirbt sein Bruder Philipp von Spanheim, Letzter seines Geschlechts).

Neben dem Herzogsgeschlecht sind aber auch mehrere andere Adelsfamilien, vor allem aber der Erzbischof von Salzburg, der Bischof von Freising und der Bischof von Bamberg Besitzer bedeutender Ländereien, was die Ausbildung einer geschlossenen Landesherrschaft verhindert.

1252 wird der Friede von Lieserhofen, zwischen Philipp, Erwähltem von Salzburg, Albert II. Graf von Tirol, und Meinhard IV. Graf von Görz abgeschlossen, der die Einflusssphären in diesem Raum regelt.

1269 – 1276 wird Kärnten in Personalunion durch König Ottokar II. von Böhmen erstmals mit Österreich vereinigt. 1270 wird mit Graf Ulrich von Heunburg zum ersten Mal ein Kärntner Landeshauptmann ernannt.

1335 wird Kärnten habsburgisch und mit Österreich, Steiermark und Krain vereinigt. Allerdings werden die Landesfreiheiten (Kärntner Landshandveste) durch Herzog Albrecht II. bestätigt, ebenso wie die Stadtrechte von St.Veit/Glan und Klagenfurt.

Im Jahr 1348 kommt es zu einem verheerenden Erdbeben, das einen Bergsturz des Dobratsch auslöst.

Ernst der Eiserne führt 1414 zum letzten Mal das Ritual der Herzogeinsetzung auf dem Fürstenstein bei der Karnburg durch.

Das älteste erhaltene Kärntner Ständeverzeichnis 1446 nennt als Landstände (Landschaft): 16 geistliche Stände, 2 Herren, 96 Ritter und Knechte, 3 Städte.

Kaiser Friedrich III. unterwirft 1460 im Frieden von Pusarnitz den Kärntner Besitz der Grafen von Görz und der ausgestorbenen Cillier seiner landesfürstlichen Hoheit.

1473 – 1483 kommt es zu fünf Türkeneinfällen. (1473, 1476, 1478, 1480, 1483). Da der militärische Schutz mangelhaft bleibt kommt es 1478 zum Großen Bauernaufstand unter der Führung von Peter Wunderlich. Da 1480 – 1490 der Ungarnkönig Matthias Corvinus im Bunde mit Salzburg Friedrich III. bekriegt, kommt es zu einer der schlimmsten Notzeiten des Landes durch Söldner, Ungarn und Türken. Dazu kommt 1490 auch eine Heuschreckenplage. Die salzburgischen Besitzungen werden größtenteils der landesfürstlichen Hoheit unterworfen.

16. Jahrhundert

1500 erlischt das Geschlecht der Grafen von Görz mit Leonhard von Görz. Der Besitz wird zwischen Kärnten und Tirol (das die Gegend um Lienz erhält) aufgeteilt.

1518 schenkt Kaiser Maximilian I. den Kärntner Ständen die 1514 abgebrannte Stadt Klagenfurt; sie wird im 16. Jhd. als landeständische Residenz neu auf- und ausgebaut und ersetzt Sankt Veit an der Glan, das bislang Sitz der Stände war.

In den nächsten Jahrzehnten kommt es zu einem starken Anstieg des Protestantismus. Durch das Brucker Libell wird dem Adel von Erzherzog Karl in Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain) Religionsfreiheit gewährt. Kärnten ist bis heute eine Hochburg des Protestasntismus in Österreich, der sich vor allem in entlegenen Tälern halten konnte.

1525 erreicht der Große Bauern- u. Knappenaufstand auch Oberkärnten.

Nach der Schlacht von Mohács 1526 liegt Kärnten nicht mehr weit von der Grenze zum Osmanischen Reich, die Türkenkriege nehmen einen guten Teil der Kraft des Landes in Anspruch.

17. Jahrhundert

Erzherzog Ferdinand III., der spätere Kaiser Ferdinand II. beginnt um 1600 mit der landesfürstlichen Gegenreformation im Bürgertum und Bauernstand. Die Reformationskommission unter der Führung von Bischof Martin Brenner von Seckau zieht durchs ganze Land und erzwingt Bekehrungen. 1628 wird auch die Religionsfreiheit des Adels aufgehoben. Die Auswirkungen der Gegenreformation sind Wirtschaftlicher Niedergang, Erliegen des Edelmetallbergbaues, Abstieg der Ständemacht und massive Auswanderung vor allem nach Süddeutschland.

Bambergs Kärntner Besitz wird 1649 voll der landesfürstlichen Hoheit unterworfen.

18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert verlieren die Konfessionskämpfe an Schärfe, allerdings kommt es noch 1732 zu einer neuen Protestantenverfolgung. Die Protestanten werden nunmehr in die von den Türkenkriegen verwüsteten Gebiete Siebenbürgens und des Banats abgesiedelt.

Unter Maria Theresia kommt es zu verschiedenen Reformen in der Verwaltung (Kreiseinteilung) und Steuererhebung (Steuerrektifikation), die das Ziel haben, die Verwaltung der Monarchie zu vereinheitlichen und die Macht der Stände zu beschneiden. 1772 wird auch das gesetzliche Erbrecht der Bauern an ihrem Besitz verfügt.

Nach dem Toleranzpatent Kaiser Josephs II. 1781 bekennen sich über 14.000 Geheimprotestanten und bilden evangelische Pfarren.

1782 verliert Kärnten durch die Unterstellung unter die Regierung in Graz seine administrative Selbständigkeit (mit Unterbrechungen von 1790 – 1804). Das innerösterreichische Appelationsgericht kommt nach Klagenfurt.

Der Gurker Fürstbischof übersiedelt 1787 nach Klagenfurt. Es entsteht die Diözese Gurk-Klagenfurt, die den größten Teil Kärntens umfasst.

19. Jahrhundert

1805 kommt es, wie schon 1797 zu einem Durchmasch der Franzosen unter Napoléon Bonaparte, die dem Land schwere Kriegskontributionen auferlegen.

1809 kommt es zur Verteidigung der Forts Predil und Malborghet durch die Hauptleute Hermann und Hensel. Der Kärntner Landsturm kämpft unter Johann Baptist Türk in Oberkärnten. Im Frieden von Schönbrunn muss jedoch der Villacher Kreis an Frankreich abgetreten werden, der innerhalb der "Illyrischen Provinzen" das Département Carinthie bildet.

Nach 1814 ist Kärnten Teil des Königreichs Illyrien (Hauptstadt Laibach).

In der Revolution von 1848 tritt ein erster freigewählter Kärntner Landtag zusammen. Kärnten setzt die Wiederherstellung der Selbständigkeit und Verwaltungseinheit des Landes durch. Auch wird durch die Grundentlastung wird der Bauer von allen Abgaben an die Grundherrschaft frei und Alleineigentümer seines Besitzes.

Marburg wird 1859 Sitz des Bistums Lavant: seine Kärntner Gebiete kommen an das Bistum Gurk-Klagenfurt, das auf diese Weise mit Kärnten deckungsgleich wird.

20. Jahrhundert

Im Ersten Weltkrieg wird nach dem Kriegseintritt Italiens in den Julischen und Karnischen Alpen gekämpft.

Kärntner Volksabstimmung

Die Kärntner Landesverfassung 1918 erklärt den Beitritt zur Republik Deutsch-Österreich. Am 5. November 1918 dringen SHS-Truppen in Südostkärnten ein, die SHS-Polizei rückt in das Rosen- und untere Gailtal vor. Ferlach und das nördlich der Drau gelegene Völkermarkt werden besetzt.

Am 5. Dezember 1918 beschließt die Kärntner Landesregierung den bewaffneten Widerstand gegen weiteres Vordringen der Truppen des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS-Staat). Der Befreiungskampf, auch als Kärntner Abwehrkampf bezeichnet, beginnt im Gailtal mit der Rückeroberung von Arnoldstein am 5. Jänner 1919, einem Vormarsch gegen das Rosental und der Einnahme von Ferlach. Am 14. Jänner wird ein Waffenstillstand abgeschlossen; eine amerikanische Kommission studiert an Ort und Stelle die strittigen Gebietsfragen. Bis 7. Mai 1919 sind alle bis auf die laut Waffenstillstandsvertrag geräumten Gebiete entsetzt.

Der Friedensvertrag von St. Germain beschließt 1919 eine Volksabstimmung in Südkärnten und teilt das Kanaltal Italien, das Mießtal, Unterdrauburg und die Gemeinde Seeland (Kankertal) dem SHS-Königreich. Heute gehören diese Gebiete zu Slowenien. Nachdem dem Beschluss einer Volksabstimmung versucht der SHS-Staat erneut, durch Waffengewalt vollendete Tatsachen zu schaffen. Reguläre Truppen überschreiten am 28. Mai 1919 die Grenze und besetzten am 6. Juni Klagenfurt, das sie aber nach Aufforderung des Obersten Rats der Alliierten in Paris wieder räumen müssen. Von da an unterbleiben weitere Kämpfe. Bis zur Volksabstimmung wird die südliche "Zone A" von Truppen des SHS-Staats, die nördliche "Zone B" von österreichischen Truppen besetzt gehalten.

Am 10. Oktober 1920 Volksabstimmung in das Grenzgebiet Südkärnten: 60 % der abgegeben Stimmen werden für Österreich abgegeben. Bemerkenswert ist, dass auch ein Teil der slowenischen Minderheit für den Verbleib bei Österreich gestimmt haben muss. Nach der Volksabstimmung versucht der SHS-Staat neuerlich, Kärnten zu besetzen, muss aber seine Truppen nach einer kategorischen Aufforderung der Botschafterkonferenz in Paris vom 16. Oktober 1920 und nachfolgenden Demarchen ähnlichen Inhalts durch Großbritannien, Frankreich und Italien seine Truppen aus Kärnten wieder zurückziehen. Auch seitens des Wiener Außenamtes erfolgen energische Proteste. Am 18. November 1920 gelangt die Zone A wieder unter österreichische Verwaltung. Am 22. November kehrt das Abstimmungsgebiet unter die Souveränität Österreichs zurück.

Die psychologischen Auswirkungen dieser Zeit sind bis in die heutige Zeit spürbar, in der viele deutschsprachige Kärntner eine kulturelle Assimilierung oder gar politische Einflussnahme Sloweniens auf Südkärnten befürchten.


In der Nachkriegszeit kommt es zur Inflation, die 1925 ihren Höhepunkt erreicht.

Während des Ständestaats ist Kärnten eine Hochburg des (illegalen) Nationalsozialismus; 1938 wird Kärnten dem Dritten Reich des österreichischen Landsmannes Hitler angeschlossen und bildet einen eigenen Reichsgau. Viele Kärntner werden verhaftet, verschleppt und hingerichtet. Unzählige Kärntner Bürger kommen in Kampfhandlungen als Soldaten der Wehrmacht oder auch als Partisanen im Widerstand gegen das Naziregime ums Leben. Es finden gezielte Vertreibungen von Kärntner Slowenen statt.

Die ab dem 8. Mai 1945 erfolgte Besetzung Kärntens durch die Briten verhindert die bereits angekündigte Annexion Kärntens durch Jugoslawien. Über Druck der britischen Besatzungsmacht müssen die jugoslawischen Truppen Südkärnten räumen. In den Tagen zwischen dem 9. und dem 20. Mai 1945 haben Tito-Partisanen nach amtlichen Darstellungen mindestens 263 Kärntner Zivilpersonen, von denen nur wenige Nazis gewesen waren, verhaftet und nach Jugoslawien verschleppt. Nur ein geringer Teil davon kehrten wieder nach Kärnten zurück, viele werden ermordet. Nach der Wiederherstellung Österreichs wird Kärnten ein Bundesland. Die britische Besatzungsmacht zieht 1955 ab.

Die Umsetzung der im Staatsvertrag der slowenischen Minderheit zugesicherten Rechte sorgt in der zweiten Republik für harte politische Auseinandersetzungen. Am heftigsten sind diese im symbolisch stark aufgeladenen Ortstafelstreit. So wurden im Jahr 1972 die zur Erfüllung von völker- und verfassungsrechtlichen Verpflichtungen aufgestellten zweisprachigen topographischen Aufschriften von deutschnationalen Bevölkerungsteilen wieder entfernt. Das 1977 verabschiedete Volksgruppengesetz legt den slowenischsprachigen Bevölkerungsanteil mit 25% fest. Dieser Prozentsatz wurde im Jahr 2001 vom österreichischem Verfassungsgerichtshof als zu hoch und damit verfassungswidrig aufgehoben. Eine Lösung der Frage steht noch aus.

Das Bundesland Kärnten wird bis 1988 abwechselnd von der SPÖ bzw. ÖVP regiert. 1988 wird mit Jörg Haider erstmals ein Mitglied der FPÖ Landeshauptmann.

Siehe auch: Liste der Herzöge von Kärnten

See also: Geschichte Kärntens, 1011, 1035, 11. Jahrhundert, 1122, 1269, 1348, 1414, 1490, 1525