Geschichte Norwegens
| Inhaltsverzeichnis |
Frühere Geschichte
Vor der Zeitenwende
Die menschliche Besiedlung Norwegens begann nach der letzten Eiszeit etwa im 8. Jahrtausend v. Chr., als Sammler und Jäger dem zurückschmelzenden Eis nach Norden folgten. Die älteste bekannte feste Siedlung stammt aus dieser Zeit und ist bei Sinavik auf Ringvasøy nördlich der Lofoten entdeckt worden. Damals war das Eis bereits von der Küste zurückgewichen. Es wurden Mammutknochen in Gudbrandsdalen gefunden, die 30 - 40 000 Jahre alt sind. Ob sich in diesen Interglazialzeiten bereits Menschen dort aufgehalten haben, ist nicht mehr feststellbar; denn die frühesten Spuren konnten nur nach der letzten Eiszeit erhalten bleiben. Schon 10 000 Jahre v.Chr. war die äußerste SW-Küste nicht mehr vergletschert. Das endgültige Zurückweichen des Eispanzers von der norwegischen Küste (ca 300 m / a) ist aber auf die Zeit um 8200 anzusetzen. Um diese Zeit lag der Meeresspiegel auf Grund der gebundenen Wassermassen ca 100 m tiefer. Der mächtige Eispanzer drückte aber auch das Land Zentralskandinaviens nach unten, an den Stellen der mächtigsten Eispanzer über 800 m. Außen an der Küste ist die Differenz zu heute geringer, 85 m (weiter innen) bis 20 m (weiter außen). Damit waren weite Teile heute besiedelten Landes unbewohnbar. In Südnorwegen war der Druck allerdings viel geringer als in Zentralskandinavien, so dass sich das Land dort gehoben hatte. Mit dem Schwinden des Eises in Zentralskandinavien sank die Landmasse langsam ab und tut dies bis heute. Die Küstenlinie damals unterschied sich deutlich von der heutigen.
Au Rennesøy im Boknfjord vor Stavanger wurden in einer Grusschicht 10 000 Jahre alte Steinwekzeuge (eine Axt und Pfeil-/Speerspitzen) gefunden. Der Platz wurde aber wegen wieder anrückenden Eises später verlassen. Eine weitere Fundstätte ist Blomvåg in Hordaland mit Artefakten, die auf 10 500 v. Chr. datiert werden. Damit ist dieser Platz der älteste sicher bekannte menschliche Aufenthaltsort in Norwegen. Die technische Ausführung der Stein-Artefakte gleicht der in in den norddeutschen Funden. Allerdings ist diese Ähnlichkeit so weit verbreitet, dass man nicht ohne weiteres auf eine Verbindung zwischen den Rentier-Schlachtplätzen nordöstlich von Hamburg und den Funden in Südwestnorwegen schließen kann. Der älteste bekannte Siedlungsplatz in Südostnorwegen liegt bei Rakkestad östlich von Moss (zwischen 7600 und 7000 v. Chr.) Damals lag ganz Østfolt unter Wasser und nur die Fundstätte auf dem heutigen Berg Høgnipen ragte als Insel heraus.
Obgleich das Meer vor 7000 Jahren ca 100 m tiefer gelegen haben wird als heute, war es unmöglich, trockenen Fußes von Dänemark nach Norwegen zu gelangen. Aber man hat Steinartefakte in der Nordsee und auf der Vikingbank gefunden. Sie müssen zur Zeit der Landbrücke zwischen Norwegen und England (Zeit der Weichselvereisung bis 10 000 v. Chr) dort hingelangt sein. Mit Abschmelzen des Eises stieg der Meeresspiegel und überflutete die früheren Siedlungsplätze (Flandrischen Transgression 7000 bis 5000 v. Chr.).
Die Bewohner der damaligen Zeit waren offenbar nicht sesshaft, sondern wechselten je nach Saison ihre Wohnplätze.
Die älteste Kultur Südnorwegens wird nach ihrem Fundort Fosnakomplex genannt. Der Ort liegt bei Kristiansund. Der Ausdruck "Komplex" soll andeuten, dass es sich um eine Vielzahl von Einzelkulturen handelt. Diese Kulturen sind an der norwegischen Küste bis Helgeland und an der Ostküste des Oslofjordes bis Bohuslän nachgewiesen. Schwerpunkt war Südwestnorwegen. Es handelte sich um Fischer und Jäger, hauptsächliches Wild war das Rentier. Vorwiegendes Material der Artefakte ist Flint.
Daran schließt sich im Norden bis zur Halbinsel Kola die Komsa-Kultur an. Sie wird als als die Vorväter der Samen betrachtet. Es handelte sich ebenfalls um Jäger und Fischer, die aber bemerkenswerte Felsritzungen hinterließen, die Jagd- und Tanzszenen oder Prozesionen oder Menschen im Boot wiedergeben. Deren ältester Wohnplatz wurde am Nordkap gefunden und an Hand von Holzkohlestückchen mit der C-14-Methode auf 9 300 v. Chr. datiert. Man fand Pfeilspitzen, Messer und Schaber zum Glätten von Tierhäuten. Vorwiegendes Material der Artefakte sind Quartz und Quartzit. Die etwas gröbere Ausführung ist nicht auf höheres Alter, sondern auf das Material zurückzuführen. Das Vorkommen von Flint nimmt nach Norden hin ab.
Die archäologischen Zusammenfassungen auf Grund der Artefakte lassen aber nicht den Schluss auf eine gemeinsame Volksgruppe mit gemeinsamer Sprache zu.
Mit zunehmender Bewaldung wanderte das bevorzugte und wichtigste Jagdwild, das Rentier, hin zur Meeresküste und hinaus an die Tundra am zurückweichenden Eisrand. Ihm folgten die Jäger. An der Grenze zwischen Rogaland und West-Agder liegt weit im Landesinneren der Große Myrvatn, wo man einen sehr fundreichen völlig intakten Wohnplatz mit Hausfundamenten aus der Zeit von 8800 bis 8600 v. Chr. entdeckt hat. Damals reichte der Gletscher bis 10-20 km an den Wohnplatz heran.
Um 7500 v. Chr. (Spät-Mittelsteinzeit) kamen Äxte aus Diabas auf, der hauptsächlich bei Egersund gefunden wurde.
6000 v. Chr. setzte für 3000 Jahre die Warmzeit ein. Die Landbrücke zwischen England und Norwegen verschwand. Die Rentierjäger mussten den Rentieren ins Hochland nachwandern. Dort sind ca 1000 Wohnplätze aus der Zeit vor 4000 v. Chr. bekannt. Die Menschen wurden sesshafter.
Zwischen 4000 und 2900 v. Chr. ist der Beginn des Ackerbaus anzusetzen. Die älteste bekannte Tonscherbe stammt aus 4000 v. Chr. Um die Mitte des 4. Jahrtausends ist die Trichterbecherkultur nachweisbar. In Nordnorwegen findet sich auch die Kammkeramik, das in Finnland und am Onegasee in Gebrauch war. Eine umstrittene Theorie geht von einer Einwanderung um 3000 v. Chr. von Osten nach Nordnorwegen aus. Aus mehr Jurtenartigen Behausungen wurden regelrechte Steinbauten mit dicken Mauern. Die Population scheint gewachsen zu sein. Ab 3300 v. Chr. sind in Südnorwegen Megalithgräber nachgewiesen. Das bedeutet, dass sich in dieser Zeit bereits soziale Unterschiede in Südnorwegen herausbildeten. Um den Oslofjord und am Stavangerfjord ist die Streitaxtkultur verbreitet gewesen. Archäölogisch finden sich allerdings Gegenstände, die zu diesen Kulturen nicht gehören, und es fehlen Gegenstände, die jeweils unbedingt zu erwarten wären. Deshalb ist diese Einordnung nur bedingt brauchbar. Gegen 3000 gingen Ackerbau und Viehzucht wieder zurück und das Jagen und Sammeln nahm wieder zu. Nach Auf- und Abschwüngen begann der Ackerbau um 2500 v. Chr. systematisch zu verschwinden und endete 1800 v. Chr. in ganz Norwegen. An der Jagd waren beide Geschlechter beteiligt: Die Männer werden mit Großwild, die Frauen mit Vögeln zusammen dargestellt. Sie betrieben wohl auch den Fischfang mit Booten und sammelten essbare Pflanzen.
Ab 2000 v. Chr. sind die ersten Bronzegeräte nachzuweisen. Das eigentliche Bronzealter wird für Norwegen ab 1800 v. Chr. angesetzt. Das arktische Bronzealter ist sowohl der Herkunft als auch der Art der Gegenstände nach deutlich vom übrigen nordischen Bronzealter zu unterscheiden. Bronze war aber für das Überleben nicht wichtig. Im täglichen Leben wurden nach wie vor Steinwerkzeuge benutzt. Die Bronzegeräte dürften Statussymbole gewesen sein. Man spricht von einer „Bronze-Aristokratie“. Denn um diese Zeit vollzieht sich in Nordnorwegen eine Entwicklung von Einzelbehausungen ohne Verbindung zueinander zu Gebäudezusammenballungen (Grassodenhäuser) mit bis zu 20 bis 30 stabilen Häusern, von denen 20 bis 30 immer bewohnt waren. Das Normale waren 4 - 6 Häuser. Die Regelmäßigkeit der Hausanordnung lässt auf klare Regeln schließen die von allen beachtet wurden. Zu Beginn waren die Familien in Nordnorwegen offenbar noch alle gleichgestellt. Mit Zunahme der Besiedlung bildeten sich Machtstrukturen wie in Südnorwegen heraus. Die Ausbildung einer Häuptlingsgesellschaft beginnt dort, wo in größerem Umfang Ackerbau und Viehzucht betrieben werden.
Um 2000 v. Chr. finden sich die ersten Anzeichen eines Glaubens an höhere Mächte: An besonderen Stellen werden besonders schön gearbeitete Gegenstände abgelegt. Es gibt auch Puppen, die wohl die Verstorbenen darstellen und im Hause als deren Vertreter aufbwahrt wurden.
Es können nun Handelsverbindungen über große Entfernungen nachgewiesen werden: Norwegischer Flint in Dänemark, jütischer Bernstein bis Nordnorwegen, baltischer Bernstein nach Mittelnorwegen, russischer Flint von Olonets ans Nordkapp und Kola und Asbest aus Mittelfinnland nach Nordnorwegen. Asbest wurde dem Ton zugesetzt (Asbestkeramik). Die Hauptverbindung ging über Dänemark - Göteborg - westschwedische Küste nach Oslo. Dann teilte sich der Weg. Ein Weg ging an der Küste um Südnorwegen entlang, der andere über das Hochland nach Mittelnorwegen. Aber Norwegens Südwesten erhielt allmählich zentrale Bedeutung für die Vermittlung von Bronze nach Norden und Fellen aus dem Nörden nach Süden. Aber ein organisierter Handel konnte für diese Zeit nicht nachgewiesen werden. Die Bronze-Artefakte waren mit traditionellen lokalen Dekoren versehen. Erst zu Beginn der Eisenzeit, als die Bronze an Wert verlor, finden sich Fertig-Importe aus Dänemark.
Seit der Mitte des 3. Jahrtausends ändern sich die Motive der Felsritzungen. In diese Zeit gehören die Felszeichnungen von Alta. Dargestellt werden nun vorwiegend Einzelpersonen zusammen mit Rentieren und schwangere (?) Frauen. Almwirtschaft und Getreideanbau sind die dazugehörigen Lebensweisen. Man hatte Haustiere.
In der bronzereichen Zeit nach 1500 v. Chr. hat sich die Gesellschaftsschichtung der Häuptlingsgesellschaft in den bevölkerungsreichen Gegenden durchgesetzt.
Nach 1000 v. Chr. wurde allmählich die bis dahin übliche Erdbestattung durch eine Feuerbestattung ersetzt. 500 v. Chr. wurden Schmuckstücke aus Eisen neben solchen aus Bronze in den Urnen beigegeben. Aber das Eisen bleibt ein seltenes Material zu dieser Zeit. Der Zusammenhang mit der festländischen Urnenfelderkultur ist unklar. Nach 500 v. Chr. liegt eine Periode bemerkenswerter Fundleere. Die Grabbeigaben nehmen ab. Es gab auch keinen Kupfer- oder Zinnbergbau in Norwegen.
Das nördlichste Norwegen orientierte sich nach Osten und hatte Verbindungen zu Ananino-Kultur finno-ugrischer Völker in Russland. Das in Nordnorwegen gefundene Eisen kam sicher von dort. Die Ausbreitung der Asbestkeramik um 800 v. Chr. über Nordnorwegen, Nordschweden und ganz Finnland deckt sich mit dem damaligen Gebiet der Samen. Ob die Samen sich autochthon entwickelt haben oder eingewandert sind, ist noch nicht entschieden. Im übrigen Norwegen siedelte eine germanischsprechende Bevölkerung.
Um 500 v. Chr. begann der Gebrauch von Eisen. die lokale Eisenverarbeitung beginnt ab 200 v. Chr. Archäologisch wird die Eisenzeit in die vorrömische (bis zur Zeitenwende), die römische (bis ca. 400 n. Chr.) Phase, die Völkerwanderungszeit (bis 550 n. Chr.), die Merowingerzeit (bis 800 n. Chr.) und die Vikingerzeit (bis 1050 n. Chr.). Um 550 wird auch der Übergang vom älteren zum jüngeren Eisenzeitalter angesetzt. Um 550 wurden durch Jordanes erstmals germanische Stämme im heutigen Norwegen erwähnt.
Während die Verwendung des Eisens in den ersten 3 Jh.en der vorrömischen Zeit spärlich war, weisen die Verarbeitungsstätten in der Zeit nach Zeitenwende auf eine wesentlich größere Verbreitung des Eisens hin, als es die Grabbeigaben andeuten. Die Bezeichnungen in diesem Zusammenhang deuten darauf hin, dass die Eisenverarbeitung von keltischsprechenden Gruppen aus Mitteleuropa vor der Eroberung durch die Römer übernommen wurde. Denn das Wort für Eisen wurde vom keltischen Wort isarno und nicht vom römischen Wort ferrum abgeleitet. Es ist sogar denkbar, dass die Methode, Raseneisenerz zu verarbeiten, in Skandinavien entwickelt wurde. Die Eisenverarbeitung kam um 200 v. Chr. zusammen mit dem Schachtofen nach Skandinavien.
Nach der Zeitenwende bis ca. 550 n. Chr.
In der Zeit um die Zeitenwende und in den ersten beiden Jahrhunderten danach machte sich der kulturelle Einfluss des römischen Reiches auch in Norwegen bemerkbar: Es kam wieder die Erdbestattung mit reichen Grabbeigaben auf. Diese Grabbeigaben enthielten häufig Importwaren aus dem Süden. Das betraf auch Bronzegegenstände. So wurde kurz vor der Zeitenwende in Sola (Nähe von Stavanger) ein Bronzekessel als Urne verwendet, der in Norddeutschland oder im keltischen Bereich Mitteleuropas hergestellt worden war, sicher eine Seltenheit zur damaligen Zeit. Der Warenstrom nach Norwegen steigerte sich erst nach der Zeitenwende. Glas, Bronzegefäße aber auch Edelmetalle waren gesucht. Die Waren stammten aus Werkstätten in Norditalien und am Mittelmeer, auch aus den römischen Westprovinzen. Der Hauptsammelpunkt lag in Dänemark, nur einiges davon gelangte dann weiter nach Norden. Zunächst findet man die Waren in Østfold, weil dies Dänemark am nächsten liegt. Dort findet man die reichsten und prestigeträchtigsten Grabbeigaben aus dieser Zeit mit Gold-, Silber- und Bronzegegenständen. Die Gräber zeigen auch eine inzwischen ausgeprägte gesellschaftliche Schichtung. Nach der Zeitenwende entwickelte sich offenbar eine neue Elite, eine Art Kriegeraristokratie. Diese brach mit der auf Verwandtschaft aufgebauten Stammesgesellschaft und baute auf ihre Kampftüchtigkeit, was kaum eine stabile Gesellschaft hervorbringen konnte. Unter anderem kamen Rundsiedlungen für ein paar hundert Menschen auf, in denen ca 16 m lange Häuser Wand an Wand im Kreise gebaut wurden. (Unter google / Bilder das Suchwort "tunanlegg" eingeben, und man bekommt in der unteren Reihe links und rechts je ein Bild) Sie waren vom Stavangerfjord im Süden bis nach Troms im Norden ca. 400 Jahre lang in Gebrauch und wurde um 400 n.Chr. verlassen. Anzeichen von Frauentätigkeiten wurden nicht gefunden. Es handelt sich offenbar um Männerunterkünfte, sei es Thingstätten, sei es Gefolgschaftsunterkünfte. Es handelt sich wahrscheinlich um die ersten Anzeichen einer Häuptlingsgesellschaft.
Obgleich Kontakte der geramanisch sprechenden Bevölkerung von den Lofoten bis zum römischen Reich nachzuweisen ist, hat die Völkerwanderung und der Zusammenbruch des Limes um 400 n. Chr. keinen unmittelbaren Bruch in der kulturellen Entwicklung gebracht. Lediglich die Begräbnissitten veränderten sich und wurden sparsamer. Der Übergang zwischen der späten Römerzeit und der späten Völkerwanderungszeit (400 - 550 n.Chr.) zog lange nicht so bedeutende Veränderungen nach sich wie die Zeit um 200 n. Chr. Aus keiner vorhistorischen Periode Norwegens gibt es so viele Funde wie von den Jahren zwischen 200 und 550 n. Chr. Mit einem Schlage explodiert die Menge des Fundmaterials und dessen Variantenreichtum über das ganze Land, so dass man dieses Wachstum geradezu mit der Wikinger-Zeit vergleichen kann. Der Handel mit dem Süden und den römischen Provinzen nahm einen kräftigen Aufschwung.
Die reichen Gräber zeigen, dass die Häuptlinge sich Luxuswaren aus dem römischen Reich beschafften., Gegenstände aus Gold, Silber, Bronze und Glas. Eine wichtige Handelsrute ging von Aquileia in Norditalien nach Norden zur Donau weiter zur Ostsee und nach Dänemark. Ein anderer Weg führte vom Rhein über Land zur Weser und Elbe nach Norden, ein weiterer entlang der Nordseeküste von Niederlande und Friesland nach Südskandinavien. In der späten Römerzeit wurden die Warenströme von mächtigen Geschlechtern in Sjælland kontrolliert. Von dort gingen die Waren zu den Häuptlingen in Østfold (Südostnorwegen) im Austausch gegen Häute und Pelze. Der Import bedeutete vor allem Reichtum und Autorität und war auf die Häuptlinge beschränkt. thumb|Rekonstruiertes Wikingerbootshaus auf Karmøy, Norwegen
Entlang der Küste wurden Bootshäuser für Schiffe mit bis zu 20 Ruderern gebaut. Das Bild ist uneinheitlich: Auf der einen Seite Burgenbauten auf Anhöhen, Waffenfunde und vergrabene Schätze, die auf Krieg hindeuten, auf der anderen Seite wachsende Anzahl von Importwaren, neue Siedlungen und ausgedehnte Gräberfelder über mehrere Generationen, die auf eine ruhige Gesellschaftsentwicklung hinweisen. Hintergrund ist das einsetzende Bevölkerungswachstum. In vielen vorher unbediedelten Täler entstanden um 300 n. Chr. neue Gehöfte von 4 - 11 ha Größe. Als besonders ergiebige Quelle haben sich die Flurnamen gezeigt, die sich weit über 1000 Jahre hinweg erhalten haben. Davon gibt es über 50 000 in Norwegen. Zu verschiedenen Zeiten wurden Flurnamen auf unterschiedliche Weise gebildet, so dass sich daraus mit Vorbehalten gewisse Schlüsse über die Besiedlungsentwicklung ziehen lassen.thumb|180px|right|Vermutete Verteilung der in lateinischen Quellen genannten Stämme
Ob diese Bevölkerungszunahme eine örtliche Entwicklung war oder durch Zuwanderung entstanden ist, ist in der norwegischen Wissenschaft noch nicht entschieden. Immerhin deuten die örtlichen Stammesnamen "Ryger" und "Horder", die in der ältesten Gechichtsschreibung genannt werden, auf die von Tacitus erwähnten rugii und die von Caesar erwähnten harudes.
Der germanische Geschmack entwickelte sich von geometrischen Figuren (bis ins 5. Jh. n. Chr.) zu den Tierornamenten (dominierend ab der 2. Hälfte des 5. Jh.) Die Motive sind der römischen Kunst entnommen, zunächst als Kerbschnitzerei, dann in Metall überführt. Das häufigste Vorkommen lag in Südnorwegen. Nachdem die Angeln, Sachsen, Jüten und andere Völkerschaften sich in England etabliert hatten, wurden Handelskontakte rund um die Nordsee zwischen England, Frankreich, Nordwest-Deutschland, Jylland und Norwegen geknüpft. Die Nordsee wurde zum germanischen Binnenmeer. Die ostdänischen Häuptlinge verloren den Zugriff auf den Handel aus dem Süden. So kam es, dass die Waren auch nach West- und Nordnorwegen gelangten. Die Völkerwanderungszeit war vor allem die Zeit der Größe des Westlandes.
Der Nordweg längs der norwegischen Küste war der Hauptnerv des innernorwegischen Handels.Von ihm zweigten die Wege zum Land und in die Fjorde ab. Daunen, Federn, Walrosszahn, Speck und Häute vom Seehund und Wal, kostbares Pelzwerk aus dem Inneren des Landes wurden ausgeliefert. Diese Waren wurden an Häuptlingssitzen in der Nähe des Hauptverkehrsweges gesammelt. Die Häuptlinge waren in der Lage, große Schiffe auszurüsten, kontrollierten aber damit auch den gesamten Küstenhandel. Ein solches Gebiet war z.B. der Karmsund. Der dortige Häuptling auf Avaldsnes / Karmøy saß an einem Knotenpunkt mit großem Hinterland und konnte den gesamten Handel zwischen Süd und Nord kontrollieren. Der Karmsund wurde zur Keimzelle für die Macht Harald Hårfagres. Ähnliche Gebiete waren die Inseln bei Sunnmøre und der Sund in Vesterålen, das äußere Namdal, das Andøyagebiet und viele andere Orte entlang der Küste. Besonders wichtig waren die Orte, wo Land- und Seetransport zusammentrafen. Dort wurden die Waren umgeladen und wechselten auch den Besitzer. Dort saßen mächtige Geschlechter, die den Transport zwischen der Küste und dem Hochland kontrollierten. Das führte zu einem starken Gewinngefälle in Richtung Inland. Die dortigen Produzenten bekamen für ihre Waren allenfalls Korn, Textilien Waffen, Geräte und einfache Schmuckstücke. Die Küstenroute ging bis nach Troms, das äußerste Siedlungsgebiet der Landwirtschaft.
Dort kam man in Kontakt mit der Weidewirtschaft der nomadisierenden Samen, wahrscheinlich die Nachfahren der von Tacitus genannten fenni, das westnordische Wort für Samen. Ptolemaios schrieb um 150 n. Chr. von Finnoi in Skandia. Jordanes erwähnte etwa 500 n. Chr. screrefennae, in heutiger Form skridfinner, also Samen auf Ski. Davon schrieb auch Prokop zur gleichen Zeit. Ihr Lebensraum wurde daher Finnmark genannt, ein Gebiet, das damals wesentlich größer war als heute. Allerdings ist - im Gegensatz zur Steinzeit und zur Bronzezeit - kein brauchbares Fundmaterial aus der Zeit nach der Zeitenwende bislang entdeckt worden. Das erste Jahrtausend wird daher für den äußersten Norden das "fundleere Zeitalter" genannt. Das wird darauf zurückgeführt, dass die Nomaden ihre Geräte aus einem Material herstellten, das nicht die lange Zeit überdauerte. Aber man findet Fanggruben und andere mit Stein ausgekleidete Gruben, die stark erhizt worden sind, möglicherweise um Öl aus Walspeck zu gewinnen. Sie wurden bis in die historische Zeit genutzt. Man hat auch ein samischen Ski aus dem Ende des 6. Jh. gefunden. Die Samen hatten mit den nördlichsten Germanen rege Kontakte, und viele samische Worte sind Lehnworte aus diesen Begegnungen. Diese müssen nach den Lautverhältnissen vor 500 n.Chr. übernommen worden sein, als die nördliche Landbevölkerung ihre eigene Schriftsprache erhalten hatte.
Um 200 n. Chr. datiert die älteste bekannte Runeninschrift. Es handelt sich um das auf einer Eisenspeerspitze geritzte Wort raunijaR, das prüfen heißt. Die Bedeutung an dieser Stelle ist ungeklärt. Die Spitze wurde in Øvre Stabu in Zentralnorwegen Oppland gefunden.
Die Schrift wurde bis Ende des 7. Jh. benutzt. Die so erhaltene Sprache ist das Urnordische. Es wurden ca 150 urnordische Runentexte gefunden. Sie sind kurz und stereotyp. Die weite räumliche Streuung der Funde deutet darauf hin, dass rund um die Nordsee ziemlich die gleiche Sprache gesprochen wurde, man sich zumindest ohne Probleme gegenseitig verstand. Wahrscheinlich entstanden die Runen aus den Kontakten zwischen den Häuptlingen in Südskandinavien und den römischen Truppen in Germanien. Germanen aus dem Norden dienten im römischen Heer, und wenn sie in den Offiziersrang aufstiegen, mussten sie lesen und schreiben können, um die Befehle lesen zu können. Zu dieser Zeit wanderten auch lateinische Lehnwörter ins Urnordische ein, z.B. das Wort cattus wurde zu kattuR (Katze) und catillus wurde zu katilaR (Kessel). Während zu Beginn nur einzelne Gegenstände mit einzelnen Runenwörtern versehen wurden, finden sich ab dem 4. Jh. in Norwegen und Schweden Runentexte auf Bautasteinen als Gedächtnisinschriften für Tote. Es müssen viel mehr Inschriften hergestellt worden sein, als erhalten sind. Denn die Zeichen sind für Holz geschaffen. Es gibt nur gerade Linien, senkrecht und schräg. Runde Kerben lassen sich wegen der Jahresringe nur schwierig ritzen, waagerechte Linien werden in den natürlichen Furchen des Holzes eines Brettes rasch undeutlich oder verschwinden.
In der älteren Römerzeit hatten sich nur einzelne mit Waffen beerdigen lassen. Aber ab dem 3. Jh. wurde die Grabbeigabe Schwert, Lanze, Speer und Schild für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe fast zur Regel. Offenbar hatten junge Männer aus diesen Familien sich nach Mitteleuropa aufgemacht, sich mit anderen Germanen zusammengeschlossen, Heeresdienst bei den Römern abgeleistet und waren mit Ruhm und Ehre in die Heimat zurückgekehrt. Einige erhielten später ihre mitgebrachte Ausrüstung als Grabbeigabe. Diese Schwerter sind nämlich in römischen oder provinzialrömischen Werkstätten hergestellt und untrscheiden sich von anderen Schwertern. Denn in die Klinge war eine die Siegesgöttin Victoria symbolisierende Figur eingraviert. Diese Schwerter waren römischen Offizieren vorbehalten, sind daher äußerst selten und kamen kaum über den Handel nach Norwegen. Es kann sich aber auch um Beutestücke gehandelt haben. Es wurden nun auch viele Befestigungen gebaut. Ihre Deutung ist unsicher. Die einen halten dies für ein Zeichen dafür, dass die Gesellschaft sich noch nicht zu größeren Einheiten zusammengefunden hatte, so dass die Geschlechter sich gegenseitig bekämpften, andere sehen im Gegenteil darin den Beginn einer größeren Herrschaftsorganisation, zumal die Anlagen zum Teil in Sichtweite standen, und an der Küste von Telemark sind die Befestigungen so aufgereiht, dass sie den Küstenverkehr kontrollieren konnten. Die Archäologie ist aber für ein endgültges Urteil nocht nicht weit genug gediehen.
Die reichsten Grabbeigaben mit Gold, Silber, Bronze und Glas haben ein charakteristisches Verbreitungsgebiet. Sie liegen in landwirtschaftlich fruchtbaren Gegenden mit großer Bevölkerung, an den Verkehrsknotenpunkten zwischen Inland und Küste und an Stellen entlang der Fjorde. Die Häuptlinge von Avaldsnes müssen die Oberherren für eine größere politische Einheit gewesen sein, die beide Seiten des Karmsundes beherrschten. Das Gebiet bis zum Nordfjord war in der Völkerwanderungszeit offenbar in 8 oder 9 Herrschaftsgebiete aufgeteilt, Kleinreiche oder Stammesherrschaften. Jordanes zählt in seiner Gotengeschichte eine Reihe skandinavischer selbständiger Volksgruppen, wahrscheinlich in der Reihenfolge von Ost nach West und dann nach Norden, auf. Wie diese Stämme organisiert waren und welche Zuständigkeiten der Häuptling hatte, ist nicht bekannt. Von den festländischen Stämmen ist bekannt, dass sie ein Wahlkönigtum hatten, das aus den noblen Geschlechtern, die einen Stammbaum in die weite Vergangenheit aufzuweisen hatten, den jeweiligen Häuptling bestimmte, der dann politische, religiöse und militärische Aufgaben zu erfüllen hatte. Zukunftsweisend war aber ein neuer Häuptlingstyp, der nicht nach Nobilität, sondern allein nach militärischer Tüchtigkeit gewählt wurde. Das war der Heerkönig. Wenn man nach den Waffenbeigaben zwischen dem 3. und 6. Jh. geht, war dieser Heerkönig-Typ der dominierende in Norwegen zu dieser Zeit. Das destabilisierte die Gesamtgesellschaft, so dass der Krieg in der Gedankenwelt und Praxis eine wesentlich höhere Bedeutung als früher gewann. Der Häuptling war daher auch eher mit seiner Gefolgschaft als mit einem bestimmten Herrschaftsgebiet verbunden. Aber auch da muss man von regionalen Unterschieden ausgehen. Es gab wohl welche, die eher die Bezeichnung Kleinkönig verdienten, mit einer ständigen bewaffneten Manschaft unter ihrem Befehl, und andere, die eher als Großbauern die Rolle des primus inter pares innehatten. Die Häuptlinge hatten aber auch untereinander weitläufige Verbindungen, sei es durch Heiratspolitik, Austausch von Geschenken, sei es auch dadurch, dass man seine Söhne anderen zur Erziehung anvertraute. Aber man darf auch die Zunahme nachbarlicher Konflikte und Raubzüge vermuten.
550 bis 800 n. Chr.
Um 550 bricht die Prosperität plötzlich ab. Viele Gehöfte werden zu Wüstungen. Das Fundmaterial deutet für die Zeit zwischen 550 und 610 auf den markantesten Periodenwechsel der Eisenzeit hin. Die Archäologen setzen für Norwegen hier die Trennlinie zwischen der Älteren und der Jüngeren Eisenzeit, die sich bis ans 11. Jh. erstreckt, an. Viele bislang gebräuchliche Gegenstände kamen außer Gebrauch, die Frauen trugen anderen Schmuck (statt kreuzförmige Schnallen nunmehr runde Schnallen, besondere Nadeln), und die Männer waren mit anderen Waffen ausgerüstet. Die Toten wurden nicht mehr in Steinkisten beerdigt, und die Grabbeigaben änderten sich. Sie wurden ohne oberirdische Steinmarkierungen in der Erde bestattet. Die archäologischen Zeugnisse nehmen ab. Es wurden viele Erklärungen für diesen plötzlichen Wandel versucht. Zum einen macht man den Wandel in der Landwirtschaft mit einer Intensivierung der Weidewirtschaft verantwortlich. Diese führte zu einer weiträumigen Rodung, die zu einer Vernässung des Weidelandes, Auswaschung der Nährstoffe und Versauerung des Bodens und schließlich zum Zusammenbruch dieser Wirtschaftsform geführt habe.
Eine andere Erklärung wird über die zunehmenden kriegerischen Auseinandersetzungen wegen der Zunahme des Bevölkerungsdruckes versucht. In vielen Wüstungen hat man Kohle gefunden, die auf Brandschatzung schließen lässt. Aber die Funde lassen zufällige Hausbrände und die Nutzung von regulären Feuerstellen über 200 Jahre nicht ausschließen. Auch kriegerische Einwanderungen im Rahmen der Völkerwanderung sind in dieser peripheren Region nicht plausibel, abgesehen davon, dass die Eroberer dann selbst die Gebäude repariert und genutzt hätten.
Für die plausibelste Erklärung wird gegenwärtig eine Epidemie gehalten, die sich auch im übrigen Europa im 6. Jh. bemerkbar machte, und mit den jungen Abenteurern, die vom Festland heimkehrten, eingeschleppt wurde. Gallien wurde zwischen 552 und 554 von der Pest heimgesucht, noch einmal 571 und noch einmal 588. Diese erreichte auch Britannien. Es handelte sich zwar um die ansteckende Beulenpest, aber es gibt keine Quellen darüber, dass die Pest auch Norwegen erreicht hat. Jedenfalls fällt auf, dass sich die Krankheit weiter nach Norden hin offenbar immer weniger bemerkbar macht.
Die Ornamentik änderte sich. Dem alten Tierstil wurde nun zusätzlich ein umfangreiches Flechtwerk, der die ganze Fläche bedeckt, hinzugefügt. Der Tierkörper wurde zu einem langen zusammenhängenden Band stilisiert. Filigran und Cloisonné, Glas und Emaille in vielen Farben traten auf. Nachdem Awaren und Slawen nach Westen ziehend die alten Handelswege von Byzanz blockiert hatten, nahmen die Materialien Gold, Silber und Granatstein ab. Der Schmuck wurde kleiner, und die Ornamentflächen erhielten ein ganz flaches, materialsparendes Relief. Die Grabbeigaben wurden ebenfalls sparsamer. Die deutlichste Veränderung liegt im Ende der Verwendung von Tongefäßen Anfang des 7. Jh. Die Tonproduktion endete aus ungeklärten Gründen um 600. Man verwendete Kessel aus Eisen oder Speckstein.
Das lange zweischneidige Schwert wurde durch das Kurzschwert mit einer Schneide ohne Parierstange und Knauf, der Spieß mit Widerhaken wurde ersetzt durch eine kräftige Lanze und der Schildbuckel bekam eine andere Form. Die Impulse für die neue Bewaffnung kamen aus dem Frankenreich.
Auch die Sprache änderte sich. Während die vorherige Sprache sich durch sehr lange Worte mit Prä- und Suffixen auszeichnete, wurden die Worte kürzer, unbetonte Buchstaben und vor allem Vokale verschwanden aus der Schrift. Sprachforscher nennen diese Zeit zwischen 500 und 700 "Synkopenzeit". In einer Runeninschrift um 700 wurde aus dem urnordischen steinaR stAin (woraus in Norröna später steinn wurde). König Harald hätte in der Völkerwanderungszeit „HarjawaldaR“ geheißen. Gleichzeitig assimilierten unbetonte Vokale in der Endung die Stammvokale davor und verschwanden dann. Aus gastiR (Gast) wurde gestiR, dann gestr, heute gjest. Aus valluR (Tal) wurde nach umlautender Assimilierung und Synkopierung vollr, heute voll. Der Grund für diese Sprachveränderung in kurzer Zeit ist nicht gefunden. Aber die neue Sprache ließ sich schneller sprechen.
Nach dieser Entwicklung nahmen offenbar die Kontakte mit Mitteleuropa zu, was eher eine Ursache der kulturellen Veränderungen sein könnte. Die großen und zentralen Höfe wurden neu aufgebaut und besiedelt. Ab Mitte des 7. Jh. nimmt die Bevölkerungszahl wieder zu, das Fundmaterial wird reicher. Zu Beginn des 8. Jh. kommt die Landwirtschaft wieder zu hoher Blüte; möglicherweise hatte sich auch das Klima verbessert, denn die Landwirtschaft erstreckte sich weiter nach Norden und in größere Höhenlagen als früher. Diese Ausbreitung ist so deutlich und zieht sich bis nach der Vikingzeit hin, dass man von einer inneren Landnahme spricht. Auch die Fischerei nahm zu. In vielen Häusern auf den Inseln findet man entsprechende Gegenstände, aber keine, die auf die Anwesenheit von Frauen hindeuten. Es handelte sich um Fischerunterkünfte, die nur von Fischern zur Saison genutzt wurden.
In diese Zeit ist auch der prächtigste Fund der vorhistorischen Zeit anzusetzen, der Åker-Fund von Åker in Nang in Hedmark. Dort wurden im Boden ca 20 Gegenstände im Boden gefunden, die kurz vor 600 geschaffen wurden. Es handelt sich unter anderem um einige Goldringe, ein reichverziertes Ring-Schwert (ein Schwert, das einen kleinen Ring am Knauf hatte) mit dekorierter Scheide und mehrere Metallbeschläge für einen Schild. Das meiste ist Schmuck und Beschläge für Ledergürtel und zwei Gürtelschnallen. Besonders die größte der Schnallen gibt einen Eindruck vom Reichtum und Status des Beitzers. Die Gegenstände sind in Silber und Bronze gearbeitt und mit farbigen Steinen und Glas eingelegt. Auffallend ist, dass auf der großen Schnalle ein langhaariger Männerkopf mit Krone und Bart abgebildet ist. Er ist von Raubvogel- und Wildschweinfiguren umgeben. Die Figur erinnert an merowingische Königsbilder. Auch das Ringschwert ist eine Besonderheit. Es sind bisher nur zwei weitere Ringschwerter in Norwegen gefunden worden. Ringschwerter sind aus dem Frankenreich, aus dem angelsächsischen England, aus Italien und aus Ungarn bekannt.
In Nes (in Hedrum, Vestfold) wurde ein Mann mit Schwert und Helm entdeckt. Außerhalb von Nes sind nur drei weitere Gräber bekannt, in denen Reste eines Helmes gefunden wurden. Die dichteste Parallele des Helmes findet sich im schwedischen Mälartal und in Ostengland. Das Vorbild waren die römischen Paradehelme oder Kavalleriehelme aus Jahrhunderten vorher. Ähnlichkeiten zwischen schwedischen Gräbern am Mälarsee und der Grabstätte von Sutton Hoo zeigen die weitreichenden Verbindungen germanischer Fürstengeschlechter. Die gleiche Begräbnissitte war auch am Oslofjord und am Karmsund in Gebrauch. Ringschwert und Helm waren Rangabzeichen. Die schriftlichen Quellen der damaligen Zeit bezeugen, dass die germanischen Könige ihre Macht auf eine strake und kampftüchtige Gefolgschaft aus der Oberschicht der Gesellschaft aufbauten, die sich eidlich an sie gebunden hatten. Ein Ring am Schwert kann also ein Eideszeichen gewesen sein, das vom König verliehen wurde. Man darf vermuten, dass die Träger des Ringschwertes am Karmsund und anderswo zeitweilig in der Gefolgschaft fränkischer Könige gestanden haben. Auch ist es möglich, dass die Verhältnisse im Frankenreich als Vorbild für andere Herrscher gedient haben und diese Vorbilder bis nach Norwegen gedrungen sind und so zum Verständnis der Entwicklung des Häuptlings- und Kleinkönigwesens beitragen.
thumb|150px|Hügelgrab auf KarmøyIn dieser Zeit entstehen auch die mächtigsten Grabhügel Nordeuropas. Zu Beginn des 7. Jh. wurde der Grabhügel Raknehaugen in Romerike errichtet. Er ist heute 95 m im Durchmesser und 15 m hoch und der größte bekannte Grabhügel. Der zweitgrößte liegt in Østfold und heißt Jellhaugen. Sein Durchmesser liegt bei 80 - 90 m, und er ist etwa 10 m hoch, aber er kann höher gewesen sein. Von besonderem Interesse ist der Grabhügel an der schmalsten Stelle des Karmsundes. Er hat einen Durchmesser zwischen 40 und 50 m und 5 m hoch und enthielt ein über 20 m langes Schiff und reiche Grabbeigaben, unter anderem einen goldenen Armreif. In einem weiteren Grabhügel in der Nähe mit einem 15 m langen Boot, der allerdings später geplündert worden ist, fand man eine kleine hellgrüne Glasscherbe, wie sie im norwegischen Umfeld damals nicht hergestellt wurde. Die Scherbe ist zu klein, um ihren Herstellungsort sicher bestimmen zu können. Aber es gibt vergleichbares Material zu dieser Zeit in England. Andere Glasscherben können sicher schwedischen Herstellungen zugeordnet werden. Der Häuptling am Karmsund hatte also weite ausländische Verbindungen.
Während auf dem Festland und in England die Stadtkultur im 8. Jh. sich neu zu beleben begann, und auch in Dänemark Handelszentren (Westküste von Jylland, Åhus und in Skåne) nachgewiesen werden können, ist in Norwegen entsprechendes noch nicht gefunden worden. Der Warenaustausch dorthin ist archäologisch kaum aufklärbar, da die Gegenstände größtenteil verrottet sein dürften. Aus den Grabbeigaben lässt sich schließen, dass möglicherweise landwirtschaftliche Produkte die Hauptmasse ausmachten: Korn, Wein, Öl, Salz, Textilien, Ton- und Holzprodukte, aber auch Glas, Schmuck und Trachten-Ausstattung, Waffen. Aus dem Norden wurden prestigeträchtige Luxuswaren, wie Walrosszahn, Pelzwerk, Jagdfalken, Speckstein, Wetzstein und Rentiergeweihe für Kämme und andere Horngegenstände exportiert. Pelze und Walrosszahn gingen in den Fernhandel und erreichten das arbische Umfeld, dagegen Speck- und Wetzstein wurde im wesentlichen im Norden selbst und in den angrenzenden Gebieten getauscht, wie die Funde dort belegen. Das alles führte zur Ausweitung von Jagdaktivitäten im Hochland, die durch entsprechend reich ausgestattete Gräber dokumentiert ist. Es spricht viel dafür, insbesondere Ottars Bericht an König Alfred, dass die Samen ihr Jagdgebiet weit in den Süden ausdehnten.
Nach der Krisenzeit mit ihrem dramatischen Bevölkerungsschwund wurde auch immer mehr Eisen im Lande gewonnen, und überall wurden neue Steinbrüche für Speckstein eingerichtet. Es wurde offensichtlich Eisen über den eigenen Bedarf hinaus produziert. Im oberen Telemark, besonders am Møsvatn, über 900 m über dem Meeresspiegel, hat sich die dortige Bevölkerung an 200 Stellen auf die Eisengewinnung spezialisiert. Denn dort gab es reichlich Moore, die reiche Raseneisenerzvorkommen enthielten. Die Gewinnung setzte bereits im 6. Jh. ein, prosperierte aber erst richtig im 8. Jh. Zu Beginn lag die Produktion bei ein paar hundert Kilo pro Jahr, um 800 bis ins 10. Jh. hinein waren es zwei bis drei Tonnen, als ein weiterer Wachstumsschub einsetzte. Aber auch an vielen anderen Orten ist eine ähnliche Entwicklung zu verzeichnen. Schlackeuntersuchungen zeigen auch, dass die Produktionsweisen effektiver wurden. Auch Schmiedewerkzeug wurde gefunden. Auch die Specksteinproduktion nahm große Formen an. Wurde dieser Stein ursprünglich zur Herstellung von Gefäßen verwendet, so wurden nun Webergewichte, Gießformen usw. hergestellt. Norwegen war das Land, in dem der Speckstein zu dieser Zeit am meisten verbreitet war. Mit der oben geschilderten Bevölkerungskrise ging aber nicht eine gesellschaftliche Krise einher. Vielmehr wurden in dieser Zeit die Grundlagen für die spätere Entwicklung gelegt.
Die großen Grabhügel und die dortigen Grabbeigaben zeugen von einem großen Einfluss und großer Macht einzelner Geschlechter - trotz der relativen Fundarmut im übrigen für die Zeit um 600. Um diesen Status aufrechtzuerhalten, bedurfte es Vorbilder, die sich auf die heimatlichen Verhältnisse übertragen ließen, einer verhältnismäßig gefestigten Organisation der Gesellschaft, einer akzeptierten Ideologie und einer sicheren ökonomischen Grundlage. Das wichtigste Vorbild dürfte das Königtum der Merowinger gewesen sein. Davon zeugen Helme und Ringschwerter in Norwegen. Die durch sie dokumentierte stehende Kampftruppe gewährleistete eine stabile Gesellschaft mit dem Häuptling / Kleinkönig an der Spitze. Die reichen Waffenfunde aus der Merowingerzeit bei Åkersvika lassen dort ein solches Machtzentrum vermuten. Genauso lässt sich ein Königtum an der Westküste des Oslofjordes erschließen, das seinen Einfluss über das Ostland ausübte. Außerhalb dieses Zentrums in Vestfold mit seinem Zentrum in Borre war nur das Südwestland mit seinem Zentrum am Karmsund von Bedeutung. Aber Gewalt alleine genügt auf die Dauer nicht, die Macht aufrecht zu erhalten. Die mächtigen Grabhügel könnten auch auf den Anspruch göttlicher Abkunft der Herrschergeschlechtes hinweisen. Die Lage dieser Zentren gewährleistete auch einen ökonomischen Aufschwung, indem große Ländereien dazugehörten und sie selbst Sammelpunkt für den Warentausch waren, den sie kontrollierten und aus dem sie reichen Gewinn zogen. Aber dies galt nur für den Süden. Längs der Küste nach Norden lebte offenbar die traditionelle Gesellschaftsform der Großbauern als Lokalautoritäten fort. Die Entwicklung der Häuptlings- und Königsmacht setzte sich ungebrochen bis in die Wikingerzeit fort.
Kleinreiche im Südwesten
Es entstanden zwischen 300 und 500 n. Chr. und in den Jahrhunderten danach mehrere Kleinreiche in Ostnorwegen: Ringerike, Romerike, Hadeland und Hedmark. Auch war ein größerer Rechtsverband in Trøndelag geschaffen. In Bøvågen (eine Bucht nördlich von Avaldsnes auf Karmøy) zeugt ein großes Schiffsgrab von einem entsprechenden Machtzentrum, das seinen Bereich sehr weit ins Land und nach Süden erstreckte. Der Kleinkönig hatte Bø als Hauptsitz und Avaldsnes war möglicherweise das religiöse Zentrum. Norwegen war zur Merowingerzeit (500 - 800) in ein gesamteuropäisches Beziehungsnetz eingebunden, das sich im 7. Jh. entwickelte.
Der Grabhügel in Bøvågen und die Grabbeigaben deuten darauf hin, dass hier ein Reisekönigtum fränkischen Musters vorliegt und der beerdigte Kleinkönig stark genug war, Eroberungen durchzuführen. Er hatte offenbar mehrere Stützpunkte, zwischen denen er sich bewegte. Die reichen archäologischen Funde bei Ferkingstad auf der Westseite von Karmøy lassen auf einen solchen Stützpunkt schließen. Aus den reichen Grabbeigaben an anderen Stellen, lässt sich ein Netz von Stützpunkten erschließen: Fitjar bei Stord, Støle bei Etne, Skåla bei Kvinnherad, Halsnøy und Tysnes in Sunnhordland, Sørbø auf Rennesøy, möglicherweise auch Utstein auf Mosterøy, Hesby auf Finnøy und Tolga oder Gard auf Talgje. Das waren Sitze von lokalen Häuptlingen, die vom Kleinkönig in Bøvåg offenbar unterworfen worden waren. Dafür spricht, dass in schriftlicher Zeit Fitjar, Støle, Skåla, Sørbø, Utstein und Hesby bereits Königsgüter waren. Auch in den anderen genannten Orten finden sich große Krongüter. Snorri schreibt über die Königsgüter Harald Hårfagres: "Als König Harald alt wurde, da weilte er oft auf seinen großen Krongütern in Hardanger: Ålrekstad (= Årstad bei Bergen) oder auf Seim (in Alversund) oder Fitjar oder Utstein oder auf Avaldsnes auf Karmøy."
Die Ostgrenze seines Reiches dürfte irgendwo zwischen dem Skoldafjord in Tysvær und dem Ålfjord gewesen sein. Denn dort war ein wichtiger Landweg, und es gibt Hinweise, dass auf ihm sogar Schiffe hinübergezogen wurden: Eine wichtige Hintertür, wenn der Karmsund gesperrt war.
Aktivitäten außerhalb Norwegens
Früher glaubte man, dass der Überfall der Wikinger auf Lindisfarne 793 plötzlich und unerwartet gewesen sei, weil die Wikinger vorher lediglich an der Nordseeküste entlang über den Kanal nach England gekommen seien. Neuere Funde belegen, dass der direkte Weg von Norwegen an die englische Küste bereits Generationen vorher benutzt worden ist. Funde auf den Orkneys, Hebriden und auf Irland konnten sicher auf das frühere 8. Jh. datiert werden. Funde aus England aus der gleichen Zeit wurden ebenso an der Westküste Norwegens entdeckt. Da diese Gegenstände aus Schottland in Südskandinavien fehlen, aber in Mittelnorwegen vertreten sind, ist von einem Warentransport über den Kanal, durch Jylland nach Mittelnorwegen nicht auszugehen. Auf den Orkneys und den Shetlands wurden Kämme aus Rentiergeweih gefunden, die bis ins 7. Jh. datiert werden können. Rentiere gab es zu dieser Zeit weder dort, noch in Schottland. Die Reise über die Nordsee benötigte in der Wikingerzeit nur wenige Tage. Auch für die Färöer ist eine zeitlich sehr frühe wikingische Besiedlung anzusetzen. Die früheste Besiedlung der Vestmannaeyjar südlich der isländischen Küste ist mit der C-14-Methode auf das 7. Jh. datiert. Auch für Reykjavik gibt es Datierungen aus der Zeit vor 800. Es kann heute auch nicht mehr gesagt werden, dass die Wikinger vor dem 8. Jh. keine Segel benutzt hätten, was für eine Nordseeüberquerung unumgänglich ist. Denn für eine solche Aussage ist das archäologische Material zu gering, und die Friesen kannten zu dieser Zeit im Süden der Nordsee Segel. Die Verbindung zwischen Norwegen und Northumbria war wohl keineswegs neu, sie erhielt lediglich plötzlich einen kriegerischen Inhalt.
Religion in der älteren Eisenzeit
Das Quellenmaterial ist spärlich.In den schriftlichen Quellen des Mittelalters finden sich Bezüge zur alten Götterlehre, zum Asenglauben, der in die ältere Eisenzeit zurückreicht. Funde weisen sowohl auf Naturkräfte als auch auf höhere Mächte hin. Eine Frau und ein acht- bis 12 Jahre altes Mädchen wurde in Sogndal in Sogn Ende des 5. Jh. begraben. Grabbeigabe war eine eigenartige Sammlung von kleinen Gegenständen aus Stein, Flint und Glas in einem kleinen Behälter. Darunter war eine kleine Steinaxt, zwei kleine Stücke Bergkristall und zwei kleine weiße, eiförmige Steine aus Quarz und Quarzit. Das war kein Spielzeug. Nach altem Volksglauben wehren weiße Steine und Bergkristall Trolle und dunkle Mächte ab. Es handelte sich wahrscheinlich um apotropäische Amulette. Es ging inner auch darum, böse Kräfte, über die man keine Kontrolle hatte, abzuwehren. Das geschah mit Hilfe von "Donnersteinen", Feuersteinstücken und Steinäxten, die in den Boden des Hauses eingebaut wurden. Man hatte sie im Boden gefunden und ihnen magische Bedeutung beigemessen, weil man nicht mehr wusste, dass sie Jahrhunderte früher dort abgelegt worden waren. Weiße runde Steine schützten auch das Großvieh vor Krankheit. Während jeder diese Steine selber finden konnte, bedurfte es für andere Probleme der Hilfe von Menschen mit besonderen Eigenschaften.
Das bemerkenswerteste Grab ist das einer Frau, die im 6. Jh. in der Nähe von Bergen in einer 3 m-langen Steinkiste unter einem 17 m langen und 8 m breiten Grabhügel begraben worden ist. Sie war mit reichlichem Schmuck und anderen persönlichen Gegenständen ausgestattet. Das besondere ist aber, dass am Fußende des Steingrabes eine Steinplatte als Schwelle eingebaut war und sie in der rechten Hand einen langen Holzstab hielt. Die Frau dürfte eine zauberkundige Frau, eine Völva, gewesen sein. Diese wurden ein paar Jahrhunderte später in der nordischen Literatur beschrieben: Zukunftskundig und trollkundig. Sie wußte um die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und verschaffte sich ihr Wissen, indem sie sich durch Gesang in Ekstase versetzte. Sie hatte auch Macht über Schaden und Fruchtbarkeit. Es war üblich, sie bei Schwierigkeitenn zu konsultieren. So war sie gefürchtet und respektiert.
Später wird von zwei Arten der Völva berichtet: Die eine wanderte mit einem Stab umher, wie die oben beschriebene begrabene Frau. Die Bezeichnung Völva ist abgeleitet vom norrön Wort *volv = Stab. Die andere Art war an Riten geknüpft, die mit dem Phallus eines Hengstes, der „Volse“ genannt wurde, verbunden waren. Das erhellt wohl ein Fund in Hordaland, wo ein solcher Hengstphallus in einem Leinentuch mit Lauch eingewickelt war. Auf einem Knochenmesser bei diesem Fund war ein Runentext eingraviert: linalaujaR = Leinen und Lauch, die Pflanzen, mit denen eine Wahrsagerin entlohnt wurde. Der Hengstphallus stand für Fruchtbarkeit. Ähnlich ist auch zu verstehen, wenn Menschen in einem Bärenfell oder mit Bärenklauen begraben wurden. Auch Kämme spielten eine besondere Rolle, da lange Haare in vielen Kulturen ein Zeichen von Kraft und Fruchtbarkeit waren und Kämme den fruchtbringenden Regen symbolisierten. Viele Phallos-Steine zeigen die große Rolle, die die Frauchtberkeitskulte damals spielten. Mehr lässt sich bislang nicht über die religiösen Vorstellungen der damaligen Zeit nicht sagen.
Zeit der Wikinger
Historische Einordnung der Wikinger
Der Wikinger war Krieger und Kaufmann. Seine Gewalttaten hielten sich im Rahmen des damals Üblichen. Was sie in den Quellen zum Schrecken werden ließ, war, dass sie Heiden waren und als solche keinen Respekt vor Kirchen und Klöstern hatten. Außerdem wurden die Quellen von Geistlichen verfasst, die die Überfälle als Strafe Gottes dafür interpretierten, dass das Volk nicht ausreichend auf die Kirche hörte. In Skandinavien wird die Wikingerzeit in anderem Licht gesehen: Es war die erste Großmacht-Zeit. In der norwegischen Geschichte ist die Wikingerzeit die letzte sogenannte "archäologische Periode". Ihr Beginn wird zwar in der Regel mit dem Überfall auf Lindisfarne 793 angesetzt, aber richtiger ist die Grenze zwischen Merowingerzeit und Wikingerzeit auf die Mitte des 8. Jh. anzusetzen. In der Mitte des 11. Jh. geht die Wikingerzeit über in die nächste Periode, das "christliche Mittelalter". Zu Beginn dieser Zeit wurden einzelne Klöster und Kirchen überfallen, Lindisfarne, Columbans Kloster in Iona, St. Filibertus -Kloster in der Mündung der Loire usw. In der Endphase im 11. Jh. kämpften die Wikinger dagegen in großen und organisierten Heeren, von christlichen Königen geführt. Klöster und Kirchen wurden in Ruhe gelassen. Skandinavien reihte sich in die Gemeinschaft christlicher Staaten ein. Während sich Westskandinavien mehr auf England, Frankreich, Benelux, und Westdeutschlnd konzentrierte, orientierteen sich die schwedischen Wikinger mehr auf die Ostsee, das Balticum, Russland, Weißrussland und die Ukraine. Man kann dies an den Funden von arabischen Münzen ablesen, die reichlich in Schweden und auf Gotland vertreten sind, aber kaum in Norwegen und Dänemark.
Raubzüge und Ausbreitung
Die ersten Wikingerzüge waren reine Plünderungsunternehmen der Dänen und Norweger in relativ bescheidenem Umfang auf den britischen Inseln, in Friesland und im Frankenreich. Aber nach 800 organisierten die Wikinger größere Heereszüge, zunächst besonders gegen Friesland und die Westküste Frankreichs. Neben der Plünderung spielte auch der Freikauf gegen Lösegeld eine erhebliche Rolle. Nach der Plünderung 841 kaufte sich Paris 845 mit 7.000 Pfund Silber los. Die Wikingerzüge wurden aber in üblicher manier auch übertrieben dargestellt; so, wenn der französische Mönch Abbo von einer Wikingerflotte von 700 Schiffen sprach. Zwar dominierten bei den Raubzügen nach Frankreich die Dänen, aber auch Norweger waren dabei. Denn in den Annalen über den Angriff auf Nantes 843 werden westfaldingi erwähnt, also Leute, die aus Vestfold kamen. Sie können mit den Dänen gekommen sein, aber auch aus Irland.
Die Wikingerzüge erstreckten sich auch an der portugiesischen Westküste entlang, 859/860 durch die Straße von Gibraltar nach Norditalien. 882 zogen sie rheinaufwärts und kamen bis Trier.
Viele Skandinavier ließen sich nach 800 in der Normandie und in Flandern nieder. Karl der Einfältige überließ dem Wikingerhäuptling Rollo die Normandie als Herzogtum als Schutzwall gegen weitere Einfälle. Nach einigen Generationen gingen die Wikinger in der ansässigen Bevölkerung auf.
In England setzten sich dänische Wikinger fest (Danelag). Siehe Geschichte Englands.
Die norwegischen Wikinger dominierten aber in Irland. Die ersten überwinterten dort 840 / 841. Um 850 kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Weißen (Norweger) und Schwarzen (Dänen), benannt nach ihrer Schildfarbe.
Aktivitäten
Der Erfolg der Wikinger beruhte auf ihren Schiffen. Diese waren nicht nur Transportmittel, sondern Teil der Kultur, wie die Schiffsgräber zeigen. Zur Kultur gehörte auch das Schwergewicht der persönlichen Beziehung, die durch Austausch von Geschenken zum Ausdruck kam. Bei den archäologischen Funden lässt sich nur schwer zwischen Beute, Geschenk und Handelsware unterscheiden. Am ehesten ist dies auf einem Handelsplatz möglich. Ein solcher wurde in Norwegen ausgegraben. Es handelt sich um den von Ottar erwähnten Ort Sciringsheal, in der späteren norrön Literatur Skíringssalr, heute Kaupang in Vestfold. Die Siedlung entstand um 800 und wurde bis 930 / 950 benutzt. Sie war nicht ganzjährig bewohnt, aber es hielten sich dort norwegische und ausländische Händler auf, wie die Gräber zeigen. Das Fundmaterial weist eine weitreichende Verbindung mit großen Teilen Europas auf. Es wurden arabische, fränkische und englische Münzen und eine aus Haithabu gefunden. Außerdem kamen Keramik aus dem Rheingebiet und Schmuck von den britischen Inseln. Aber es wurde nicht nur Handel getrieben, sondern es wurden auch Fertigwaren hergestellt. Davon zeigen Schmiedewerkzeuge und fertige oder halbfertige Eisenwaren nebst einschlägigem Abfall, insbesondere wurden viele Schiffsnägel gefunden. Aus dem Inland wurde offenbar über weite Strecken Speckstein herantransportiert und dort zu Gefäßen verarbeitet.
Bewaffnung
Das wichtigste für den Wikinger waren neben dem Schiff die Waffen. Hauptwaffen waren Schwert und Axt. Ein gutes Schwert wurde aus mehreren Lagen zusammengeschweißt. Es waren zwei Arten gebräuchlich: Entweder man hatte harte Schneiden auf jeder Seite und in der Mitte weicheres Material, oder man hatte ein durchgehend hartes Schwertblatt und auf Ober- und Unterseite eine Lage weicheres Eisen. Die Schwerter waren zweischneidig und verjüngten sich zum Ende. Sie wurden zuerst im Frankenreich entwickelt. Trotz der Eigenproduktion waren importierte Schwerter, besonders aus dem Rheintal besonders gefragt. Auf einer Reihe skandinavischer Schwerter sind ausländische Warenzeichen eingraviert, z.B. ULFBERTH oder INGELRI. Es gibt so viele Schwerter mit diesen beiden Wörtern, dass es sich um Schwertsorten gehandelt haben könnte. Die Frankenkönige verboten zwar den Schwertexport an die Wikinger unter Todesstrafe, aber ohne Erfolg. Die Qualität der einheimischen Schwerter war nicht besonders. Es wird erzählt, dass Ludwig dem Deutschen von normannischen Königen Schwerter als Geschenk übersandt wurden. Er prüfte sie auf ihre Stabilität, und nur eines soll die Probe bestanden haben. Der Import nach Norwegen bezog sich im wesentlichen auf die Klingen. Die Griffe mit Knauf wurden von heimischen Schmieden mit aufwendiger heimischer Verzierung angebracht, die auch die Datierung ermöglicht.
Rein technisch war die Axt ein einfacher herzustellendes Gerät und war auch vielseitiger zu verwenden. Die Axt hat offenbar in der Wikingerzeit eine Renaissance erlebt. Es gibt verschiedene Typen. Die Streitaxt war zur Arbeit weniger geeignet. Das Blatt war oft recht dünn, aber reichlich mit Gravuren und eingelegtem Silberdekor verziert. Meist wurde eine Schneide aus besonders hartem Stahl aufgeschweißt.
Hinzu kam als wichtige Waffe der Speer. In Nordfjord sind 177 Waffengräber aus der Merowinger- und Wikingerzeit registriert. In 92 davon war nur eine einzige Waffe zu finden. 42 davon waren eine Axt, 28 waren ein Schwert und 22 ein Speer. Die übrigen hatten Kombinationen.
Gesellschaft
Die Gesellschaft der Wikinger war wesentlich von äußeren, insbesondere fränkischen Einflüssen geprägt. Gleichzeitig mit der Ausdehnung ihres Einflußbereiches nach außen begann auch die innere Kolonisierung. Erst als die Bedingungen eine weitere Ausbreitung im Inneren nicht mehr zuließen, verlagerte sich das Schwergewicht auf die Ausbreitung im Ausland. Man kann archäologisch eine stetige Zunahme der bebauten Gemarkungen seit der Zeitenwende mit einem vorübergehenden Einbruch im 6. Jh. konstatieren, die erst mit dem Svartedauden, der großen Pest im 14. Jh., abbricht. Aber die neuen Gemarkungsnamen vor der Wikingerzeit, die alle mit einem Personennamen beginnen, lassen zwar den Schluss zu, dass der Ackerbau in dieser Zeit von einzelnen Kleinfamilien betrieben wurde, aber nicht, dass es davor anders gewesen wäre. Denn es kann sich auch um eine Modeerscheinung gehandelt haben. Gleichwohl war die Gesellschaft vor der Wikingerzeit von Familienverbänden geprägt, da es über der Großfamilie keine höhere Instanz gab. In der Wikingerzeit allerdings sorgte die höhere Mobilität für eine Neuorientierung, da in der Fremde die eigene Großfamilie in Konfliktfällen nur bedingt und sehr begrenzt Unterstützung gewähren konnte. Hier trat immer mehr die Gruppe, zu der eine Person gehörte, in den Vordergrund.
Gleichwohl ist der Begriff des "Familienverbandes", dem eine Person zugehörte, zu dieser Zeit von Bedeutung. Damit ein Geschlecht in allen Dingen zusammenhielt, muss es für alle Mitglieder ein gemeinsames Gruppengefühl gegeben haben. Das ist nur in einem starken Patriarchat oder Matriarchat möglich. In der Wikingerzeit ist auf Grund der patrilinearen Ausformung der Personenverbindungen von einem Patriarchat auszugehen, wo der Familienälteste über Söhne, Ehefrau, unverheiratete Töchter und Schwiegertöchter bestimmte. Dies war vorher aber anders. Wenn vor der Wikingerzeit eine Frau heiratete, blieb sie Angehörige ihres eigenen Familienverbandes, und für die Kinder war der mütterliche Familienverband genauso wichtig wie der väterliche. Das beinhaltete, dass z.B. zwei Kernfamilien von zwei Brüdern niemals die gleiche Sicht über ihre nächsten Verwandten hatten, abgesehen von dem seltenen Fall, dass zwei Brüder mit zwei Schwestern verheiratet waren. Diese Gesellschaft bestand also nicht aus getrennten Geschlechtern nebeneinander, sondern aus Kleinfamilien als Knoten in einem großen Netz mit Verbindungen kreuz und quer über das Gebiet und ergab ein unsymmetrisches Muster. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass man von einem Streit zwischen Gruppen hört, die miteinander verwandt waren.
Neben diesen beschriebenen Personengruppen gab es noch die Knechte/Sklaven. Sie hatten keine Zugehörigkeit zu Familien. Sie hatte keine Rechte. Ihre Herkunft spielte keine gesellschaftliche Rolle. Sie waren Eigentum des Herrn. Über sie gibt es Nachrichten erst in den späteren altnorwegischen Gesetzen. Aber diese lassen gewisse Rückschlüsse auf die vorangegangenen Verhältnisse zu. Welche ökonomische Bedeutung die Sklaven zur damaligen Zeit hatten, gehört zu den unbeantworteten Fragen der norwegischen Geschichtsforschung. Zwar berichten englische und irische Quellen über Menschenraub. Aber daraus ist nicht zu entnehmen, dass davon eine größere Anzahl nach Norwegen kam, da eine viele ins Ausland verkauft worden sein können. Außerdem gibt es keine Anhaltspunkte für die Zahl, um die es sich handelte. Oft wurden die Gefangenen nicht verkauft, sondern gegen Lösegeld wieder freigelassen. Wurde das Lösegeld nicht gezahlt, töteten sie die Wikinger oft.
Die Frauen waren den Männern nicht gleichgestellt. Allerdings konnten sie, wenn es erforderlich war, auch Funktionen von Männern übernehmen, z.B. als unverheiratete Frau einen Hof gründen und leiten. Die sozialen Normen hinderten sie daran nicht. Es gibt eine ganze Reihe von Gehöften aus dieser Zeit, die Frauennamen tragen. In Island ist dieser Fall noch häufiger. Auch viele Erinnerungssteine weisen in ihren Runen-Inschriften auf leitende Frauenpersönlichkeiten hin. Ca. 20 % dieser Erinnerungssteine weisen einen solchen Sachverhalt aus, mehr also als die Hofnamen hergeben, was nicht überrascht, da die Neuerrichtung eines Hofes für eine Frau eine ungewöhnlich harte Aufgabe war. Aber mehr Frauen gerieten nach dem Tode ihres Mannes in die Führungsposition. Witwen hatten in dieser Gesellschaft die am meisten selbständige Position. Eine Witwe konnte auch ihren Sohn beerben, wenn dieser ohne eigene Erben starb. Nach ihrem Tod ging das Erbe an ihre Verwandten. Die Grabfunde bestätigen diese Stellung der Frau. Es wurden 264 Gräberfunde aus der Merowinger- und Wikingerzeit gemacht. Davon waren 68 so gut erhalten, dass man das Geschlecht der Toten bestimmen konnte. 19, also 28 %, sind Frauengräber. Die reich ausgestatteten davon zeigen, dass die Frauen zur Oberschicht gehörten. Sie gehörten zu den ältesten und größten Höfen. Es zeigt sich, dass die Frauen nicht deutlich benachteiligt waren, wenn sie auch nicht Waffen tragen und am Thing teilnehmen durften.
Die alten Stammesnamen "Ringeriker", "Ranrikinger" (in Bohuslän) oder die Landschaftsbezeichnungen, die auf -land enden (Rogaland, Hordaland), belegen nicht, dass es sich dort um gesellschaftliche Großstrukturen gehandelt habe. Es sind zunächst einfach geografische Bezeichnungen und deren Verknüpfung mit den dort lebenden Menschen. Sie waren bereits Jordanes im 6. Jh. bekannt, also selbst wesentlich älter und aus einer Zeit, wo von einem Reich im Sinne einer politisch organisierten Einheit sicherlich noch nicht gesprochen werden kann. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass einzelne Häuptlinge einen großen Machtbereich aufbauten, der sich eine Weile hielt und dann wieder zerfallen ist.
Die Gräber zeigen auch, dass das Durchschnittsalter der Männer bei 41 Jahren lag, das der Frauen bei 51 Jahren. Die Skelette zeugen auch von harter körperlicher Arbeit. Es sind deutliche Spuren von Arthrose, besonders bei Frauen zu finden. Die Frauenskelette zeigen eine durchschnittliche Körpergröße von 161 cm, die der Männerskelette von 174 cm.
Siehe auch Wikinger.
Zur Religion siehe Nordgermanische Religion.
Erstes Norwegisches Reich
Quellen
Über die verschiedenen Ereignisse dieser Zeit sind die wichtigsten schriftlichen Quellen die Sagaliteratur aus dem 12. und 13. Jh. Hier sind vor allem die Königssagas zu nennen. Wie weit diese ältere mündliche Traditionen wiedergeben, ist Gegenstand der Sagakritik und höchst umstritten. Die älteste Nachricht über den Beginn des Nowegischen Reiches ist die kleine Saga Ágrip, die Ende des 12. Jh. geschrieben wurde. Aus der gleichen Zeit stammen einige kleinere lateinische Königssagen, die anonyme historia Norvegiae und die Historia de antiquitate regum Norvagiensium des Theodoricus monachus. Es handelt sich um kurze Übersichten, deren Hauptzweck, die königliche Abstammung darzustellen und auch die Chronologie zu ordnen. Die Isländer Sæmundur Froði (1056 - 1133) und Ari Froði (1067 - 1148) waren auf diesem Gebiet die Pioniere. Die umfangreicheren Sagas kamen später: Die anonyme Fagrskinna und die etwas jüngere Heimskringla Snorris. Etwas älter ist die Morkinskinna. Als Snorri schrieb, waren seid Harald 300 Jahre vergangen. Allerdings enthalten die großen Sagen viele Skaldengesichte, die aus der Zeit Haralds stammen. Sie sind in den Sagen als Beweis für die Darstellung zitiert. Einige der Skaldenstrophen sind unzweifelbar echt und zeitgenössisch, andere sind spätere Ausschmückungen. Über Norwegen als Land berichtet Ottar in seinem Bericht über seine Expedition im Auftrag König Alfred (England) von England.
Hinzukommen auch einige ausländische Schriften mit sporadischen Nachrichten über die norwegischen Verhältnisse.
Die Ereignisse
Um 800 bis 850 wurden eine Reihe großer Schiffsgräber in Åkra in Avaldsnes (Nord-Karmøy) errichtet. Sie zeugen von einem neuen Machtzentrum nach Rivalitäten insbesondere mit dem Häuptling von Ferkingstad (Süd-Karmøy), das gegen Ende des 8. Jh. Hier entstanden ist. Am Ende setzte sich offenbar ein Häuptling mit Hauptsitz in Åkra durch. Die Unruhen, die zur Auflösung des westnorwegischen Kleinkönigtums von Bøvågen führten, nutzte offenbar Harald Hårfagre bei seiner Eroberung. Es steht außer Zweifel, dass er von außen als Eroberer kam, aber es wird diskutiert, woher er kam und welchen Hintergrund er hatte. Selbst die Königssagas stimmen darin nicht überein. Am Ende seines Lebens wird er als König von Westland bezeichnet mit seinen Gütern in Rogaland und Hordaland. Die Sagaliteratur berichtet, er habe Verbindungen nach Sogn, der Vater sei der König von Oppland Halvdan Svarte und die Mutter Ragnhild, die Tochter Harald Gullskeggs in Sogn gewesen. Er wuchs bei seinem Großvater mütterlicherseits auf, und der Ausgangspunkt seiner Unternehmungen war Sogn. Harald verdrängte den vorherigen Herrscher auf Avaldsnes und übernahm dessen Machtbasis. Sein Reich war ein Küstenreich mit Stützpunkten bis Kristiansand und Arendal. Seine Machtbasis waren zunächst die Krongüter, die er von den unterworfenen Häuptlingen samt deren Hauptsitzen übernahm, später kamen Abgaben und Geldbußen hinzu.
Ungefähr im Jahre 900 vereinte Harald Hårfagre (der erste norwegische König) mehrere Stammesgebiete zu einem Reich. Aber das, was heute allgemein über die Größe und die Struktur seines Reiches geschildert wird, dürfte Snorris Konstruktion sein. Abgesehen davon umfasste der Begriff Norwegen damals nur den Küstenbereich, nämlich norðmanna land, wie aus dem Bericht Ottars hervorgeht. Nördlich der Lofoten und im Hochland Mittelnorwegens lebten nach ihm Samen. Nach Snorri habe er vom Ostland ausgehend Trøndelag erobert und habe dann der Reihe nach alle Herrscher an der Küste Richtung Süden bis zum Stavangerfjord unterworfen und eine neue Administration begründet, indem er überall abhängige Jarle eingesetzt habe. Diese Konstruktion Snorris hat ziemlich sicher mit der Wirklichkeit wenig zu tun. Die Jarle des Ostlandes dürften eher an den dänischen König gebunden gewesen sein, die übrigen Häuptlinge nicht von ihm eingesetzt, sondern lediglich in eine gewisse Abhängigkeit geraten sein. Als gesichert darf aber gelten, dass er eine Machtbasis im südlichen Westland hatte. Außerdem dürfte er die Oberherrschaft über andere Teile des Landes ausgeübt haben, deren Inhalt aber nur vage bestimmbar ist. Abgaben, Verköstigung beim Besuch und Heerfolge im Krieg dürften die wesentlichen Inhalte dastellen. Der König herrschte nicht über ein Gebiet, sondern über Menschen. So bezeichnet Torbjørn Hornklove ihn als dróttin norðmanna (König der Nordmänner). Auch sein Todesjahr 932 dürfte Ari Froði auf verlässlicher Grundlage ermittelt haben. Alle weitere Zahlen sind rekonstruiert: Die Sagas berichten, er sei mit 80 Jahren gestorben und 10 Jahre alt gewesen, als sein Vater starb, und 10 Jahre später habe er die Reichseinigung vollendet. So kommt man auf die Schlacht am Haftsfjord im Jahre 872. Die runden Zahlen der Sagaverfasser deuten eher auf eine geschätzte Zeitangabe hin. Dass diese Schlacht der Schlusspunkt gewesen sei, rührt daher, dass von den anderen Schlachten nur allgemein berichtet wird, das Haraldkvæði des Torbjørn Hornklove aber diese Schlacht am ausführlichsten schildert. Eine zuverlässige Angabe darüber, welche Etappe diese Schlacht im Eroberungsprozess bildete, fehlt. Auch widerspricht dieses Lied der späteren Schilderung, Harald habe dort eine Eroberungsschlacht zur Reichseinigung geführt. Vielmehr war er danach bereits Herr über das Südwestland, und es handelte sich um einen Angriff aus der Nachbarregion, den er erfolgreich abwehrte.
König Olav, der Heilige ersetzte etwa 1030 (Schlacht von Stiklestad) die nordische Mythologie durch das Christentum - auf eine sehr blutige Weise. (Spuren der nordischen Mythologie sollen trotzdem in ländlichen Gegenden bis zum 19. Jahrhundert überlebt haben). Die alten Götter wie Thor und Odin wurden durch Kvitekrist (Weissechrist) ersetzt. Das Christentum nahm aber alte heidnische Feste auf, wie Jól (Weihnachten heißt immer noch auf Norwegisch "Jul"). Heute noch haben die Tage auf Norwegisch heidnische Namen. Donnerstag heißt "Torsdag" (Tors Tag), und Mittwoch "Onsdag" (Odins Tag). Der Körper des Königs Olav, der Heilige, wurde in Trondheim begraben. Über dem Grab wurde die größte Kathedrale Norwegens erbaut, Nidarosdomen. Der Legende gemäß sollten auch nach seinem Tod sein Haar und seine Nägel noch weiter wachsen..
Die Zeit nach den Sagas
1349 wurde Norwegen besonders schwer von einer Pest-Epidemie getroffen, die viele Opfer forderte. Davon waren besonders Pfarrer betroffen, die sich häufig bei der letzten Ölung infizierten. Da der Klerus zu dieser Zeit die Bildungselite stellte, hinterließ der Schwarze Tod ein Land weitgehend ohne Elite und die Machtposition im Norden wurde dadurch stark geschwächt. Viele Orte wurden entvölkert, daher haben noch heute viele Norweger Namen wie "Ødegård" und "Ødemark" (Øde = Öde).
Kalmarer Union (1389-1521)
Nachdem Königin Margrethe von Dänemark und Norwegen auch zur Regentin in Schweden gewählt wurde, waren die drei Länder in einer Union vereint. Die Union wurde im Jahre 1450 durch einen Vertrag festgehalten. Die Position Norwegens wurde immer schwächer in dieser Periode.
Union mit Dänemark (1521-1814)
Nach der Auflösung der Kalmar-Union war Norwegen de jure in Union mit Dänemark, aber de facto zu einer dänische Provinz geworden. So mussten die Norweger nach Kopenhagen fahren, um eine Ausbildung zu finden.
Union mit Schweden (1814-1905)
Der dänische König, der in den Napoléonischen Kriegen auf Napoléons Seite gestanden war, musste nach dem Fall Napoléons im Kieler Vertrag Norwegen an Schweden abtreten. In Norwegen wurde die chaotische Situation dazu genutzt, in Eidsvoll eine Nationalversammlung einzuberufen, die am 17. Mai 1814 eine norwegische Verfassung verabschiedete. Der dänische Prinz Christian Friedrich wurde als König von Norwegen gewählt. Er konnte seine Macht jedoch nur wenige Monate halten, weil eine völlige Unabhängigkeit Norwegens nicht durchsetzbar war. In der Konvention von Moss räumte der schwedische Kronprinz Karl XIV. Norwegen jedoch die Beibehaltung seines Grundgesetzes ein (es gilt mit geringfügigen Änderungen bis heute), so dass das Verhältnis zwischen Norwegen und Schweden lediglich eine Personalunion darstellte – zwei Staaten mit dem selben Staatsoberhaupt und gemeinsamer Außenpolitik. Durch ein Schlupfloch im Kieler Vertrag, konnte Dänemark die alten norwegischen Westgebiete behalten (Island, Färöer und Grönland), indem die letzten norwegischen Ansprüche aufgegeben wurden.
Unionsauflösung (1905)
Während des 19. Jahrhunderts entstand in Norwegen eine starke Volksbewegung für die volle Unabhängigkeit. In Norwegen blühte zu dieser Zeit ein kultureller Aufschwung (beispielsweise durch Ibsen und Bjørnson, ...), der auch der Nationalbewegung half. Diese Entwicklung führte schließlich dazu, dass das Storting einen Konflikt zum Anlass nahm, die Personalunion am 7. Juni 1905 für nichtig zu erklären. Eine Volksabstimmung am 13. August bekräftigte die Auflösung der Union mit Schweden. Der dänische Prinz Carl wurde als norwegischer König vorgeschlagen. Er verlangte jedoch, dass es zu einer Volksabstimmung kommen musste, damit er sehen konnte, dass er Vertrauen in der Bevölkerung hatte. Das Ergebnis fiel positiv aus, so dass Prinz Carl von Dänemark am 18. November zu König Haakon VII. von Norwegen gewählt wurde.
- siehe auch: Weblinks
Erster Weltkrieg
Norwegen versuchte, im Ersten Weltkrieg Neutralität zu wahren, war aber indirekt durch die Handelsflotte beteiligt und vorwiegend auf der Seite der Entente. 1156 Norwegische Seeleute sind im unbeschränkten U-boot-Krieg verschollen. Die Reeder profitierten von guten Frachtraten. Da Teile der Gewinne als Heuer weitergegeben wurden, war das Geschäft auch für die Seeleute interessant. Den Verdienstmöglichkeiten stand aber die Lebensgefahr gegenüber, die den Seeleuten im Kriegsgebiet drohte. Über die moralischen Aspekte dieser Praxis ist danach viel diskutiert geworden.
Zwischenkriegszeit
Norwegen wurde direkt nach dem Ersten Weltkrieg von einem kurzen Wirtschafts-Aufschwung geprägt 1918-1919, als die angestaute Nachfrage an den Markt drängte. Danach verschlechterte sich aber die wirtschaftliche Situation. Wegen der Pari-Politik (Goldstandard) wurde Norwegen von einer Deflationskrise in der ersten Hälfte der 1920er-Jahren am schwersten getroffen. Um die norwegische Krone (Währung) zu stärken, brauchte man hohe Zinsen, die mit der Zeit zu einem Preisverfall führten. Das löste eine Schuldenkrise aus. Immobilienpreise sanken, bis die gekauften Häuser die Kredite nicht mehr sicherten. Nachdem 1927 die Golddeckung sichergestellt war, ging es aufwärts. Daher wurde Norwegen 1929 von der Großen Depression (Weltwirtschaftskrise) nicht so schwer getroffen. Die wirtschaftliche Entwicklung war auch in den 1930ern relativ stabil. Die Weltwirtschaftskrise machte sich bemerkbar, aber nicht so intensiv wie in den 1920ern. 1928 kam erstmals die Arbeiderpartiet (Sozialdemokraten) an die Regierung.
Zweiter Weltkrieg
Norwegen verlegte sich auch im Zweiten Weltkrieg auf eine Neutralitätspolitik. Trotzdem legten die Briten Anfang April 1940 Minen an der norwegischen Küste. Am 9. April 1940 wurde das Land von Deutschland angegriffen (Operation Weserübung). Trotz der Übermacht gelang es, mit den Kanonen und den Torpedos der Festung Oscarsborg das deutsche Kriegsschiff Blücher zu versenken. Die Kriegshandlungen der Invasion dauerten 3 Wochen in Süd-Norwegen und 2 Monate im Norden. Als Frankreich kapitulierte, wurde der Widerstand aufgegeben. Der König und seine Regierung verließen die Kriegshauptstadt Tromsø am 7. Juni 1940 und fuhren nach Großbritannien. Das norwegische Könighaus, König Haakon VII. und Kronprinz Olav (später König Olav V.), gewann im Exil eine sehr starke Rolle und viel Sympathie in der norwegischen Gesellschaft. Die aus London gesendeten Reden des Königs Haakon VII., die auf illegalen Radiogeräten gehört werden konnten, hatten eine große Bedeutung für die Moral und die Stimmung im besetzten Land. Durch diesen Rückhalt in der norwegischen Bevölkerung blieb die monarchische Staatsform unangetastet, solange König Olav V. noch lebte. In den letzten Jahren hat sich jedoch die Einstellung zur Monarchie ein wenig geändert.
Der Führer der norwegischen faschistischen Partei Nationale Sammlung (Nasjonal Samling), Vidkun Quisling nutzte das Chaos für einen Putsch. In einer Radioansprache verkündete er die Machtübernahme durch die Nationale Sammlung. Er wurde aber vom Reichskommissar Josef Terboven, den Hitler zur Verwaltung des besetzten Norwegens einsetzte, größtenteils ignoriert. 1942 wurde er pro forma mit einer Regierungsbildung beauftragt, konnte sich aber als machtloser Premier kaum profilieren. Quisling wurde 1945 wegen Hochverrats in Oslo hingerichtet. International gilt der Name Quisling als Sinnbild für einen Verräter und Kollaborateur.
Von 1500 norwegischen Juden wurde etwa die Hälfte umgebracht.
Nachkriegszeit
Norwegen wurde nach dem Krieg Mitglied der NATO (1948), und akzeptierte den Marshall-Plan zum Wiederaufbau. Die 1940er und 1950er waren geprägt durch Knappheit an Waren und strikte Rationierung. Die erste Regierung unter Einar Gerhardsen (1945) war eine Sammlungsregierung. Später wurde die Arbeiderpartiet (Sozial-Demokraten) zur bedeutendsten Partei, ihre Regierungsperiode ist auch geprägt vom Wiederaufbau und dem folgenden Aufschwung. Die zahlreichen Flüchtlinge aus der armen Finnmark lösten eine enorme Wohnungsnot aus, diese Probleme konnten durch die Regierung gelöst werden, und Gerhardsen wird dafür liebvoll "Landsfader" (Landesvater) genannt. In den 1960er wurde mehrere Aspekte der Planökonomischen Einrichtung verfasst. 1962 wurde die Regulierung des Auto-Verkaufs aufgehoben.
Nachdem 1967 Erdöl in der Nordsee gefunden wurde, entwickelte sich Norwegen zu einem der reichsten Länder in Europa.
Siehe auch
- Liste der norwegischen Könige
- Liste der Vorfahren Harald Hårfagres nach den Sagas
Weblinks
- Verfassung von Eidsvoll vom 17. Mai 1814
- Dokumente zur Einrichtung und zur Auflösung der Personalunion mit Schweden
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