Geschichte Pommerns
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Ur- und Frühgeschichte
Von etwa 1200 v. Chr. bis zur Völkerwanderung im 5. Jahrhundert nach Christus war die Gegend germanisch besiedelt. Im 7. Jahrhundert ließ sich hier der slawische Stamm der Pomoranen nieder. Pomoranen bedeutet soviel wie "Menschen vom Meer". Daraus leitete sich auch der Name Pommern gleich "Land am Meer" ab. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts entstand ein Herzogtum unter dem Geschlecht der Greifen mit den Hauptburgen von Cammin und Stettin. Unter Herzog Wartislaw I. wurde Pommern Anfang des 12. Jahrhunderts vorübergehend durch den piastischen Polenherzog Boleslaw III. Schiefmund besetzt. Er bat Otto von Bamberg um die Christianisierung Pommerns, worauf die ersten deutschen Siedler als Mönche nach Pommern kamen. Mitte des 12. Jahrhunderts kam Pommern zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.
Pommern unter den Greifen
Unter Heinrich des Löwen befand sich Pommern ab 1164 unter sächsischer Abhängigkeit. Nachdem Heinrich in Ungnade fiel, soll sich späterer Überlieferung zu Folge Herzog Bogislaw I. 1181 von Kaiser Friedrich I. Barbarossa mit Pommern belehnen lassen haben. 1185 wurde Pommern von Dänemark besetzt. Bis zur Schlacht bei Bornhöved (1227) unterstand Pommern Dänemark. Rügen hatten die Dänen sich schon 1168 botmäßig gemacht und es christianisiert. Die aus dem ranischen Geschlecht stammenden Fürsten von Rügen blieben bis zum Aussterben der Dynastie im Jahre 1325 Lehnsleute der dänischen Könige.
Im 13. Jahrhundert wurde Pommern immer mehr von deutschen Siedlern bevölkert und schließlich Teil des niederdeutschen Sprachraums. Förderer der Einwanderung waren die Herzöge aus dem slawischen Haus der Greifen, die die Einwohnerzahl und Steuerkraft ihres Lehens steigern wollten. Sie standen im Wettbewerb mit den brandenburgischen Askaniern, die in das ursprünglich slawische Brandenburg ebenfalls deutsche Siedler geholt hatten. In den Orten slawischen Ursprungs wurde vielfach der slawische Ortsname unter geringfügiger Anpassung des Lautstandes beibehalten (Beispiel: slawisch "Pozdewolk" - deutsch "Pasewalk") und auch die ursprüngliche slawische Bevölkerung miteinbezogen. 1295 erfolgte eine Teilung des Herrschaftsgebietes der Greifen in die Fürstentümer Stettin (binnenländischer Teil beiderseits der Oder und südlich des Stetinner Haffs) und Wolgast (Küstengebiete, in Vorpommern nördlich der Peene einschließlich Demmin und Anklam). Letzteres wurde bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts noch mehrfach weiter geteilt, übernahm aber nach dem Aussterben der Rügenfürsten 1325 das Fürstentum Rügen (Insel Rügen plus gegenüber liegendes Festland mit den Städten Stralsund, Barth, Damgarten, Tribsees, Grimmen und Loitz).
Nach dem Ende der dänischen Lehenshoheit erhob die Markgrafschaft Brandenburg der Askanier Ansprüche auf die Lehnshoheit über Pommern. Diese Ansprüche wurden von Kaiser Friedrich II. unterstützt. Die Folge waren ein Krieg zwischen den Herzögen von Pommern (Pommern war zu dieser Zeit meist geteilt) und dem Markgrafen von Brandenburg. Unter Barnim III. von Pommern-Stettin wurde Pommern 1348, dank guter Beziehungen zu KARL IV., reichsunmittelbarem Herzogtum. Im Jahr 1529 akzeptierte Brandenburg die Reichsunmittelbarkeit Pommerns mit dem verbrieften Recht der Erbfolge im Falle des Aussterbens des Greifengeschlechtes.
Viele der pommerschen Städte gehörten zur Hanse. 1456 wurde in Greifswald durch Herzog Wartislaw IX. eine Universität gegründet. Herzog Bogislaw X., der bedeutendste Herzog des Greifengeschlechtes (regierte 1474-1523), einigte 1478 Pommern. Das Land wurde aber schon unter seinen Nachfolgern 1532 vorläufig und 1541/69 endgültig wieder geteilt. Dieses Mal verlief die Teilungslinie jedoch entlang der Oder bzw. Randow, teilte das Herzogtum also in ein westliches - Pommern-Wolgast - und ein östliches - Pommern-Stettin - Herrschaftsgebiet.
Ab 1534 hielt auch in Pommern die Reformation Einzug. 1536 ließ sich Herzog Philip I. von Pommern-Wolgast bei seiner Hochzeit mit Maria von Sachsen-Wittenberg in Torgau von Martin Luther trauen. Der pommersche Pfarrer Johannes Bugenhagen aus Treptow an der Riga wurde als "Doctor Pomeranus" neben Luther und Melanchton einer der bekanntesten Reformatoren.
Durch die Einziehung der umfangreichen kirchlichen Ländereien erweiterten die Herzöge ihre Machposition im Land.
Unter Bogislaw XIV. wurde Pommern 1625 nochmals vereint. Die Neutralität Pommerns im Dreißigjährigen Krieg nützte dem Land nicht viel. Pommern wurde wechselseitig von den kaiserlichen Truppen unter Wallenstein und den Schweden unter Gustav II. Adolf geplündert. Nachdem Wallenstein trotz Zusage des Kaisers Ferdinand II. Pommern besetzte, schloß sich 1628 Stralsund und 1630 (nicht ganz freiwillig) ganz Pommern den Schweden an.
Nach dem Tod Bogislaws XIV. der im Jahr 1637 kinderlos starb, hätte das Land an Brandenburg fallen müssen, aber die Schweden behielten das Land besetzt.
Preußische und Schwedische Herrschaft
Durch den westfälischen Frieden 1648 kam Hinterpommern an Brandenburg und Vorderpommern wurde schwedisch. Pommern verlor im Dreißigjährigen Krieg fast ein zwei Drittel der Bevölkerung. Das Land war geteilt und lag wirtschaftlich danieder.
Brandenburg und später das Königreich Preußen verzichteten nie auf die Ansprüche auf das gesamte Pommern. Nach Ende des Großen Nordischen Krieges (1700-1721) kam Vorpommern südlich der Peene zum Königreich Preußen.
Während des Siebenjährigen Krieges (1756-63) kam es erneut zu Kampfhandlungen zwischen Schweden und Preußen. Pommern wurde teilweise durch russische Truppen besetzt, die Festung Kolberg wurde mehrmals belagert. Während der napoleonischen Kriege wurde Pommern in Mitleidenschaft gezogen. 1807 wurde wiederum Kolberg erfolglos belagert und Vorpommern durch Frankreich besetzt. Nach der Befreiung Deutschlands 1815 wurde auch der nördlicheTeil Vorpommerns mit der Insel Rügen preußisch. Pommern war bis 1945 dann preußische Provinz.
Neuzeit
Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Pommern durch die Sowjetarmee erobert und dann geteilt.
Durch das Potsdamer Abkommen wurde im August 1945 das Gebiet Pommerns östlich der Oder und der Swine der Verwaltung Polens unterstellt. Entgegen den Vereinbarungen wurden aber im Herbst 1945 auf polnischen Wunsch auch Swinemünde und Stettin incl. des Vorlandes unter polnische Verwaltung gestellt. Die Bevölkerung Hinterpommerns wurde aus ihrer Heimat vertrieben. Nach der Gebietsreform 1952 wurde der deutsche Teil Pommerns an die Bezirke Rostock und Neubrandenburg verteilt.
Mit der Auflösung der DDR und Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland entstand 1990 ein Bundesland mit dem Namen Mecklenburg-Vorpommern. Innerhalb dieses Landes wurden anlässlich der Kreisreform in den 1990er Jahren unter anderem die Landkreise Nordvorpommern und Ostvorpommern gebildet, so dass der alte Name "Pommern" nunmehr auch auf kommunaler Ebene weiter besteht.
Siehe auch Woiwodschaft
Erst 1990 erfolgte durch die BRD die endgültige vertragliche Anerkennung der deutsch-polnischen Oder-Neiße-Grenze, und somit auch der Annexion Hinterpommerns durch Polen.
Literatur
Publikationen auf polnisch
- Gerard Labuda (ed.), Historia Pomorza, vol. I (to 1466), parts 1-2, Posen; 1969
- Gerard Labuda (ed.), Historia Pomorza, vol. II (1466–1815), parts 1-2, Posen; 1976
- Gerard Labuda (ed.), Historia Pomorza, vol. III (1815–1850), parts 1-3, Posen;
- Gerard Labuda (ed.), Historia Pomorza, vol. IV (1850–1918), part 1, Thorn; 2003
- Marian Biskup (ed.), Śląsk i Pomorze w historii stosunków polsko-niemieckich w średniowieczu. XII Konferencja Wspólnej Komisji Podręcznikowej PRL-RFN Historyków 5–10 VI 1979 Allenstein, Instytut Zachdni, Posen; 1987
- Antoni Czubiński, Zbigniew Kulak (ed.), Śląsk i Pomorze w stosunkach polsko-niemieckich od XVI do XVII w. XIV Konferencja Wspólnej Komisji Podręcznikowej PRL-RFN Historyków, 9–14 VI 1981 r. Zamość, Instytut Zachodni, Posen; 1987
- Szkice do dziejów Pomorza, vol. 1-3, Warschau 1958-61
- B. Wachowiak, Rozwój gospodarczo-społeczny Pomorza Zachodniego od połowy XV do początku XVII wieku, Studia i Materiały do dziejów Wielkopolski i Pomorza, 1958, z. 1
- J. Wiśniewski, Początki układu kapitalistycznego na Pomorzu Zachodnim w XVIII wieku, Studia i Materiały do dziejów Wielkopolski i Pomorza, 1958, z. 1
- A. Wielopolski, Gospodarka Pomorza Zachodniego w latach 1800–1918, Stettin 1959
- W. Odyniec, Dzieje Prus Królewskich (1454–1772). Zarys monograficzny, Warschau 1972
- Dzieje Pomorza Nadwiślańskiego od VII wieku do 1945 roku, Danzig 1978
- Zygmunt Boras, "Książęta Pomorza Zachodniego", Posen; 1969, 1978, 1996
- Zygmunt Boras, "Stosunki polsko-pomorskie w XVI w", Posen; 1965
- Zygmunt Boras, "Związki Śląska i Pomorza Zachdoniego z Polską w XVI wieku", Posen; 1981
- Kazimierz Kozłowski, Jerzy Podralski, "Poczet Książąt Pomorza Zachodniego", KAW, Stettin 1985
- Lech Bądkowski, W. Samp. "Poczet książąt Pomorza Gdańskiego", Danzig 1974
- B. Śliwiński, "Poczet książąt gdańskich", Danzig 1997
- Wojciech Myślenicki, "Pomorscy sprzymierzenscy Jagiellończyków", Wydawnictwo Poznańskie, Posen; 1979
- Józef Spors, "Podziały administracyjne Pomorza Gdańskiego i Sławieńsko-Słupskiego od XII do początków XIV w", Stolp 1983
- Kazimierz Ślaski, "Podziały terytorialne Pomorza w XII-XII w.", Posen; 1960
- Benon Miśkiewicz, "Z dziejów wojennych Pomorza Zachodniego. Cedynia 972-Siekierki 1945", Wydawnictwo Poznańskie, Posen; 1972
Publikationen auf deutsch
- M. Wehrmann: Geschichte von Pommern. vol. 1-2, Gotha, 1919-21
- M. Spahn: Verfassungs- und Wirtshaftsgeschichte des Herzogtums Pommern von 1476 bis 1625. Leipzig, 1896
- B. Schumacher: Geschichte Ost- und Westpreussens. Würzburg, 1959
Weblinks
- Informationen über alle pommerschen Herrscher
- Bischof Otto von Bamberg, Apostel der Pommern
- Lehrstuhl für Pommersche Geschichte und Landeskunde der Universität Greifswald
