Geschlechterrolle

Unter Geschlechterrolle oder Geschlechtsrolle versteht man

Soziologie und Psychologie sprechen von Sex und Gender, um die kulturell und gesellschaftlich vorgegebenen Geschlechterrollen von den biologischen Gegebenheiten zu unterscheiden.

Kulturelle Geschlechterrollen sind einem ständigen Wandel unterworfen; lediglich die unterschiedlichen biologischen Rollen von Frauen und Männern bei der Fortpflanzung wurden bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nicht in Frage gestellt. Erst seitdem die Medizin hier die Möglichkeiten bietet, diese biologischen Rollen teilweise zu verändern, wird auch dieser Teil der Geschlechtsrollen diskutiert; allerdings ist diese Debatte noch auf Randbereiche der Gesellschaft beschränkt.

Der kulturelle Aspekt der Geschlechtsrollen ist sehr breit gefächert. Auch wenn Haupttendenzen erkennbar sind, sind doch fast alle Möglichkeiten der kulturellen Aufgabenteilung irgendwo und irgendwann praktiziert worden.

Die bekannteste Norm für kulturelle Geschlechtsrollen dürfte die heteronormative oder patriarchalische sein, welche im Westen seit Beginn des vorigen Jahrhunderts zunehmend in Frage gestellt und modifiziert wird.

Die ursprünglich religiöse Begründung für diese Rollenteilung wurde zunehmend durch Argumente, die meist auf einzelnen Forschungergebnissen aus den Bereichen Anthropologie und Biologie basieren, ersetzt (siehe Biologismus). Beide Argumentationsstränge und ihre Folgerungen werden sowohl in den genannten Wissenschaften als auch von der Frauenbewegung kritisiert.

Die traditionelle Rollenzuschreibung impliziert:

Sowohl die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts aufkommende Frauenbewegung als auch politische Veränderungen wie die Industrialisierung und insbesondere die beiden Weltkriege, die es erforderten, dass Frauen den "angestammten" Platz verließen, führten zu starken Veränderungen der Möglichkeiten innerhalb der Geschlechtsrollen; dabei wurde die weibliche Geschlechtsrolle stärker liberalisiert als die männliche, so dass heute die Bandbreite der Möglichkeiten für Frauen wesentlich größer ist als für Männer.

Gleichfalls wurden in verschiedenen Geistes- und Naturwissenschaften Forschungsergebnisse und Studien vorgelegt, die die Grundlagen der traditionellen Rollenverteilung widerlegen. Auch die Prämisse, dass es ausschließlich zwei strikt von einander getrennte Geschlechter gäbe, gerät zunehmend ins Wanken. Hier ist vor allem die Transgender-Bewegung und die zunehmende Wahrnehmung von Intersexualität zu nennen.

Siehe auch: Soziale Rolle

Literatur


Siehe auch: Liste der Transgender-Themen

See also: Geschlechterrolle, 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, Anthropologie, Biologie, Biologismus, Frau, Frauenbewegung, Heteronormativität, Identitätsgeschlecht