Geschütz
Bild nicht gefunden Nachbau eines Geschützes von 1669 in Magdeburg |
| [[Bild:Wesel moerser.jpg|thumb|Ein Festungsmörser in der ]] |
| thumb|21-cm-Mörser im 1. Weltkrieg |
| thumb|Französische 12,5 cm Langkanone |
| thumb|240 mm Küstengeschütz beim Laden (1942) |
| thumb|moderne Feldkanone - M-198 |
Der Ausdruck Geschütz (urspr. die Waffe des Schützen, d. h. Bogen) bezeichnet im Militärwesen eine schwere, zum Handgebrauch nicht verwendbare Waffe. Die Geschütze sind in der Truppengattung der Artillerie zusammengefasst. Die Entwicklung der Geschütze war sehr stark abhängig von der allgemeinen technischen Entwicklung, sei es die Erfindung des Schießpulvers, die Gusstechniken, die Motorisierung usw. Reichweite und Feuerkraft wurden immer weiter gesteigert.
Geschichtsüberblick
- In der Antike waren Geschütze mechanische Wurfmaschinen, wie das Katapult, die Balliste und der Onager.
- Im Mittelalter wurde die schwerste der mechanischen Wurfmaschinen erfunden, das Trebuchet, das auch nach der Einführung der Feuerwaffen weiter eingesetzt wurde.
- Die ersten Feuerwaffen waren die "pot de fer", die zuerst 1324 in Metz eingesetzt wurden. (Die erste Abbildung so einer Waffe stammt angeblich aus dem Jahr 1326, es handelt sich dabei aber höchstwahrscheinlich um eine Fälschung oder nachträgliche Einfügung.) Es waren bauchige Töpfe, die schwere Pfeile verschossen. Diese ersten Geschütze waren jedoch noch taktisch bedeutungslos.
- Für Edward III. wurde das ribauldeqin, eine Art Orgelgeschütz, gebaut.
- Die nächste Fortentwicklung war die Bombarde. Ein jetzt zylindrisches Rohr aus Schmiedeeisen verschoss zunächst ca. 200 Pfund schwere Stein- später dann auch Metallkugeln. 1415 benutzte Heinrich V. zehn Geschütze, um die Mauern von Harfleur einzuschießen. 1453 wurde die bis dahin uneinnehmbare, doppelte Mauer mit Wassergraben um Konstantinopel von den Türken sturmreif geschossen. Ebenso wurden die Lafetten entwickelt und in den Hussitenkriegen erstmals Geschütze auf Fahrzeugen montiert, außerdem bereits als Schiffsgeschütze auf Schiffen eingesetzt.
- Im 15. Jahrhundert wurden die Feldschlangen als erste Feldgeschütze entwickelt. Zusammen mit der (pferdebespannten) Lafette waren diese Geschütze erstmals mobil einsetzbar.
Der Mörser war ein Steilfeuergeschütz, das erstmals auch explodierende Munition einsetzte und das für Belagerungen oder im Rahmen der Festungsartillerie ([[als Festungsgeschütz) diente. Ein Mittelding zwischen dem Mörser und der Kanone war die Haubitze, die in Tschechien erfunden wurde.
Leichte Hinterlader wurden auf Pivots montiert (Drehbassen).
- Mitte des 19. Jahrhunderts kam es infolge der industriellen Revolution zu weitreichenden Neuerungen: Die gezogene Kanone konnte explosive Langgeschosse verschießen, die durch die Züge in eine Rotationsbewegung versetzt wurden und die Zielgenauigkeit entscheidend verbesserten. Damit konnte erstmals die sinnvolle Reichweite über die Kernschussweite hinaus gesteigert werden. Bald führte man in Preußen auch Hinterlader ein. Ebenso führte die Erfindung der Eisenbahn auch zu ersten Eisenbahngeschützen.
- Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand nach der Erfindung des rauchschwachen Pulvers und des Rohrrücklaufes 1897 das Schnellfeuergeschütz.
- Im ersten Weltkrieg wurden als Infanteriebegleitwaffe der Granatwerfer und Minenwerfer entwickelt, die im Verhältnis zum Kaliber leicht waren und eine geringe Reichweite hatten.
- Nach Entwicklung des Kraftfahrzeuges werden Geschütze zunächst durch Kraftwagen gezogen und später sehr mobil und z. T. gepanzert auf Panzern oder Selbstfahrlafetten angebracht.
Mystik
Seit der Erfindung des Schießpulvers hatten Geschütze auch immer etwas mystisches. Aus dieser Zeit sind einige Sinnsprüche überliefert, die in das Hinterstück der damaligen Geschütze eingegossen wurden. Ähnlich wie bei der Feldschlange wurde dem einzelnen Geschütz eine mythische Bedeutung zugeordnet:
- Scharpff Hierss
- Ich bin genannt der scharpffe Hierß
- Wo ich zu einem Schloß ein Pierß
- Stoß ich nyder mit meym gehürn
- Pollwerck mawer prustwer vnd thuern
- Ercker vnd Zynnen fell ich nyder
- Kum ich dreyen malen wyder
- So wird das schloß von mir erschellt
- Das es über den pergk ab fellt.
- Scharpffe Metz
- Ich bin ein scharpffe Metzs genant
- Wo ich wirdt in ein S(t)att gesant
- Do thu ich übern Graben tantzen
- Durch rinckmawr zwinger vnd schantzen
- Durch kirche häuser keller kuche
- Gewelb stuben kammer thu ich suche
- Vnd was mich irrt am wyderprallen
- Das küssz ich so das es mueß fallen.
Die Tradition der Namensgebung für besondere Geschütze der Artillerie lässt sich bis ins 20. Jahrhundert verfolgen. Populär waren dabei immer wieder weibliche Vornamen. Im ersten Weltkrieg belegte man den 42 cm-Mörser der Firma Krupp mit dem Namen Dicke Bertha. Ein weniger bekanntes Beispiel sind die beiden Kanonen Silvia und Lucrezia der Festung Crestawald in der Schweiz aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg.
