Gloria

Dieser Artikel beschreibt den religiösen Begriff der Gloria. für den gleichnamigen Film von Sidney Lumet, siehe Gloria (Film).


Gloria (lat. "Ruhm, Glanz, Herrlichkeit") ist ein häufiges Wort in der Bibel und in der Liturgie der Kirche (meist als Übersetzung für hebr. "kabod" und gr. "doxa"). Die Glorie ist dort ein Attribut Gottes, der sie besitzt, von dem sie ausgeht und dem sie gebührt.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

In der Geschichte von der Geburt Jesu (Lukas 2) wird erzählt, dass die Engel, nachdem sie den Hirten auf dem Feld die Nachricht vom neugeborenen Messiaskind ausgerichtet haben, gemeinsam Gott verherrlichen mit den Worten (lat./dt.): Gloria in excelsis Deo, et in terra pax hominibus bonae voluntatis - Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.

Textentwicklung

Dieser Engelshymnus entstand im Orient, wo er allerdings nicht in den Meßritus aufgenommen wurde. Die ältese Form in lateinischer Sprache ist in dem Antiphonar von Bangor aus dem 7. Jahrhundert überliefert und entspricht im wesentlichen der im griechischen Codex Alexandrinus enthaltenen Form. In der damaligen Fassung enthält das Gloria geringe Abweichungen vom heute verwendeten Text, so wurde der Heilige Geist unmittelbar nach der Textstelle Domine Fili unigenite, Iesu Christe genannt und nicht am Schluss. Die heutige Form wurde spätestens im 9. Jahrhundert verwendet. Möglicherweise stammt die Fassung von dem Heiligen Hilarius von Poitiers, wie im Mittelalter gelegentlich angegeben.

Das Gloria in der Liturgie

In der frühen Christenheit war das Gloria zunächst nicht fester Bestandteil der Heiligen Messe. Der Hymnus war Teil nur bestimmter Liturgien, wie der Bischofsmesse – Bischöfe wurden aufgrund ihrer Weihen den Engeln ähnlicher gesehen und durften deshalb den Engelsgesang singen. Sie wendeten sich dazu dem Volk zu, nach dem Hymnus wieder dem Altar. Daneben wurde das Gloria von einfachen Priestern an Ostern gesungen und bei der Besitzergreifung ihrer Kirche. Nach dem Liber Pontificalis sei das Gloria von Papst Telesphorus als fester Bestandteil in die Messe eingefügt worden. Dies erscheint eine sehr frühe Datierung zu sein; dennoch kann man daraus schließen, dass es spätestens um 530, als das Liber Pontificalis entstand, bereits fester Bestandteil der Römischen Liturgie war. Nach dem Liber Pontificalis sei der Gebrauch des Gloria für Sonntage und Martyrerfeste von Papst Symmachus Anfang des 6. Jahrhunderts zugelassen worden. Allerdings fragen nach Überlieferung des Abts Berno von Reichenau Priester noch im 11. Jahrhundert, warum sie lediglich zu Weihnachten das Gloria singen dürfen. Spätestens zu Ende dieses Jahrhunderts dürfte jedoch das Gloria als fester Bestandteil des Messordnung in jener Form etabliert worden sein, die später von Papst Pius V. festgeschrieben wurde.

Das Gloria gehört darum zum "Ordinarium" (den immer gleich bleibenden Texten) der Messe und ist von Komponisten aller Epochen vertont worden.

Gloria (lateinisch)

Gloria in excelsis Deo et in terra pax hominibus bonae voluntatis. Laudamus te, benedicimus te, adoramus te, glorificamus te, gratias agimus tibi propter magnam gloriam tuam, Domine Deus, Rex caelestis Deus Pater omnipotens, Domine Fili unigenite, Iesu Christe, Domine Deus, Agnus Dei, Filius Patris, qui tollis peccata mundi, miserere nobis; qui tollis peccata mundi, suscipe deprecationem nostram. Qui sedes ad dexteram Patris, miserere nobis. Quoniam tu solus Sanctus, tu solus Dominus, tu solus Altissimus, Iesu Christe, cum Sancto Spiritu: in gloria Dei Patris. Amen.

Gloria (deutsch)

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade. Wir loben dich, wir preisen dich, wir beten dich an, wir rühmen dich und danken dir, denn groß ist deine Herrlichkeit: Herr und Gott, König des Himmels, Gott und Vater, Herrscher über das All, Herr, eingeborener Sohn, Jesus Christus. Herr und Gott, Lamm Gottes, Sohn des Vaters, du nimmst hinweg die Sünde der Welt: erbarme dich unser; du nimmst hinweg die Sünde der Welt: nimm an unser Gebet; du sitzest zur Rechten des Vaters: erbarme dich unser. Denn du allein bist der Heilige, du allein der Herr, du allein der Höchste, Jesus Christus, mit dem Heiligen Geist, zur Ehre Gottes des Vaters. Amen.

Gloria Patri

Mit demselben Wort beginnt die so genannte Kleine oder Trinitarische Doxologie, die aus dem 4. Jahrhundert stammt und im Stundengebet jeden Psalm und jedes Canticum abschließt (lat./dt.):
Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto, sicut erat in principio et nunc et semper et in saecula saeculorum, amen.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.
Auch sie ist im Rahmen von Magnificat- und Psalm-Kompositionen (s. Vesper) häufig vertont worden.


See also: Gloria, Abt, Antiphonar, Bangor (Nordirland), Berno von Reichenau, Bibel, Canticum, Doxologie, Engel, Gloria (Film)