Glosse
Die Glosse (von griechisch γλόσσα - die Zunge, Sprache über lateinisch glossa - das schwierige, erklärungsbedürftige Wort) ist die Erklärung eines Begriffes. Oft wird eine Glosse von Hand am Rand eines Textes oder Buches geschrieben. Glosse nennt man auch eine (in Zeitungen oft kritische) Randbemerkung bzw. Marginalie; daher leitet sich auch die heutige Bedeutung als Kurzkommentar (= Randglosse) in der Presse ab.
Eine Glosse bedeutet heute meist, auch im wörtlichen Sinne, ein mit spitzer Feder geschriebener, also ein ironischer, boshafter, sarkastischer und kritischer Kurzkommentar zu einem aktuellen Anlass oder kulturellen Ereignis in einer Zeitung oder Zeitschrift.
Glossen im Manuskriptzeitalter
Glossen entstanden während der gesamten Zeit des Mittelalters. Im engeren Sinne handelt es sich bei Glossen um Worterklärungen, die zwischen den Zeilen (interlinear) oder am Rand (marginal) von lateinischen Manuskripten notiert sein können. In Glossen findet man frühe Belege für die althochdeutsche Sprache, aber auch zum Beispiel für das Altirische; die weitaus meisten Glossen sind aber lateinisch.
Volkssprachige Glossen wurden zum Teil auch von Klosterlehrern mittels ihres Griffels blind ins Pergament geritzt (Griffelglossen), wohl weil diese Erklärungsmaterial für die "Vorlesung" bei der Hand haben wollten, ohne daß der Unkundige das den Büchern ansehen konnte. Diese Glossen wurden in der Forschung lange Zeit übersehen.
Ein alphabetisches Glossar ist dem Summarium Heinrici, einer Art Enzyklopädie des frühen Mittelalters, angefügt.
Siehe auch:
- Glossar, Glossator, Gemara, Glosse (Gedichtform)
- mittelalterlichen Glossen-Handschriften: Abrogans, Kasseler Gespräche
Literatur
- Glosse, in: Meyers Konversationslexikon, 4.Aufl. 1888/89, Bd.7, S.442.
- Ursula Winter: Glossen, Glossare, Vokabulare, in: Peter Jörg Becker und Eef Overgaauw (Hgg.): Aderlass und Seelentrost. Die Überlieferung deutscher Texte im Spiegel Berliner Handschriften und Inkunabeln, Mainz 2003, S.32-38.
