Golem
Golem (גולם) ist das hebräische Wort für "Ungeformtes", aber auch für "Embryo" (s. Psalm 139, 16). Die rabbinische Tradition bezeichnet alles unfertige als Golem. Auch eine Frau, die noch kein Kind empfangen hat, wird als Golem bezeichnet (zB in TB Sanh. 22b)
Der Golem ist auch ein Geschöpf in einer jüdischen Legende, die in Böhmen, aber auch anderswo in Mitteleuropa verbreitet war.
In der Prager Variante erzählt die Legende, wie der berühmte Philosoph, Talmudist und Kabbalist Rabbi Judah Löw (1525-1609) in Prag mit zwei Synagogendienern den Golem aus Lehm erschaffen hat, um den Juden zu helfen, sich von dem Vorwurf des rituellen Kindermordes zu befreien.
Die Legende geht in ihrer Urform vermutlich auf mittelalterliche Wormser Texte zurück. Worms soll die Geburtsstadt Rabbi Löws sein.
In der Legende wurde der Golem durch kabbalistische Rituale mit Hilfe des Sefer Jezirah zum Leben erweckt. Dem Golem musste ein Zettel mit dem Schem, dem Namen Gottes, unter der Zunge liegen. Dieser Zettel verlieh ihm Leben und musste an jedem Sabbat (der Tag an dem nach jüdischem Glauben nicht gearbeitet werden darf) entfernt werden. Als der Rabbi Löw einmal vergessen hatte, ihm den Zettel aus dem Mund zu nehmen, konnte er ihn kurz vor Sabbatbeginn gerade noch entfernen, worauf der Golem in Stücke zerfiel.
Ein Lehmhaufen auf dem Dachboden der Altneusynagoge, die während des 2. Weltkrieges nicht gelitten hat, in Prag sollen seine Überreste sein.
Auch dem Rabbi Baal Schem Tov und dem Rabbi Davidl Jaffe wird die Erschaffung des Golems zugeschrieben. Rabbi Jaffe soll den Golem allerdings als Ersatz für den Sabbatgoij verwendet haben, also für einen nicht-Juden, der die nötige Arbeit für Juden am Sabbat verrichtet.
Rezeptionsgeschichte
Bei Ludwig Klages bezeichnet Golem den Triumph der "Larve", des "letzten Menschen", den vom "Geist als Widersacher des Lebens" beherrschten "nachgeschichtliche" Mensch im Moment seines Unterganges. (vgl. Klages: Vom Kosmogenischen Eros)
Gustav Meyrink veröffentlichte 1915 den sehr erfolgreichen Roman Der Golem, der als Klassiker der phantastischen Literatur gilt.
Unter der Regie von Paul Wegener entstanden drei Stummfilme, die sich mit dem Golem befassen: Der Golem (1914), Der Golem und die Tänzerin (1917) und Der Golem, wie er in die Welt kam (1920), besonders letzterer gilt als ein Höhepunkt des expressionistischen Films.
Der Golem ist heute Teil der Prager Folklore, und touristische Golem-Souvenirs werden allenthalben angeboten.
In Fantasy-Rollenspielen wurde das Konzept des klassischen Golems aus Lehm auch auf zahlreiche weitere Materialien ausgedehnt; so gibt es unter anderem Steingolems, Goldgolems, Seilgolems, Feuergolems, Eisgolems und Holzgolems. Analog zur Legende sind die Golems der Fantasy künstlich erschaffene Gestalten, die von einem intelligenten Wesen kontrolliert werden. Im Gegensatz zu Elementarwesen besitzen Golems keinen eigenen Willen. Im Computerspiel Diablo 2 ist einem Spielcharakter möglich, einen Ton-, Eisen-, Blut- oder Feuergolem zu erschaffen.
Literatur
- Gustav Meyrink: Der Golem, Ullstein, ISBN 3548201407
- Michael Chabon: Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier und Clay
Weblinks
- Die historischen Wurzeln - Ursprung und Entstehung der Golem-Sage
- ausführliche Rezension zu Gustav Meyrinks Der Golem
