Gonfaloniere

Der Gonfaloniere (it. gonfalone = Banner) war ein äußerst einflussreiches Amt in italienischen Gemeinden des Mittelalters und der Renaissance, insbesondere in Florenz.

In Florenz war der Gonfaloniere das höchste Mitglied der Signoria. Die Signoria (Regierung) von Florenz bestand im engsten Kreis aus neun Mitgliedern, den sogenannten Prioren. Drei von diesen stammten aus den unteren Zünften (Mittelschicht), fünf aus den oberen Zünften (Oberschicht). Der neunte und letzte Prior war der Gonfaloniere della Giustizia. Alle Prioren wurden nicht auf demokratische Art und Weise gewählt, sondern durch ein kompliziertes Losverfahren ausgelost.

Als Gonfalone di Giustizia ist er der der "Bannerträger der Gerechtigkeit" und somit de jure Staatschef der Republik. Als temporärer Standarten-Träger der Republik Florenz ist er auch Wächter des Stadtbanners, welches am Querbalken eines Kruzifixes hing und bei Prozessionen mitgetragen wurde. Von den anderen acht Mitgliedern der Signoria unterschied er sich durch seinen purpurfarbenen Mantel, der mit Hermelin besetzt und goldenen Kreuzen bestickt war.

Zudem hatte jeder Stadtbezirk in Florenz (rioni) seinen eigenen priore, der für die signoria zur Wahl stand, und seinen eigenen gonfaloniere di compagnia, der aus den ersten Familien jedes Viertels ausgewählt wurde.

Auch andere Gemeinden in Mittel- und Norditalien, von Spoleto bis Piemont, wählten gonfalonieri.

Ein Porträt von Artemisia Gentileschi (1622) zeigt Pietro Gentile als Gonfaloniere von Bologna, das Banner im Hintergrund. Zu dieser Zeit war die Ernennung zum Gonfaloniere nur noch eine Formalität. [1]

Siehe auch: Geschichte von Florenz

See also: Gonfaloniere, 1622, Artemisia Gentileschi, Banner, Bologna, De jure, Gemeinde, Geschichte von Florenz, Hermelin, Italien