Gottesnamen im Judentum

Die Gottesnamen im Judentum sind für gläubige Juden mehr als bloße Bezeichnungen. Sie repräsentieren die jüdische Konzeption der Natur Gottes und dessen Beziehung zum jüdischen Volk. Aus Ehrfurcht vor der Heiligkeit der Namen Gottes und um besonderen Respekt zu zeigen, hält der Sofer, der handschriftliche Kopien heiliger Texte anfertigt, stets einen Moment inne, bevor er einen Namen abschreibt. Mit Umschreibungen sollen die wahren Namen Gottes verhüllt werden. Die verschiedenen Gottesnamen repräsentieren Gott selbst, aber auch die ihm zugeschriebenen Aspekte.

Die zahlreichen Namen Gottes waren Gegenstand von Auseinandersetzungen unter Bibelgelehrten - einige führen sie als Indiz dafür an, dass die Tora eine Vielzahl von Autoren hatte, während andere erklären, dass verschiedene Aspekte Gottes auch verschiedene Namen hätten, deren Verwendung davon abhinge, welche Rolle Gott im Kontext der Schriftstelle spiele und welche spezifische Eigenschaft betont würde.

Namen Gottes

Das Tetragrammaton

thumb|Das Tetragrammaton auf einer Darstellung von 1612 Hauptartikel: JHWH

Der wichtigste Gottesname im Judentum ist das so genannte Tetragrammaton. Es taucht zum ersten Mal im Bereschit auf und wird in der Regel mit "der Herr" übersetzt. Da gläubige Juden es lange Zeit als blasphemisch betrachtet haben, den Namen auszusprechen, ist die korrekte Aussprache in Vergessenheit geraten — die hebräischen Originaltexte bestehen lediglich aus Konsonanten. Moderne Gelehrte gehen aber davon aus, dass er "Jachwe" ausgesprochen wurde.

Die hebräische Buchstabenfolge ist Jod-He-Waw-Heh (יהוה), man beachte, das die Schreibrichtung im Hebräischen von rechts nach links läuft. Dieser Name findet sich schon in den in paläo-hebräischen Schriftzeichen verfassten ältesten aramäischen Schriften, und es wird vermutet, dass es schon zu jener Zeit beim Vorlesen als Adonai ("mein Herr") gelesen wurde.

In der jüdischen Tradition ist JHWH auch das Imperfekt der 3. Person Singular des Verbs "sein" und bedeutet daher "Gott ist", "Gott wird sein" oder auch "Gott lebt". Diese Erklärung stimmt mit der Schriftstelle aus Schemot (bzw. Exodus 3,14) überein, in der Gott als in der 1. Person Sprechender auftritt: "Ich bin". Die Bedeutung wäre also etwa: "der, der aus sich selbst existiert" oder konkreter "der, der lebt" (das abstrakte Konzept des bloßen Seins ist dem klassischen hebräischen Denken fremd). Die Vorstellung, das Gott durch sich selbst existiert als der Schöpfer, der nicht selbst geschaffen worden ist, erwächst aus dem hebräischen Konzept des Monotheismus, deshalb auch: Ich bin, der ich bin.

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