Göttin

Dieser Artikel befasst sich mit den weiblichen Gottheiten, für weitere Bedeutungen, siehe Göttin (Begriffsklärung).


Eine Göttin ist eine weibliche Gottheit. Der Begriff ist nicht wegzudenken in Religionen, die dem Glauben an viele Götter (Polytheismus) huldigen. Als übernatürliches Wesen kann eine Göttin positiv wie negativ in die Geschicke einzelner oder aller Menschen Einfluss nehmen. Durch ihre Verehrung wollen die Gläubigen über die Angerufene Schaden oder Unheil abwenden oder auf einen bestimmten Erfolg hinwirken.

In Religionen des Monotheismus (wie Judentum, Christentum, Islam) ist die Existenz einer Göttin undenkbar. So regelt beispielsweise im Christentum das erste der Zehn Gebote: „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben.” (Bibel, 2. Mose 20). Wobei allerdings die Vorstellung von Gott als Mann ebenfalls eine anthropomorphe Vorstellung ist. Korrekt wäre es, sich gemäß dem ersten Gebot Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen,... überhaupt kein Bild von Gott – weder weiblich noch männlich – zu machen.

In den Mythologien der Völker finden sich eine Vielzahl von Göttinnen, die im jeweiligen polytheistischen Kontext unterschiedliche Aspekte des Lebens und des Geistes repräsentieren. Die Gestalt der Göttin findet sich in allen Kulturen und in vielen Kulturen war das Göttliche ursprünglich weiblich. Auch bei den Sumerern waren die ältesten Gottheiten weiblich und diese weibliche Dominanz reicht bis in die Vorgeschichte zurück, da ein Großteil der gefundenen Skulpturen weiblich sind und männliche Skulpturen eher die Ausnahme sind. Viele Zeugnisse der frühen Göttinnen deuten darauf hin, dass es in den Anfängen der menschlichen Kultur einen Kultus der großen Göttin oder großen Mutter gab, der weltweit in unterschiedlichen Formen ausgeübt wurde und in einigen Kulturen, z.B. in Indien, immer noch lebt. Diese Erscheinung ist vielleicht darauf zurückzuführen, dass es sich bei der Göttin um einen Archetyp handelt.

Die alten Göttinnen stehen oft in Zusammenhang mit Weltschöpfungsmythen, denn das weibliche Prinzip wird mit der Geburt, also der Geburt des Kosmos, assoziiert. Jedoch erscheint die Figur der Göttin in vielen Mythen auch als Gestalt, die dem geläufigen Bild des Weiblichen nicht zu entsprechen scheint. So wird sie auch in Zusammenhang gebracht mit Krieg, Jagd, Herrschaftsgewalt, Macht, vollkommenem Geist und autonomer Sexualität. Darüber hinausgehend wird sie in vielen Mythen auch mit dem Prinzip des Todes assoziiert, da das Leben gebende Weibliche, welches den Kosmos gebiert, das Leben auch wieder nimmt. In dieser Rolle als Lebens- und Todesgöttin wird das göttlich Weibliche in vielen Kulturen auch mit dem Schicksal in Verbindung gebracht. Durch die gegensätzlichen Attribute, die der Göttin zugeschrieben werden, erscheint sie auch als Verkörperung der Vereinigung der komplementären Gegensätze wie Schöpfung/Zerstörung, Leben/Tod, Liebe/Hass, Gut/Böse, Geist/Materie, Licht/Dunkel.

Göttinnen sind im allgemeinen Bewusstsein der Bevölkerung hauptsächlich aus der Götterwelt der Griechen und Römer bekannt. Doch gibt es weibliche Gottheiten auch in anderen Religionen oder Mythologien, etwa dem Glauben im Reich ägyptischer Pharaonen oder in frühen orientalischen Gebieten in Kleinasien (Phrygien, Kappadokien). Kelten und Germanen, Slawen (siehe auch Kalinka), Sumerer und Inder, Azteken, Mayas und Inkas glaubten gleichfalls an Göttinnen.

Nachdem durch Kaiser Theodosius I. das Christentum Staatsreligion im Römischen Reich geworden war, war die Verehrung heidnischer Götter ab 392 verboten. Mit der Missionstätigkeit der Kirche (Christianisierung) verbreitete sich der christliche Glaube an einen Gott in Europa und in anderen Teilen der Welt

Nach der Revolution in Frankreich wurde auf Betreiben Robespierres in den Jahren 1793 und 1794 mit großem Gepränge versucht, die herkömmliche Religion durch den Kult einer allegorischen Göttin der Vernunft zu ersetzen. Bei den ersten Feierlichkeiten verkörperte eine Schauspielerin diese Göttin in der Pariser Kathedrale Notre-Dame. Mit dem Ende der Herrschaft der Jakobiner wurde dieser Staatskult wieder abgeschafft.

Im indischen Shaktismus wird die Göttin als über die männlichen Gottheiten dominierend angesehen.

Siehe auch: Liste von Göttinnen

Weblink

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See also: Göttin, 1793, 1794, 392, Allegorie, Anthropomorphismus, Archetyp (Psychologie), Azteken, Christentum, Christianisierung