Gregor I. (Papst)
Der Heilige Gregor I., genannt der Große (* um 540 in Rom; † 12. März 604 in Rom) war von 590 bis 604 Papst der römisch-katholischen Kirche. Er gilt als einer der bedeutendsten Päpste überhaupt und ist der jüngste der vier großen lateinischen Kirchenlehrer der Spätantike. thumb|Gregor I. beim Diktieren der Gregorianischen Gesänge (aus einem Antiphonar, um 1000)
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Leben
Gregor entstammte einer alten römischen Patrizier-Familie, den Aniciern. Zu seinen Vorfahren zählt Papst Felix III. († 530). Gregors Vater Gordianus war hoher Beamter der Stadt Rom, und auch Gregor ging zunächst einer weltlichen Karriere als Politiker nach. Nach einer kurzen Amtszeit als Praefectus urbi der Stadt Rom entschied er sich 575 jedoch für ein Leben als Mönch - vielleicht nicht zuletzt aufgrund fehlender Perspektiven für eine weitere Karriere in kaiserlichen Diensten. Die elterliche Villa auf dem Monte Celio wandelte er in ein Benediktinerkloster um. Sein Vorgänger als Papst, Pelagius II., holte ihn 579 in den Kirchendienst und sandte ihn als Apokrisiar nach Konstantinopel, wo er sechs Jahre lang blieb. Nach seiner Rückkehr wurde Gregor Berater Pelagius' II. und am 3. September 590 selbst zum Papst gewählt.
Gregor war nie auf Konflikt mit dem oströmischen Kaiser Maurikios aus, riskierte aber dessen Ungnade, als er 593 den Abzug der Langobarden aushandelte und auf ihre Forderung nach einem jährlichen Tribut von 500 Goldpfunden einging. Um den Titel "ökumenischer Patriarch" kam es zu Auseinandersetzungen mit Konstantinopel und nicht zuletzt dem dortigen Patriarchen Kyriakos. Gregor war der von Innozenz I. aufgestellte Anspruch der Vormacht Roms in der Gesamtkirche bewußt. Historisch bedeutend wurde seine Entscheidung, Missionare nach England zu entsenden. In Folge dessen trat der englische König Æthelberht zum katholischen Glauben über. Damit wurde der Grundstein für ein neues gesamtabendländisches Kirchenbewußtsein gelegt, mit dem römischen Papsttum an der Spitze.
Als "Mönchspapst" nannte sich Gregor "Knecht der Knechte Gottes", was bis heute Bestandteil der päpstlichen Selbsttitulatur blieb. Die Armenfürsorge wurde ein wichtiges Element seines Pontifikats. Die Getreidevorsorgung der damals wohl noch immer etwa 100.000 Einwohner zählenden Stadt Rom, die eigentlich dem Kaiser oblag, war mangelhaft, weshalb die riesigen Länderrein der Kirche in Süditalien und Sizilien neu organisierte und bewirtschaften ließ. Zu Anfang jeden Monats fand eine allgemeine Verteilung von Lebensmitteln statt. Ebenso mahnte Gregor die anderen Bischöfe, dass der Darbende nur dann für die Predigt empfänglich sei, wenn ihm zuvor eine "helfende Hand" gereicht wurde. Almosen betrachtete er als Gott dargebrachtes Opfer, das letztlich Gnade im Gottesgericht erwirkt.
Gregor schrieb den Begriff "Papst" als ausschließliche Amtsbezeichnung für den Bischof von Rom gesetzlich fest.
Nachwirken
[[Bild:Antonello da Messina 010.jpg|thumb|210px|Gregor I. (Idealporträt von Antonello da Messina, um 1472/1473)]] Durch seine zahlreichen Schriften erlangte Gregor über Jahrhunderte in der katholischen Kirche an Bedeutung. Sein erstes Werk, einen 35-bändigen Kommentar zum Buch Hiob mit dem Titel "Moralia", welches er bereits in Konstantinopel begann, wurde das prägende Moralhandbuch des Mittelalters. In den Anfangsjahren seines Pontifikats schrieb er die vierbändige Heiligenlegende "Dialogi", in denen er das Leben der großen Asketen Italiens beschreibt. Im Mittelpunkt steht dabei der Heilige Benedikt von Nursia, weshalb Gregor lange Zeit als "Benediktinerpapst" galt. Das Werk wurde auch im griechischen Osten viel gelesen, weshalb Gregor von der Orthodoxen Kirche unter dem Namen "Gregorios ho Dialogos" verehrt wird.
Obwohl weder das gregorianische Sakramentar noch der gregorianische Choral seine Schöpfungen sind, wurde ihm im Mittelalter deren Urheberschaft zugesprochen, um ihnen zusätzliche Autorität zu geben. Dem katholischen Messbuch gab Gregor in der Liturgie seine noch heute gültige Form.
Gedenktage
- kath. Gedenktag: 3. September (der Tag seiner Wahl zum Papst 590)
- kath. gebotener Gedenktag: 12. März (Tag der Bestattung 604)
- evangelischer Gedenktag: 12. März (Tag der Bestattung 604)
- anglikanischer Gedenktag: 3. September (der Tag seiner Wahl zum Papst 590)
- orthodoxer Gedenktag: 12. März (Tag der Bestattung 604)
Die Heiligsprechung erfolgte 1295 durch Papst Bonifatius VIII. Seine Attribute sind die Tiara, Buch, Taube, Arme bedienend. Er ist Patron des kirchlichen Schulwesens, der Bergwerke; des Chor- und Choralgesanges; der Gelehrten, Lehrer, Schüler, Studenten, Sänger, Musiker, Maurer, Knopfmacher; gegen Gicht und Pest.
Literatur
- Arnold Angenendt: Das Frühmittelalter. Die abendländische Christenheit von 400 bis 900, Stuttgart ³2001, S. 239-243. ISBN 3170172255
- Karlheinz Deschner: Das Frühmittelalter, in: Kriminalgeschichte des Christentums, Hamburg 1994, S. 155-220. ISBN 3499603446
- Hartmut Leppin: Die Kirchenväter und ihre Zeit, München 2000. ISBN 3406447414
Siehe auch
Weblinks
- Eintrag im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon (BBKL)
- Ökumenisches Heiligenlexikon
- Eintrag in Catholic Encyclopedia (englisch) (Catholic Encyclopedia)
| Vorgänger Pelagius II. | Liste der Päpste Gregor | Nachfolger Sabinianus |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gregor I. |
| ALTERNATIVNAMEN | Gregor der Große |
| KURZBESCHREIBUNG | Papst und Kirchenlehrer |
| GEBURTSDATUM | 540 |
| GEBURTSORT | Rom |
| STERBEDATUM | 12. März 604 |
| STERBEORT | Rom |
