Gründungsstadt

Eine Gründungsstadt ist eine Stadt, deren Entstehung auf einen konkreten Gründungsakt zurückgeht. Die Ansicht, dass eine Stadt aus einer kleinen Siedlung langsam herangewachsen ist, ist hier in den meisten Fällen falsch.

Wellen von Stadtgründungen gab es in vielen Epochen, zum Beispiel

Im Folgenden sollen die mittelalterlichen Stadtgründungen in Mitteleuropa näher betrachtet werden.

Gründungsstädte des Mittelalters

Bis etwa 1100 gab es in Mitteleuropa, also dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches nur wenige Städte, die entweder auf römische Stadtgründungen zurückgingen, oder aus größeren Haufendörfern gewachsene Städte, beispielsweise Soest und einige gegründete Handelsplätze wie Haithabu/Schleswig.

Kurz darauf setzte eine Welle von Stadtgründungen ein, in der der weitaus überwiegende Anteil der heute vorhandenen Städte entstanden ist. Ausgangspunkt war die Gründung der Stadt Freiburg im Breisgau im Jahr 1118 durch Herzog Berthold III. von Zähringen, der ihr 1120 das Marktrecht sowie ein Stadtrecht mit weitgehender Selbstverwaltung zusprach. Das Stadtgebiet wurde zur Gründung mit einem geregelten Straßennetz versehen und in einzelne Grundstücke parzelliert. Zur Gestaltung des Stadtgrundrisses gibt es neue Hypothesen, die weiter unten vorgestellt werden.

Durch den Erfolg der Gründungsstadt Freiburg motiviert gründeten die Zähringer Herzöge viele weitere Städte in ihrem Territorium wie Rottweil, Villingen oder Bern. Rottweil und Villingen entstanden als Verlagerung des alten Siedlungsplatzes um nur einige 100m. Die Gründe der Verlagerung sind nicht geklärt. Andere Herrscher folgten diesem Beispiel und die Gründungswelle dehnte sich über das gesamte Reich aus.

Eigenschaften dieser Städte waren:

Manche heute als Einheit erscheinende mittelalterliche Städte gingen auf verschiedene separate Gründungen in nächster Nähe zurück, wie die Prager Altstadt, Kleinseite und die Neustadt. Diese Siedlungen hatten separate Verwaltung und eine eigene Infrastruktur, wie beispielsweise eine eigene Pfarrkirche.

Mit der deutschen Ostsiedlung im Mittelalter ging die Welle der Stadtgründung weit über die damalige Ostgrenze des Reiches hinaus.

Der Gründungsboom endete in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts mit den Pestwellen und dem damit einhergehenden Bevölkerungsrückgang.

In der Folgezeit sind nur noch sehr wenige Städte in Mitteleuropa neu gegründet worden.

Mittelalterliche Stadtplanung

Genaue Vermessungen der Grundrisse mittelalterlicher Stadtpläne führten zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass deren Straßenzüge, Stadtmauern, sowie Positionen von Toren, Türmen und Brunnen durch geometrische Konstruktionen mit Lineal und Zirkel zu bestimmen sind.

Dies führte zu der These, dass Stadtgrundrisse exakt ausgemessen worden sind, bevor mit der Bebauung des Areals begonnen wurde. Diese These wiederum widerspräche einer bisher glaubhaft begründeten These von Prof. Günther Binding, nachdem es vor 1450 (?) keinerlei schriftliche Bauplanung gegeben habe (Lit.: Binding), da die aufwendige "Konstruktion" einer Gründungsstadt wie z.B. Esslingen oder Speyer eine schriftliche Fixierung der Konstruktion voraussetzt.

Auch bisher nicht untersucht ist die Motivation der Stadtgründer und -planer, eine Stadt nicht entsprechend der römischen Tradition zu bauen, sondern geometrische Konstruktionen aus Kreisbögen, Dreiecken und verschiedenen Achsen zu verwenden.

Literatur

See also: Gründungsstadt, 1100, 1118, 1120, 14. Jahrhundert, Augsburg, Barock, Bern, Berthold III. von Zähringen