Grenzschutzgruppe 9

Die GSG 9 (Grenzschutzgruppe 9) ist die Antiterroreinheit der deutschen Bundespolizei (früher Bundesgrenzschutz) mit Standort in Sankt Augustin-Hangelar. Im Rahmen der Umbenennung des Bundesgrenzschutzes in Bundespolizei wird die GSG 9 ihren Namen beibehalten.

Heute zählt die GSG 9 zu den besten Antiterroreinheiten der Welt. Anders als die Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei, die für ähnliche Aufgaben gebildet wurden und den einzelnen Bundesländern unterstehen, ist die GSG 9 eine Einheit des Bundes und wird wie auch das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr im Ausland eingesetzt.

Als Antiterrortruppe gegründet, wird die GSG 9 heute vornehmlich im Bereich der Schwerstkriminalität eingesetzt, der für Beamte im Streifendienst oft zu gefährlich wäre. Angaben der Bundespolizei zufolge absolvierte die GSG 9 im Jahr 2000, so wörtlich, "26 erfolgreiche Einsatzmaßnahmen". Dazu zählt die Bundespolizei sowohl die der GSG 9 originär zugedachten Einsatzaufgaben als auch Einsätze, bei denen die GSG 9 andere Sicherheitsbehörden unterstützt hat. Seit ihrer Aufstellung, so weitere Bundespolizeiangaben, hat die GSG 9 mittlerweile mehr als 1.000 Einsätze wahrgenommen.

Inhaltsverzeichnis

Auslöser Olympische Spiele 1972

Die GSG 9 wurde nach dem Olympia-Attentat bei den Olympischen Spielen in München (Anschlag am 5. September 1972) am 26. September 1972 gegründet. Während der Spiele nahm ein palästinensisches Terrorkommando israelische Sportler als Geiseln. Beim misslungenen Zugriff am Flugplatz Fürstenfeldbruck starben alle neun Geiseln und fünf der acht Terroristen. Ulrich Wegener wurde daraufhin von Innenminister Hans-Dietrich Genscher mit Aufstellung einer schlagkräftigen Antiterroreinheit beauftragt.

Einstellungsvoraussetzungen und Motivation

GSG-9-Anwärter können ausgebildete Polizeivollzugsbeamte in der Bundespolizei oder der Länderpolizeien sein. Sie werden einem harten Auswahlverfahren unterzogen. Als erstes gibt es ein dreitägiges Auswahltraining, bei dem Leistungsfähigkeit, Konzentration, Ausdauer, Motorik und der Umgang mit der Waffe getestet werden. In der Regel bestehen 5-10% der Bewerber und haben dann eine viermonatige Grundausbildung vor sich. Im Anschluss daran folgt eine speziellere Schulung, deren Inhalte sich nach der geplanten taktischen Verwendung des jeweiligen Beamten richtet. Erfolgreiche Absolventen der Ausbildung werden eingesetzt in den folgenden Einsatzeinheiten:

  1. Präzisionsschützen,
  2. Kampfschwimmer,
  3. Fallschirmspringer bzw. luftbewegliche Einsatzeinheit

Einsätze werden von allen Einheiten durchgeführt. Das PS Schießen, Tauchen und Fallschirmspringen sind nur "Zusatzqualifikationen", falls spezielle Einsatzlagen es erfordern.

Die Polizeivollzugsbeamten der GSG 9 sind zum Schweigen verpflichtet. Die Dienstpläne sind geheim.

Die Erschwerniszulage für Polizeibeamte der GSG 9 beträgt laut Deutscher Polizeigewerkschaft nur Euro 225 monatlich (2002). Die Motivation von Polizeibeamten, dieser Sondereinheit anzugehören dürfte daher nicht im finanziellen, sondern im ideellen Bereich (nämlich dem Eliteverband der Polizei anzugehören) liegen. Außerdem werden nahezu 100% der Erschwerniszulage für zusätzliche Versicherungen bzw. erhöhte Versicherungsprämien benötigt (Quelle: SEK Sprecher über alle deutschen Sondereinheiten).

Struktur (1980)

Die Antiterroreinheit gliederte sich 1989 nach offenen Quellen folgendermaßen in:

Gesamtstärke: 177 Mann; ohne Zivilbeschäftigte

Quelle: Militärwesen, Berlin (Ost) 1980, Heft 1, Seite 17

Einsatzeinheiten

Ausbildungseinheit

Unterstützungseinheiten

Vorbereitung und Durchführung von Einsätzen (Stand 1980)

Vorbereitung der Einsatzkräfte

Einsatzablauf

Einsatzordnung

Auswahl bekannter Einsätze

Vermisste Beamte im Irak

Seit dem 10. April 2004 wurden zwei GSG-9-Beamte im Irak vermisst. Die beiden Sicherheitsleute sind Objekt- und Personenschützer an der deutschen Botschaft in Bagdad.

Nach ARD-Informationen wurden die Männer in einem Fahrzeugkonvoi vom jordanischen Amman nach Bagdad überfallen. Der Überfall soll sich in der Nähe Falludschas ereignet haben. Die beiden vermissten Deutschen sind tot.

Sprecher der irakischen Rebellen entschuldigen sich für diesen "Unfall", insbesondere bei den Angehörigen der Beamten. Man sei von einem Konvoi mit einer US-Spezialeinheit ausgegangen. Weiter sagt einer der Sprecher, dass eine deutsche Flagge auf dem Auto einen Angriff verhindert hätte, denn die Deutschen wären keine Feinde im Irak.

In einem Untersuchungsbericht der Bundesregierung wurde außerdem festgestellt, dass die deutschen Beamten bei Überfahren der lokalen Grenze von entgegenkommenden Fahrzeugen gewarnt worden seien. Aus diesem Grund wurde Falludscha umfahren und eine Ausweichroute genommen, auf der es dann zu dem Angriff kam.

Am 1. Mai 2004, mehr als drei Wochen nach dem Überfall, ist die Leiche eines der beiden vermissten Beamten gefunden und identifiziert worden.

Siehe auch

Mit der GSG 9 vergleichbare Spezialkommandos sind die SEKs und MEKs der deutschen Länderpolizeien sowie das KSK der Bundeswehr.

In der DDR gab es als vergleichbare Einheit die 9. (VP-) Kompanie der Kasernierten Einheiten des Ministeriums des Innern in Potsdam/Eiche (Kaserne der 3. und 20. VP-Bereitschaft). In Bezirksbehörden der DVP /BDVP gab es kleinere Antiterroreinheiten vergleichbar den SEKs aus Angehörigen der Dienstzweige der Volkspolizei. Das Ministerium für Staatssicherheit unterhielt ein Bataillon als Antiterroreinheit/Spezialaufklärungseinheit mit fünf dezentralen Einheiten über das Territorium verteilt.

Auswärtige Trainingsgelegenheiten

Die GSG 9 übt auch im befreundeten Ausland, aufgrund dort teilweise geeigneterer Trainingsmöglichkeiten.

Literatur

Filme

Weblinks

See also: Grenzschutzgruppe 9, 1. Mai, 10. April, 18. Oktober, 1972, 1977, 1993, 2000, 2002