Guillaume de Machaut

Guillaume de Machaut (auch Machault, * zwischen 1300 und 1305; † 13. April 1377 in Reims) war ein französischer Komponist und Dichter des Mittelalters.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Schaffen

Das genaue Geburtsdatum und Geburtsort Machauts sind nicht sicher bekannt. Geboren wurde Guillaume zwischen 1300 und 1302, gestorben ist er 1377. Vermutlich stammt er aus der Champagne aus der Gegend von Reims, vielleicht aus dem Ardennendorf Machau(l)t. Ab etwa 1323 steht Machaut als Sekretär des Herzogs Johann von Luxemburg, der gleichzeitig König von Böhmen, Mähren und Schlesien ist. In dieser Funktion reist er zu Pferde im Gefolge seines Herrn durch Europa. 1337 wird er Kanonikus in Reims, wo er sich 1340 niederlässt. Nachdem Johann in der Schlacht von Crécy 1346 gegen die Engländer den Tod findet, tritt Machaut zunächst in den Dienst von dessen Tochter Bonne von Luxemburg. Als auch diese 1349 stirbt, verkehrt er im Umkreis verschiedener Personen des Hochadels, darunter der spätere König Karl der Weise und dessen Bruder, dem Herzog Johann von Berry.

Machaut gilt als bedeutendster Komponist der Ars nova. Wegen der komplizierten Harmonik, Isoperiodik und Isorhythmik, sowie der Loslösung vom Cantus Firmus im Tenor und der Aufwertung der Cantilena in seinem Werk wird er als "Avantgardist" des 14. Jahrhunderts angesehen. Seine Messe von 1365 gilt als die erste vollständige vierstimmige Vertonung der Ordinariumteile, die noch bis in die Zeit der Ecole de Notre-Dame (Perotin, Leonin) gregorianisch gesungen wurden. Die Neuartigkeit der Kompositionstechnik war der Kirche ein Dorn im Auge. In einer Bulle von 1325 kritisierte Papst Johann XXII. den neuen Stil und verlangte unter Androhungen von Kirchenstrafen die Wiederherstellung des einstimmigen Gesanges, was wohl auf der damaligen Tonmystik beruht, in der die Einstimmigkeit die Einheit und gleichzeitige Vielheit Gottes symbolisierte. Dem Papst zufolge sollten als Intervalle in der Musik ausschließlich die Oktave (Symbol für die Vollendung und Seligkeit aller Heiligen in Gott), Quarte (Klage über irdische Unvollkommenheit, das Unfertige) und die Quinte als reinster Intervall Verwendung finden.

Das Hauptwerk Guillaume de Machauts bilden jedoch die weltlichen Kompositionen: Virelais, Rondeaus sowie Chansons balladées, wie Machaut die Ballade bevorzugt nannte. Das Neue an der Liedstruktur ist die Aufgabe des Cantus firmus, das heißt bis zu seinem Wirken war der Tenor als tiefste Stimme der Melodieträger. Machaut weist nun jedoch der Cantilena, der Oberstimme, die Melodie zu, während Tenor (Mittelstimme) und Contratenor begleitende Funktion haben. Die Cantilena ist auch im Gegensatz zum Cantus Firmus frei erfunden. Das bedeutet erstmals die Freiheit aller Stimmen in einem kontrapunktischen Satz, wobei, wie wir es heute gewohnt sind, die Oberstimme die bedeutenste Funktion, die der Melodie, inne hat. Die Freiheit der Melodiefindung ermöglichte Machaut auch eine optimale musikalische Gestaltung seiner Liebeslyrik. Die Musik verleiht dem Text eine außergewöhnliche Individualität, sie unterstützt die Aussagen und ist in ihrer Struktur eng an die Verse des Textes gebunden.

Machauts Werk - Dichtung wie Kompositionen - müssen im Kontext der damaligen Feudalgesellschaft betrachtet werden. Die Rezipienten seines Werkes waren die Fürstenhöfe. Daher steht in seinem Schaffen das "delectare" eindeutig im Vordergrund, was er auch zwischen 1360 und 1370 in seiner Schrift "Prologue" rückblickend bemerkt. Machaut versuchte mit seiner höfischen "musica reservata", die seine Dichtkunst durch die Musik mit einschließt, an die Zeiten der Troubadoure und Trouvères anzuknüpfen. Dieses wird auch deutlich in seiner Dichtung, in der die Liebe zum weiblichen Geschlecht im Vordergrund steht. Im Gegensatz zu früherer Liebeslyrik wird jedoch bei Machaut der dauerhafte Zustand der Liebe zu einer Frau (vgl. "Prologue": amour et ses enfants - douce penser, plaisance, espérance), sowie eine konkrete Liebesvereinigung angestrebt. Das Bestreben, einen dauerhaften Zustand der Liebe herbeizuführen, setzte sich bis zum Ende des französischen Absolutismus' fort: Bis zum Ende des Rokoko waren die Mitglieder des Hofes stets auf der Suche nach dem Zustand des Verliebtseins, was sich in den "jeux d'amour" manifestierte.

Die Frau gilt dem Manne als Vorbild, nur sie kann ihn Tugendhaftigkeit und Ehrenhaftigkeit lehren. Erst die Frau und die Liebe zu ihr kann den Mann zu einem vollwertigen Mitglied der höfischen Gesellschaft machen. Machaut erörtert diesen Vorgang des Lernens in "Remède de fortune". Hier zeigt sich, dass das neuplatonische Weltbild durch die damals sehr bedeutende arabische Aristotelesrezeption abgelöst wurde. Der Mensch lernt durch Mimesis, durch Nachahmung. Machaut spricht in "remède de fortune" vom Manne als einer "tabula rasa", die erst beschriftet werden muss. Hier erkennt man bereits die Grundzüge des modernen Behaviorismus.

In der Romanistik wird Machauts spätmittelalterliche Dichtung der gleiche hohe Rang wie seiner Musik beigemessen. Machaut war bereits zu Lebzeiten eine wichtige Person und ein großer Meister seines Faches. Sein berühmtester Schüler ist Eustache Deschamps. Aber auch das literarische Schaffen der Christine de Pizan steht unter den poetischen Einflüssen Machauts.

Machauts Versroman Le jugement dou Roy de Navarre stellt ein Dokument des Antijudaismus im Mittelalterdar. Die Handlung des Romans spielt in Nordfrankreich während der Pest der Jahre 1349/1350. Durch himmlische Mächte wird den Menschen enthüllt, dass die Epidemie Folge von Brunnenvergiftungen durch die Juden sei. Daraufhin werden dann alle Juden und viele Christen, die von den Juden bezahlt worden seien, in einem Massaker ermordet.

Werke

Literatur

Siehe auch: Liste französischer Schriftsteller

Weblinks

Personendaten
Guillaume de Machaut
französischer Komponist, Chronist und Dichter des Mittelalters
zwischen 1300 und 1305
13. April 1377
Reims

Guillaume de Machaut Guillaume de Machaut Guillaume de Machaut Guillaume de Machaut Guillaume de Machaut Guillaume de Machaut Guillaume de Machaut Guillaume de Machaut Guillaume de Machaut Guillaume de Machaut

See also: Guillaume de Machaut, 13. April, 1300, 1305, 1323, 1337, 1340, 1346, 1349