Günter Deckert

Günter Deckert (* 9. April 1940 in Heidelberg) ist ein rechtsextremer Politiker. Er zählt zu der Gruppe der Geschichtsrevisionisten, die hartnäckig den Holocaust leugnen (siehe auch Holocaustleugnung). Nach Auffassung des Bundesamts für Verfassungsschutz zählt Deckert zu den „aggressivsten unter den deutschen Revisionisten“.

Seit 1968 bis 1982 war Deckert Oberstudienrat für Englisch und Französisch am Mannheimer Tulla-Gymnasium. Im Anschluß unterrichtete er am Hasenleiter-Gymnasium in Heidelberg sowie am Carl-Benz-Gymnasium in Ladenburg bis er am 9. November 1988 aus dem Schuldienst entlassen wurde.

Derzeit ist Deckert als Inhaber und Geschäftsführer des Reiseunternehmens Germania sowie als Reiseleiter für Türmer-Kulturreisen tätig.

Bereits 1966 trat Deckert in die NPD ein, ab 1968 war er Kreisvorsitzender Mannheim-Land, ab 1969 Vorsitzender in Mannheim, wo er auch als Kandidat zur Bundestagswahl antrat. Als Gründungsmitglied der Jungen Nationaldemokraten (JN) wurde er 1972 deren Landesvorsitzender für Baden-Württemberg. Im gleichen Jahr war er NPD-Bundestags-Kandidat für Sinsheim und NPD-Bundesvorstandsmitglied. 1975 wurde er auf Vorschlag der JN stellvertretender NPD-Bundesvorsitzender. Seit 1975 war er NPD-Gemeinderatsmitglied in Weinheim, 1976 war er hier auch Landtagskandidat. Von 1978-1982 war er NPD-Vorsitzender für den Rhein-Neckar-Kreis.

1979 wurde er Mitglied des Komitees "Für die Wiedereinführung der Todesstrafe". Von 1981 bis 1991 war er Organisator des "Kurpfälzer Treffens".

1981 verfasste er die Broschüre Ausländer Stop - Handbuch gegen Überfremdung.

1982 trat Deckert offiziell aus der NPD aus, um die drohende Entlassung aus dem Schuldienst zu vermeiden. Er gründete daraufhin die "Deutsche Liste", für die er 1984 im Weinheimer Stadtparlament sitzt.

1986 wird die Partei "Die Deutschen" (DD) gegründet, deren Parteivorsitz er übernimmt.

Er verfasst 1987 die Broschüre "Die Asylantenfrage gestern und heute". Im Jahr 1988 wird er nach drei Dienstverfahren aufgrund seiner rechtsextremistischen Aktivitäten entgültig aus dem Schuldienst entlassen.

1989 ist er NPD-Spitzenkandidat bei der Kreistagswahl im Rhein-Neckar-Kreis. Aber erst 1991 tritt er offiziell wieder in die NPD ein und wird deren Kreisvorsitzender des Rhein-Neckar-Kreises. Seit dem 8.6.1991 ist er NPD-Bundesvorsitzender.

Am 10. November 1991 führt er in Weinheim eine "Revisionisten"-Tagung mit Fred Leuchter durch, in welcher er als Übersetzer fungiert und Leuchters Thesen zustimmend kommentiert, insbesondere dessen Leugnung des Massenmords an Juden in den Gaskammern der Konzentrationslager.

1992 wird er daraufhin wegen Volksverhetzung, Aufstachelung zum Rassenhaß, Verleumdung und Beleidigung der Opfer des Holocaust zu einem Jahr auf Bewährung und 10 000 DM Geldstrafe ( "Auschwitzlüge") vor dem Landgericht Mannheim am 13. November 1992. verurteilt. Sowohl Deckert wie auch die Staatsanwaltschaft legen gegen das Urteil Revision ein.

Im Jahr 1994 tritt Deckert für die NPD als Europakandidat an. Im gleichen Jahr kandidiert er für das Bürgermeisteramt in Schopfheim.

Am 15. März 1994 hebt der Bundesgerichtshof das Urteil des Landgerichts Mannheim vom 13. November 1992 auf, da er zu dem Ergebnis gelangt, daß das Landgericht den Sachverhalt unzureichend gewürdigt hat. Insbesondere sei der Anklagevorwurf der Volksverhetzung ( 130 StGB ), so das Gericht, nicht ausreichend bewiesen. Zugleich betont der Bundesgerichtshof seine bisherige Rechtsprechung, wonach der Massenmord an Juden, begangen in Gaskammern von Konzentrationslagern des Dritten Reiches, als geschichtliche Tatsache offenkundig ist und eine Beweiserhebung daher überflüssig sei.

Seither wurde Deckert wiederholt wegen Volksverhetzung und anderer Delikte verurteilt und saß diverse Gefängnisstrafen ab. Zuletzt wurde er im Oktober 2000 aus der Haft entlassen.

Am 8. August 2001 gab die neugegründete "Bürgerinititaive Ausländerstopp" bekannt, dass Deckert für sie als Kandidat für das Amt des Nürnberger Oberbürgermeisters antreten werde. Nach den Erkenntnissen lokaler Zeitungen verbirgt sich hinter dieser Wählergruppe die lokale NPD.

Günter Deckert ist Gründungsmitglied der Deutsch-Europäischen Studiengesellschaft (DESG).

Das "Deckert-Urteil"

Eines der aufsehenerregendsten Urteile, ergangen wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenhass war das sog. „Deckert-Urteil“ des Mannheimer Landgerichts aus dem Jahr 1994. In diesem Urteil, das Deckert mit einer nach Auffassung des Bundesgerichtshofs zu milden Strafe belegte, schrieb der Richter am Landgericht Dr. Rainer Orlet als Berichterstatter in einer großen Strafkammer über den Angeklagten, er sei eine „charakterstarke, verantwortungsbewußte Persönlichkeit mit klaren Grundsätzen. (...)“ In der Urteilsbegründung heißt es weiter: „... seine politische Überzeugung, die ihm Herzenssache ist, verficht er mit großem Engagement und erheblichem Aufwand an Zeit und Energie.“

Nach Auffassung des Bundesamts für Verfassungsschutz zählt Deckert zu den "aggressivsten unter den deutschen Revisionisten". Derzeit ist Deckert als Geschäftsführer eines Reiseunternehmens tätig.


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Personendaten
Deckert, Günter
rechtsextremer Politiker
9. April 1940
Heidelberg

See also: Günter Deckert, 10. November, 1940, 1988, 1991, 1994, 2001, 8. August, 9. April