Gynäogamie

Unter Gynäogamie oder Frauenehe versteht man eine legitime Ehe zwischen Frauen.

Gynäogamie ist nur für einige wenige afrikanische und zentralamerikanische Gesellschaften bekannt. Dort heiratet eine kinderlos gebliebene Frau eine andere Frau. Diese nimmt ihr gegenüber - mit Ausnahme der Sexualität - die Rolle des Ehemannes ein. Als Sexualpartner fungiert ein beliebiger Mann, der in rechtlicher Hinsicht unbedeutend bleibt.

Ob Gynäogamie (und Androgamie) als Eheform bezeichnet werden kann oder nicht, hängt davon ab, wie der Begriff "Ehe" definiert wird.

Charles Fourier und andere Autoren, die sich mit "freier" Liebe befassten, bezeichneten auch homoerotische Beziehungen zwischen Frauen als gynäogam.

Beispiele für Gynäogame Eheformen

Nuer (Afrika)

Bei den afrikanischen Nuern funktionert die gynäogame Ehe folgendermaßen:

Eine unfruchtbare Frau gilt in mancher Hinsicht als Mann. Sie heiratet eine andere Frau und erfüllt die Rolle eines Ehemannes. Sie gilt als Vater der Kinder aus dieser Ehe. Die Kinder entstammen aus sexuellen Verbindungen der Ehefrau mit einem von den beiden betroffenen Frauen als geeignet angesehenen männlichen Verwandten des "Ehemannes", einem Freund oder einem Nachbarn.

Wenn das Kind zur Welt kommt, erhält der Genitor ein Rind (das so genannte Zeugungsrind). Er hilft bei Aufgaben im Haushalt, die nicht von Frauen durchgeführt werden können.

Eine gynäogame Ehe wird bei den Nuern als legale Ehe angesehen. Es werden die gleichen Hochzeitsriten durchgeführt sowie eine Brautgabe in Form von Rindern entrichtet, wie es auch bei heterosexuellen Eheschließungen der Fall ist.

Die Frau gilt als legaler Ehemann und Vater. Ihre Kinder erhalten ihren Namen. Ihre Gattin(nen) und Kinder erweisen ihr den gleichen Respekt, wie er einem männlichen Ehemann/Vater geschuldet wird. Wenn die Ehefrau außereheliche Beziehungen ohne Zustimmung der als "Ehemann" fungierenden Frau eingeht, gilt das als Ehebruch und der "Ehemann" hat das Recht, eine Entschädigung einzufordern.

Wenn die Töchter aus einer solchen Verbindung heiraten, erhält die als Ehemann fungierende Frau die dem Brautvater zustehenden Rinder als Brautgabe.

Dahomey

Bei den Dahomey hat eine Frau, die bereits mit einem Mann verheiratet ist, die Möglichkeit, eine Frau zu heiraten.

Sie zahlt für eine Braut die geforderte Brautgabe und wird damit zu einem "weiblichen Ehemann". Bis auf die sexuelle Funktion erfüllt sie alle Pflichten, die mit der Rolle des Ehemannes einhergehen. Als "weiblicher Ehemann" gründet sie eine eigene Familie, indem sie ihre Ehefrau(en) mit ausgewählten Männern schlafen lässt. Diese Männer sind rechtlich gesehen bedeutungslos. Die aus diesen sexuellen Verbindungen entstehenden Kinder werden dem "weiblichen Ehemann" (der auch die Vaterrolle übernimmt) und nicht dem Genitor zugerechnet.

See also: Gynäogamie, Androgamie, Brautgabe, Charles Fourier, Ehe, Eheform, Genitor, Hochzeit, Homoerotik, Nuer