Hashimoto-Thyreoiditis
Bei der Hashimoto-Thyreoiditis (Autoimmunthyreopathie Typ 1A und 2A) handelt es sich um eine chronische Entzündung der Schilddrüse. Sie gehört zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen. Bei dieser Form der Erkrankungen bildet der Körper Abwehrstoffe gegen eigene Zellen und zerstört diese. Die Krankheit ist nicht heilbar. Auch ist diese Erkrankung unter dem Namen Autoimmunthyreoiditis bekannt.
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Allgemein
Hashimoto-Thyreoiditis geht mit einer Unterfunktion der Schilddrüse einher. Anfänglich können aber auch Symptome der Überfunktion im Vordergrund stehen. Diese werden im Verlauf durch die dann bleibenden chronischen Symptome der Unterfunktion abgewechselt.
Die Krankheit verläuft in der Regel ohne Schmerzen und wird häufig zunächst wie eine Unterfunktion (Hypothyreose) (manchmal anfangs auch Überfunktion (Hyperthyreose)) der Schilddrüse behandelt, da sich einige der Symptome gleichen bzw. ähneln.
Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis lassen sich im Blut zwei bestimmte Antikörper nachweisen: TAK (Antikörper gegen Thyreoglobulin) und TPO-AK (Antikörper gegen ein bestimmtes Enzym, die sog. Peroxidase). Dabei ist die Konzentration von TPO-AK im Blut größer als die von TAK.
Tritt die Krankheit in Kombination mit Morbus Addison auf, so spricht man von einem Schmidt-Syndrom.
Frauen sind häufiger von der Krankheit betroffen als Männer.
Symptome
Zu den Symptomen können gehören, ähnlich denen der Unterfunktion:
- starke Müdigkeit, Motivationslosigkeit und Depressionen
- Herz- und Pulsrasen, Herzrhythmusstörungen, hoher Blutdruck
- Verdauungsstörungen
- Sodbrennen
- starke Kälte in den Beinen und Händen, Ödeme
- Muskelschmerzen, Muskelschwäche
- Schmerzen in Armen oder Beinen
- trockene, rissige Haut
- brüchige Haare und Fingernägel
- starke Gewichtszunahme
- Erhöhung der Blutfettwerte
- Zyklusstörungen bei der Frau, unerfüllter Kinderwunsch
- Auftreten weiterer Autoimmunerkrankungen wie Autoimmunhepatitis oder Vitiligo
- Angstzustände und Panikattacken
- Selbstentfremdung
- Phobien
- Schwindel
Symptome, die evtl. am Anfang der Erkrankung auftreten können und die denen einer Überfunktion ähneln:
Nervosität, Reizbarkeit, Rastlosigkeit, Zittern der Hände, Schlafstörungen, Schwitzen, feuchtwarme Haut, Heißhunger und Durst, Gewichtsverlust trotz gutem Appetit, weicher Stuhlgang, Störungen im Menstruationszyklus (unregelmäßige oder verstärkte Blutungen, Ausbleiben der Regelblutung)
Erkennung
Wie wird festgestellt, ob Hashimoto-Thyreoditis vorliegt:
Mittels eines Bluttests und Bestimmung der folgenden Werte kann festgestellt werden, ob Hashimoto-Thyreoditis vorliegt: TSH (Hormon der Hypophyse), fT3 (freies Hormon der Schilddrüse, wird aus T4 erstellt), fT4 (freies Hormon der Schilddrüse = L-Thyroxin), TPO-AK (Antikörper) bzw. TG-AK (Antikörper). Sehr wichtig zur Diagnosestellung ist darüber hinaus das Bild der Schilddrüse im Ultraschall (Sonogramm), das typischerweise inhomogen und echoarm ist und damit auf den laufenden Entzündungsprozess hinweist. Auch die Größe der Schilddrüse kann im Sonogramm beurteilt werden. Besonders auffällig sind dabei Größen über 20 ml Gesamtvolumen (echte Hashimoto-Thyreoiditis). Kleine Schilddrüsen mit einer Größe unter 10 ml sind typisch für ein verwandtes Krankheitsbild, die atrophische oder Ord-Thyreoiditis. Hierzulande ist diese so genannte atrophische Verlaufsform mit schrumpfender Schilddrüse häufiger als die hypertrophe Form mit Kropfbildung (Struma), wie beim Morbus Basedow.
Behandlung
Die Behandlung der Hashimoto-Thyreoiditis beschränkt sich im wesentlichen auf die Zufuhr von Schilddrüsenhormonen, die der Körper aufgrund der chronischen Entzündung der Schilddrüse nicht mehr selber in ausreichendem Maße oder gar nicht herstellen kann. Durch regelmäßig zu wiederholende Untersuchungen wird die Dosierung ständig neu angepasst und verändert.
Zu den am häufigsten verschriebenen Hormonen zählt das Thyroxin. Jod hingegen sollte bei einer Hashimoto-Thyreoiditis nicht eingenommen werden, da Jodüberschuss die Entzündung der Schilddrüse nur zusätzlich fördern könnte.
Bei der Hashimoto-Thyreoditis wird mit täglichen Gaben von L-Thyroxin (T4 = Schilddrüsenhormon) mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück "substituiert". Nur in selteneren Fällen kann auch eine Hormonmischung (T3 und T4) noch bessere Ergebnisse erzielen. Die Blutwerte TSH, fT3 und fT4 sollten regelmäßig überprüft werden, zusätzlich sollte die Schilddrüse in regelmäßigen Abständen (alle 6-12 Monate) durch eine Sonographie auf ihrer Struktur hin geprüft werden. Die erfolgreiche Einstellung dauert meist mehrere Monate.
Ursachen
Als Auslöser für die Hashimoto-Thyreoiditis gelten neben einer familiären Vorbelastung auch Streß, Viruserkrankungen, wie Pfeiffersches Drüsenfieber oder eine Gürtelrose, und eine übermäßige Jodzufuhr. Häufig liegt die Ursache in einem Zusammenspiel gleich mehrerer der genannten Faktoren.
Mögliche Ursache für Hashimoto-Thyreoditis:
Auslösung der Hashimoto-Thyreoiditis durch Jodierung? Diese Krankheit wird nach dem japanischen Arzt Hashimoto benannt, der sie zu Beginn des letzten Jahrhunderts als Erster beschrieb. Es ist kein Zufall, daß sie in Japan, dem Land mit dem weltweit höchsten natürlichen Jodvorkommen, erkannt worden ist. Dort ist sie bis jetzt auch am häufigsten aufgetreten, weil sie, genau wie Morbus Basedow, auch durch Jodexzess (z.B. Meeresalgen) ausgelöst wird. In Deutschland war diese Krankheit den Ärzten häufig nicht bekannt. Seit etwa Mitte der neunziger Jahre, seitdem in Deutschland Lebens- und Futtermittel jodiert werden, hat sich das geändert. Die jodhaltigere Nahrung ließ in Deutschland die Kröpfe zurückgehen, so dass die Konsistenzvermehrung der Hashimoto-Schilddrüse viel eher auffällt und immer häufiger ins Blickfeld gerät. Das ist die oft falsch interpretierte "Kehrseite der besseren Jodversorgung". Auch rückte eine Hausärztegeneration nach, die sich für kompliziertere endokrinologische Sachverhalte stärker interessiert als ihre altgedienten Kollegen. Hinzu kommt die Absenkung des oberen Normwerts für das TSH von 4 oder 4,5 auf 2,5 mU/l aufgrund neuerer amerikanischer Studien. Somit kommt es über das heutzutage häufiger durchgeführte hausärztliche Screening viel öfter als früher zum Erkennen einer Hashimoto-Thyreoiditis bei der dann im Weiteren durchgeführten Abklärung. Im Jahre 2000 betrug in Deutschland die tägliche Jodzufuhr beim Erwachsenen ca. 112-126 Mikrogramm. 1996 waren es noch ca. 58-85 und 1975 nur 30-70 Mikrogramm. Der Jod-Tagesbedarf wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung mit 200 Mikrogramm angegeben (entspricht der täglichen Jodzufuhr in der kropffreien Südsee). Ein bei Hashimoto-Thyreoiditis zu vermeidender Jodüberschuss kann also nicht durch die hiesige normale Ernährung entstehen. Das dauerhafte Vermeiden von Lebensmitteln mit Jodsalz, z.B. in der Familie einer an Hashimoto-Thyreoiditis erkrankten Mutter, führt hingegen in einem hohen Prozentsatz (25-40%) zu Kröpfen, ferner zu Zysten und Knoten in der Schilddrüse und später zu oft lange Zeit unerkannten Autonomien mit Überfunktion, die in Vorhofflimmern, irreversiblen Herzschwächen und Schlaganfällen durch Embolie durch Thromben aus den flimmernden Vorhöfen münden können.
Weitere Informationen
Literatur
- Mary Shomon: Die gesunde Schilddrüse, Was Sie unbedingt wissen sollten über Gewichtsprobleme, Depressionen, Haarausfall und andere Beschwerden im Zusammenhang mit Hashimoto Thyreoiditis. (Originaltitel: Living well with Hypothyroidism), Goldmann Verlag, 2002, ISBN 3442163889
- Leveke Brakebusch, Armin Heufelder: Leben mit Hashimoto Thyreoiditis. Ein Ratgeber. 1. Auflage 2004, Zuckerschwerdt Verlag, ISBN 3886038378
- Literaturtips zum Thema Jod, Jodierung:
Weblinks
Speziell zur Hashimoto-Thyreoiditis:
- http://www.hashimoto-thyreoiditis.de.vu - Gelungene Zusammenfassung
- http://www.hashimotothyreoiditis.de/ - Sehr umfangreiche Informationen
- http://www.hashimoto-selbsthilfe.de/ - Interessante Internetumfrage
- http://www.das-wartezimmer.de/ - Lesenswert sind die Arzt-/Patientenseminare
- http://www.8ung.at/schilddruese-augsburg - Seite einer Betroffenen, die selbst an Hashimoto und diversen anderen Stoffwechelkrankheiten erkrankt ist. Diese Seite befaßt sich mit Hashimoto genauso ausführlich wie mit anderen Sd-Erkrankungen
Schilddrüsenerkrankungen allgemein:
- http://www.schild-druese.de/ - SD-Erkrankungen bei Kindern
- http://www.sd-guide.de.vu - Info's zu alternativen Therapien
- http://www.schilddruesenpraxis.de/ - Prof. Dr. Hotze
- http://www.die-schilddrueseshg-stade.de.vu/
- http://thyroid.about.com/ - englischsprachig
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