Heimarmene

Die Heimarmene (griechisch heimarmene: zugeteiltes Los; zu heimartai: es ist (durch das Schicksal) bestimmt; lateinisch fatum: Schicksal) – eigentlich: das unausweichliche Verhängnis; in der antiken griechischen Philosophie: Schicksal – bezeichnet seit Heraklit einen Ausdruck für eine Gesetzmäßigkeit im Kosmos. In der Stoa seit Zenon wird Heimarmene als unentrinnbares Schicksal aufgefaßt. Dies bestritt Epikur mit dem Hinweis, daß dann jede Selbstverantwortung und alle ethische Norm hinfällig sei.

Die Schicksalidee der Stoiker, die bei Chrysippos Götter und Menschen als gleich ohnmächtig gegen das Schicksal erscheinen läßt, modifizierte Karneades, der aus der Heimarmene eine Kauslitätsvorstellung in den Grenzen der Gesetze des Werdens und Naturgeschehens entwickelte, wobei er das menschliche Tun als willensfrei verstand.

Eine "Brechung" der Heimarmene verhießen auf anderem Wege die Erlösungsreligionen. Juden und Christen, aber auch die Mithrasanhänger wußten sich frei vom Fatum vermöge ihres Glaubens. Somit ist die "Heimarmene" ein markantes Beispiel dafür, daß zunächst rein philosophische Begriffe nachhaltige Resonanz in breiten Schichten fanden, die ihrerseits die Vorstellungen von der Heimarmene weiterentwickelten.

See also: Heimarmene, Chrysippos von Soli, Epikur, Griechische Sprache, Heraklit, Karneades, Latein, Mithras, Stoa, Zenon von Kition