Heimat

Heimat steht geographisch für den Ort - die Stadt, das Land oder die Gegend -, an dem man heimisch ist, gerne lebt und mit dem man sich verbunden fühlt. Schon Cicero stellte fest: Patria est, ubicumque est bene (lat.) = "Wo immer es gut ist, dort ist meine Heimat", ein Zitat, das auch verkürzt bekannt ist: Ubi bene, ibi patria.

Die andere, nicht-verortete, nicht-geographische Variante, hat Bernhard Schlink in einem bemerkenswerten Essay ins Gespräch gebracht: Heimat als Utopie. So betrachtet, ist Heimat ein Nicht-Ort, ein Gefühl, eine Hoffnung, eine Sehnsucht, zu erleben vor allem in der Fremde, im Exil.

Psychologisch ist Heimat ein rein subjektives Empfinden, unabhängig von reellen Grenzen. Sie besteht aus individuellen Empfindungen zu Ort, Gesellschaft und persönlicher Entwicklung des Einzelnen. Ihr Verlust oder die Angst davor wird als Heimweh empfunden.

Heimat ist das Land, in dem man sich mit seiner Lebensweise und Weltanschauung wiederfindet. Das Gegenteil von Heimat ist die Fremde oder das Exil. In diesen beiden Begriffen wird die unterschiedliche Abgrenzung von Heimat deutlich, dass für den, der seine Heimat verlassen hat, Heimat mit "Vaterland" gleichbedeutend werden kann. Damit ein Land zur Heimat wird, muss man jedoch nicht dort geboren sein (Wahlheimat).

Heimat lässt sich schlecht in andere Sprachen mit der selben Bedeutung wie im Deutschen übersetzen. Ins Englische lässt es sich am ehesten mit homeland, native land übersetzen, ins Französische mit lieu d'origine, pays natal oder einfach mon pays.

In Deutschland spielt der Heimatbegriff eine große, wenngleich heute umstrittene Rolle durch das Erbe der Romantik und ihrer Nachfolgebewegungen. Dazu gehört auch die völkische Bewegung und deren problematische Rolle in der Weimarer Republik, in der die Heimatpflege und Heimatschutzbewegung eine der Strömungen war, die von der NSDAP aufgegriffen und in ihren Dienst gestellt wurde.

Die Geschichte der Heimat untersucht die Heimatgeschichte, das Brauchtum pflegt der Heimatverein. Der Heimatschutz hingegen war und ist in Landesvereinen wie z.B. im Landesverein Sächsischer Heimatschutz oder im Bayerischen Landesverein für Heimatpflege organisiert. - Immer wieder gab es in der Vergangenheit historische Situationen, vor allem in Grenzregionen des Sprachraums, in denen zur Heimatverteidigung aufgerufen wurde.

In der Literatur existiert das allerdings unscharf abgegrenzte Genre des Heimatromans bzw. der Heimatdichtung (vgl. Heimatschriftsteller).
In den 50er und 60er Jahren wurden auch viele so genannte Heimatfilme produziert, die man oft der Trivialunterhaltung zurechnen muss. Gleichwohl gilt das nicht für das gesamte Genre, insbesondere nicht für den neuen Heimatfilm der 70er Jahre bis in die Gegenwart.

Siehe auch:

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See also: Heimat, Bayerischer Landesverein für Heimatpflege, Bernhard Schlink, Brauchtum, Cicero, Essay, Exil, Fremde