Heinrich der Löwe
Heinrich der Löwe (* 1129; † 6. August 1195 in Braunschweig), aus dem Geschlecht der Welfen, war Herzog von Sachsen (1142-1180) und Bayern (1156-1180).
thumb|Heinrich der Löwe thumb|Heinrich der Löwe und seine Gemahlin Mathilde, Deckplatte ihres Grabmales im sog. Braunschweiger Dom
| Inhaltsverzeichnis |
Leben
Familiäre Einbindung
Heinrichs Vater war Heinrich der Stolze, von 1126 bis 1138 als Heinrich X. Herzog von Bayern und von 1137 bis zu seinem plötzlichen Tod im Alter von nicht einmal 32 Jahren 1139 auch Herzog von Sachsen sowie Herzog von Tuszien. Seine Mutter war Gertrud von Süpplingenburg, die Erbtochter Kaiser Lothars III.
1147 heiratete er Clementia von Zähringen, wodurch er badische Gebiete um die Burg Badenweiler erwarb. Ihre gemeinsame Tochter Gertrud heiratete später Knut IV. von Dänemark. 1162 trennte er sich von Clementia, vermutlich auf Druck von Kaiser Friedrich I. (Barbarossa), der ihm die Burgen Herzberg und Scharzfeld am Harz sowie den Königshof Pöhlde im Tausch gegen Badenweiler anbot. Heinrich nahm an, um seine sächsischen Stammlande, vor allem im Dauerkonflikt mit dem Askanier Albrecht dem Bären und dessen Söhnen, zu sichern.
Am 1. Februar 1168 heiratete Heinrich im Dom zu Minden erneut, diesmal die erst zwölfjährige Tochter Mathilde des englischen Königs Heinrich II. und der Eleonore von Aquitanien, und Schwester von Richard Löwenherz. Damit begründete er die engen Beziehungen zwischen dem Haus der Welfen und England.
Bis 1176
[[Bild:Braunschweiger Loewe mit Dom im Hintergrund.JPG|thumb|left|250px|Der ]] Nachdem er im Rahmen Konrad III. Ausgleichspolitik 1142 das seinem Vater von Konrad III. 1139 entzogene Herzogtum Sachsen von Albrecht dem Bären zurück erhalten hatte, betrieb Heinrich intensiv die Ostkolonisation und verleibte ehemals wendische und andere slawische Gebiete dem Herzogtum Sachsen ein. 1147 zwang er die Fürsten von Vorpommern, seine Lehensherrschaft anzuerkennen. 1160 eroberte er Mecklenburg. 1164 wurde er Lehnsherr über Hinterpommern. Friedrich Barbarossa gab Heinrich 1156 auch das Herzogtum Bayern zurück, das Konrad III. 1138 seinem Vater entzogen hatte. Damit war Heinrich der mächtigste Territorialfürst im Deutschen Reiche. Seine Expansionspolitik wurde auch an den Stadtgründungen sichtbar. So gründete er 1154 Ratzeburg, 1158 München, 1159 Lübeck sowie 1160 Schwerin.
Als Zeichen seines Machtanspruches baute er Braunschweig zu seiner Residenzstadt (Hof) um und ließ dort um 1166 den Braunschweiger Löwen und die Burg Dankwarderode errichten. Auch war sein Einfluss auf die Literatur seiner Zeit immens, z.B.: Evangeliar Heinrichs des Löwen, Der deutsche Lucidarius, Eilhart von Oberg.
Heinrich unternahm 1172 eine Pilgerreise in das heilige Land. Von dieser Reise soll er - so eine Legende - einen Löwen als Geschenk des oströmischen Kaisers in Byzanz mitgebracht haben. 1173 ließ er den Bau des Braunschweiger Domes beginnen.
1176 bis 1195
Heinrichs Machtanspruch trieb ihn schließlich in einen Konflikt mit seinem Vetter Kaiser Friedrich I. Diesem verweigerte er 1176 auf dem 5. Italienzug vor Legnano militärische Unterstützung ohne entsprechende Gegenleistungen (Heinrich verlangte die reiche Stadt Goslar). Auf diesen Treuebruch reagierte der Kaiser mit Heinrichs Ächtung. Der Kaiser zog Heinrichs Lehen ein, die Herzogtümer wurden aufgeteilt. Das Herzogtum Bayern ging an die Wittelsbacher; mit dem Herzogtum Sachsen wurde der Sohn Albrechts des Bären, Bernhard, belehnt. 1180 begann der Reichskrieg gegen Sachsen. 1181 wurde Lübeck vom Reichsheer erobert und Braunschweig belagert. Große Teile Sachsens wurden verwüstet. Im gleichen Jahr unterwarf sich Heinrich dem Kaiser auf dem Reichstag von Erfurt. Gleichwohl sprach der Kaiser 1182 die Verbannung aus. Heinrich begab sich ins Exil zu seinem Schwiegervater in der Normandie. 1185 kam Heinrich vorzeitig nach Braunschweig zurück und wurde 1188 zum zweiten Mal verbannt. 1189 starb Heinrichs Frau Mathilde.
Als Kaiser Friedrich 1189 wieder auf Kreuzzug ging, kehrte Heinrich nach Sachsen zurück. Mit einem großen Heer belagerte er die damals reiche Stadt Bardowick an der Ilmenau. Nach der Eroberung schleifte er die Mauern und brandschatzte und beraubte die Stadt. Nur die Kirchen blieben stehen.
1194 bezog der Welfe nach einer Versöhnung mit Heinrich VI. wieder seine Güter um Braunschweig.
Kinder
thumb|200px|Ausschnitt aus dem Stammbaum Heinrichs
- Erste Ehe: Heinrich heiratete 1147 zunächst Clementia von Zähringen.
- Gertrud († 1196) - verheiratet mit Friedrich IV. von Rothenburg, Herzog von Schwaben
- Heinrich, Richenza († beide als Kind)
- Zweite Ehe: Anschließend heiratete er 1168 Mathilde von England.
- Heinrich I., Pfalzgraf bei Rhein (* 1173; † 1227) - verheiratet mit Agnes bei Rhein
- Kaiser Otto IV. (* 1177; † 1218)
- Wilhelm, Herzog von Lüneburg (* 1184; † 1213) - verheiratet mit Helene, Tochter von Waldemar I., König von Dänemark
- Lothar (1174/75-1190)
- Richenza (1172-1208/09)
- Dritte Ehe mit einer namentlich nicht bekannten Konkubine, Tochter des Grafen Gottfried von Blieskastel.
- Mathilde (ca. 1155/56, † vor 1219) - verheiratet nach 1167 mit Borwin I. (Mecklenburg)
Nachleben
Heinrich der Löwe wurde bei seiner Gemahlin Mathilde im Braunschweiger Dom bestattet. Ihm zu Ehren wurde seine Büste in der Walhalla aufgestellt.
Literatur
- Biegel, Gerd, Heinrich der Löwe. Kaiserenkel, Kaiserfreund, Kaiserfeind, Braunschweig 1996.
- Ehlers, Joachim, Heinrich der Löwe. Europäisches Fürstentum im Hochmittelalter, Göttingen 1997.
- Hager, Maik, Heinrich der Löwe. Eine Biographie, TU Berlin WiSe 97/98 (www.leistungsschein.de).
- Hager, Maik, "Heinrich, einst Herzog von Bayern und Westfalen". Die Gelnhäuser Urkunde als Dokument für die Entmachtung Heinrichs des Löwen, TU Berlin WiSe 97/98 (www.leistungsschein.de).
- Jordan, Karl, Heinrich der Löwe. Eine Biographie, 4. Aufl., München 1996.
- Slawski, Robert, Im Zeichen des Löwen, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, Braunschweig 2004.
Stand- und Denkmale
- Brunnenstandbild nach Entwurf Adolf Breymann, Bronzeguss für Braunschweig, gezeigt auf der Weltausstellung Wien 1873 (ausgezeichnet mit der Silbermedaillie), ausgeführt von Georg Ferdinand Howaldt
Weblinks
Siehe auch
| Vorgänger Albrecht | Herzog von Sachsen 1142-1180 | Nachfolger Bernhard III. |
| Vorgänger Heinrich XI. | Herzog von Bayern 1156-1180 | Nachfolger Otto I. |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Heinrich der Löwe |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | Herzog von Sachsen (1142-1180) und Bayern (1156-1180) |
| GEBURTSDATUM | 1129 |
| GEBURTSORT | |
| STERBEDATUM | 6. August 1195 |
| STERBEORT | Braunschweig |
