Helge Schneider
Helge Schneider, geboren am 30. August 1955 in Mülheim an der Ruhr, wo er gegenwärtig auch wohnt, ist Schriftsteller, Film- und Theaterregisseur, Entertainer, Unterhaltungskünstler, Drehbuchautor, Komiker, Schauspieler und tief im Jazz verwurzelter Komponist, Sänger und Multiinstrumentalist (neben Gitarre, Schlagzeug, Trompete, Hammond-Orgel u.v.a. virtuos an Saxophon, Klavier und Vibraphon).
Anfang der 90er erfand er die populäre Selbstbeschreibung "singende Herrentorte", die fortan von den Medien übernommen wurde und auch 15 Jahre später, nachdem Schneider sich längst von ihr distanziert hat, noch verwendet wird.
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Leben
1972 nach Sonderbegabtenprüfung Pianostudium am Duisburger Konservatorium (abgebrochen). 1973 Ausbildung als Landschaftsgärtner.
Schneider ist ein Kind des Ruhrgebiets. Schon früh wurde seine musikalische Begabung vor allem auf dem Klavier deutlich. Auch der Berufswunsch war, inspiriert von Grock dem Clown, schnell klar: "Auf der Bühne stehen, Clown sein und Musik machen." Anfänglich ein guter Schüler, besonders in Latein, verlor Schneider, nachdem er zu rauchen begann, nach und nach den Boden unter den Füßen und ließ sich die Haare lange wachsen. Die Schule verließ er ohne Abschluß, ebenso das Konservatorium, und versuchte erfolglos in verschiedenen Berufen wie Landschaftsgärtner, Dekorateur, Tierpfleger, Bauzeichner und Polsterer Fuß zu fassen. Letztlich kam Schneider jedoch immer auf das einzige zurück, was er tatsächlich konnte: Musik machen.
Früh begann er aufzutreten und allein oder in wechselnder Besetzung (Schneider-Weiß-Trio mit Charly Weiß, Art of Swing u.a.), auf Hochzeiten, Kaffeekränzen und Gehörlosenfeiern zu spielen. In diesen Jahren entwickelte er die Grundlagen seines Stils und eignete sich große Bühnenerfahrung sowie eine enorme Ausdruckspalette an. Eine kurze Episode in Schneiders langsamem Aufstieg stellte ein Engagement in Portugal dar, wo seine Gruppe es bis auf die Titelseiten von Zeitungen brachte.
Erster Erfolg stellte sich 1975 ein, als er mit seinem Helge-Schneider-Trio (mit Mash Temme,Schlagzeug und Kai Kanthak, Bass) Preisträger des Ikea-Jazz-Festivals wurde und 4 Jazz-Nummern auf der B-Seite einer Vinyl veröffentlichte.
Von 1979 bis 1984 enstanden Schneiders frühe Hörspiele. Die auf einem einfachen Tonbandgerät aufgenommenen Sprechstücke sind atmosphärische Momentaufnahmen. Der Künstler spricht alle Rollen selbst. Handlung und Inhalt schöpfen aus dem rauen Klima des Ruhrgebiets und dem eigenen Lebensalltag. Titel wie "Arbeitsamt", "Klaus und Erwin", sowie der Klassiker "Hautarzt" bilden Figuren ab, die zwischen Trinkhalle, Arztpraxis, Bushaltestelle und Arbeitsamt oszillieren oder auch schon mal die Volkshochschule besuchen und sich dann in der Tropfsteinhöhle (1998) treffen. Laut eigener Aussage hat Helge Schneider die meisten der Figuren und Dialoge in seinen Hörspielen "geklaut". Sie entstanden aus auf der Straße aufgeschnappten Satzfetzen und Gesprächen am Nebentisch bei Eduscho, die sich dann in nächtlichen Aufnahmesessions zu improvisierten Sprachexperimenten mit hohem Realitätsgehalt verbanden.
In der zweiten Hälfte der 1980er bis 1991 war Schneider Ko-Moderator neben Evi Seibert in der TV-Musik-Sendung Offshow, in der er kleine Sketche zeigte und Musiker interviewte. Die WDR-Sendung wurde im Kölner Stadtgarten aufgezeichnet.
Bundesweit bekannt wurde Schneider ab 1990 durch seine inzwischen legendären Auftritte, einer bunten Mischung aus absurden Geschichten, parodistischer Schlager- und ernstgemeinter Jazzmusik. 1993 landete er mit dem Song "Katzeklo" (das fehlende "n" ist kein Tippfehler) einen Charthit. Seitdem hat Schneider mit nahezu ungebrochenem Erfolg mehrere Alben, Filme und Bücher veröffentlicht.
Die Grundlage von Helge Schneiders Kunst ist die Improvisation, die bei ihm zum künstlerischen Selbstausdruck und zur Lebenseinstellung wird. Die Texte seiner Songs, wie auch die Inhalte seiner Erzählungen sind in keiner Weise festgelegt, sondern entstehen bei jedem Auftritt neu und werden teilweise völlig frei variiert und weiterentwickelt. Helge Schneider lebt den Jazz.
Begleitband war lange Zeit "Hardcore", bestehend aus Buddy Casino (Hammond-Orgel, Klavier) und Peter Thoms (Schlagzeug, Gesang, Tanz). Beide spielten auch Rollen in Schneiders Filmen. 1999 gründete er die Band "Firefuckers" und machte einem kurzen Ausflug in die Rockmusik. 2004 und 2005 tourte er mit einem Jazztrio bestehend aus Schlagzeuger Pete York und Bassist Jimmy Woode, mit denen er auch seinen vierten Film Jazzclub drehte.
In seinen Kriminalromane verwandelt sich Schneider in die Figur „Kommissar Schneider“, die sich durch einen oft unkonventionellen und kreativen Umgang mit Sprache, insbesondere dem Ruhrpott-Deutsch, auszeichnen.
Ein Gedicht von Helge Schneider:
Der Rabe
Ein Rabe geht im Feld spazieren. ... [lange Pause] ... Da [lang gesprochen] fällt der Weizen um.
(Kommentar von Helge Schneider: „Zwar nicht Rilke, -Pause- aber dafür kurz.“)
Ein bekanntes Zitat aus Schneiders Film Texas:
„Nicht denken - schenken!“
"splatattern"
Eine Wort-Schöpfung Schneiders, die inzwischen in den Sprachgebrauch des Ruhrgebiets eingegangen ist, und ursprünglich ein Momenteinfall in einer von Schneiders Erzählung war: "Mit quergestellen Schülterblättern rammte ich wie ein Rammbock durch die Buchsbaumhecke, daß es nur so splatatterte."
Auszeichnungen
- 1983 Förderpreis des Ruhrkreises für Kunst und Wissenschaft der Stadt Mülheim an der Ruhr.
- Prix Pantheon, Sparte "Reif und bekloppt", Bonn 2004
Diskografie
CDs
- The Last Jazz, 1987
- New York, I am coming, 1990
- Seine größten Erfolge, 1989
- Hörspiele Vol.1, 1991
- Hörspiele Vol.2, 1992
- Guten Tach, 1992
- Es gibt Reis, Baby (2 CDs), 1993
- Die Geschenkkassette (5 CDs), 1993
- Es rappelt im Karton, 1995
- Da Humm (2 CDs), 1997
- Helge 100% live - The Berlin Tapes, 1998
- Martin, sein Vater und die vertraute Stimme (Mitwirkender), 1998
- We are the firefuckers, 1999
- Eiersalat in Rock, 1999
- Jazz (& Hardcore), 1999
- Eiersalat - Eine Frau geht seinen Weg, 1999
- Hefte raus - Klassenarbeit! (ltd. Ed.:2 CDs), 2000
- 22 sehr, sehr gute Lieder ("The Best of"), 2003
- Out Of Kaktus!, 2003
- 29 sehr, sehr gute Erzählungen ("The Best Of"), 2004
- Mendy, das Wusical, 2004
- Helge Schneider liest "Aprikose, Banane, Erdbeer", 2004
- Füttern verboten (Livealbum), 2004
Maxi-CDs
- Ladiladiho, 1992
- Weihnachten bei van den Bergs, 1992
- Katzeklo, 1993
- Es gibt Reis, Baby ,1993
- Katzeklo 'spectaculaire', 1994
- Klapperstrauß, 1995
- Gartenzaun, 1995
- Sex Machine, 1995
- Fitze Fitze Fatze, 1997
- Bonbon aus Wurst, 1997
- HELGES Beitrag zur Wahl 98 'Allein an der Bar', 1998
- A whiter Shade of Pale, 1999
- Copacabana, 1999
- Ich habe mich vertan, 2000
- Das Mörchen-Lied, 2003
Filmografie (Auswahl)
Eigene Filme:
- The Privatier, ???, Kurzfilm, Super8
- Stangenfieber, 1987, Kurzfilm
- Gummimann, 1988 (?), Kurzfilm
- Texas - Doc Snyder hält die Welt in Atem, 1993
- 00 Schneider - Jagd auf Nihil Baxter, 1994
- Praxis Dr. Hasenbein, 1996
- Jazzclub - Der frühe Vogel fängt den Wurm, 2004
Mitwirkend:
- Johnny Flash, 1986, als junger aufstrebender Schlagersänger, Regie: Werner Nekes
- Menu Total, 1987, Regie: Christoph Schlingensief
- Mutters Maske, 1988, Regie: Christoph Schlingensief
- Manta - Der Film, 1991, als er selbst
- Ebbies Bluff, 1992, als reicher Musikproduzent
- Felidae, 1993, Sprecher des Katers "Jesaja"
- Kleines Arschloch, 1996, Sprecher des Großvaters "Alter Sack"
- Käpt’n Blaubär, 2000, Sprecher des Bösewichts "Prof. Dr. Feinfinger"
- 7 Zwerge - Männer allein im Wald, 2004, als Der weise Meister Helge
Literarische Werke
- Guten Tach! Autobiographie, Teil 1, 1992
- Zieh dich aus, du alte Hippe, 1994
- Das scharlachrote Kampfhuhn, 1995
- Der Mörder mit der Strumpfhose, 1996
- Eiersalat - Eine Frau geht seinen Weg, 1999
- Der Scheich mit der Hundehaarallergie, 2001
- Aprikose, Banane, Erdbeer, 2004
- Globus Dei, 2005
Theaterproduktionen
Musicals
Mendy - das Wusical war eine Auftragsarbeit für das Schauspielhaus Bochum und Helge Schneiders erstes Stück fürs Theater. Von ihm selbst inszeniert, wird es seit dem 17. April 2003 vom Bochumer Ensemble mit großem Erfolg aufgeführt. Das Stück basiert auf der Comic-Heft-Reihe "Wendy", die von einem Reiterhof handelt und sich vor allem an Mädchen richtet. Aus rechtlichen und parodistischen Gründen verdrehte Schneider aber den Namen seines Stückes und nannte es "Mendy - das Wusical".
Die Handlung beschreibt die obskuren Ereignisse im Leben der Hauptperson Mendy und ihrer Familie. Der Vater sitzt seit einem Reitunfall mit Mendys sprechendem Pferd Mocca im Rollstuhl. Die korpulente Mutter, genannt "Lady Mama" hat eine Affäre mit dem Knecht des Hofes, ohne das vor ihrem invaliden Mann zu verbergen. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände ermordet sie den Knecht versehentlich mit einem Messer. Der Vater verkauft das Pferd Mocca an einen Schlachter, um sich von dem Geld einen Porsche zu kaufen. Um ihr Pferd zu retten gibt Mendy sich selbst dem Schlachter als Ersatz. Auf dem Weg zum Schlachthof überfährt der Vater seine Frau. Wann immer Personen in dem Stück sterben tritt der Tod in der Figur des "schwarzen Vogels" auf. In der Schlußszene gesteht Mocca seiner Besitzerin Mendy, daß er kein Pferd, sondern ein Mensch ist. Das ungewöhnliche Stück verbindet die naive Kinderwelt der Wendy-Hefte auf humorvolle Art mit Themen wie gesellschaftlicher Ablehnung, Krankheit und Tod. Aus der Überdrehtheit der Szenen und Figuren entstehen immer wieder fast klassische Momente, die über Unsinn und Klamauk hinaus auf eine tiefere Ebene des Stückes verweisen.
Der Text des Stückes ist in einer das klassische gelbe Reclam-Design nachahmenden Ausgabe erschienen. Auch ein Hörbuch, auf CD, in dem Schneider sämtliche Rollen des Stückes spricht und sich dazu auf dem Klavier begleitet, ist erhältlich.
Theaterstücke
Nach dem Erfolg des Musicals 'Mendy - Das Wusical' am Schauspielhaus Bochum wurde dort am 21. Januar 2005 Helge Schneiders zweite Theaterproduktion uraufgeführt: 'Aprikose, Banane, Erdbeer - Kommissar Schneider und die Satanskralle von Singapur', bei der es sich um einen Krimi nach seinem gleichnamigen Kommissar-Schneider Roman handelt. Siehe auch: Artikel in Wikinews
Zusammenarbeit
Helge Schneider arbeitete unter anderem mit folgenden bekannten Personen zusammen: Werner Nekes (Regisseur), Christoph Schlingensief (Theaterregisseur), Andreas Kunze (Schauspieler, Kabaretist), Uwe Lyko (Herbert Knebel, Kabaretist), Eva Kurowski (Jazzchansonette), Helmut Körschgen (Schauspieler), Tana Schanzara (Schauspielerin).
Literatur
- Jörg Seidel: Guten Tach! Helge Schneider und die Philosophie. ISBN 3-88349-494-1
Weblinks
- Offizielle Homepage
- Biographie bei laut.de
- Fan-Klap
- Helge Schneider in der Internet Movie Database
- "Helge Schneider für Kinder." Theoretischer Artikel über Helge Schneider
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schneider, Helge |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | Buchautor, Regisseur, Kabarettist, Musiker |
| GEBURTSDATUM | 30. August 1955 |
| GEBURTSORT | Mülheim an der Ruhr, Deutschland |
| STERBEDATUM | |
| STERBEORT | |
