Henrichshütte

thumb|Gelände der Henrichshütte, Bereich StahlwerkDie Henrichshütte wurde 1854 in Hattingen gegründet und erhielt auf Anregung des ersten Hüttendirektors Carl Roth ihren Namen nach Graf Henrich zu Stolberg-Wernigerode (1772-1854). Sie war eines der traditionsreichsten Eisenhüttenwerke des Ruhrgebietes und wurde 1987 stillgelegt.

Die Henrichshütte war der Hauptarbeitgeber in Hattingen. Bis zu 10.000 Arbeiter produzierten hier Eisen und Stahl. Das Unternehmen trug mit der Gründung von Arbeitersiedlungen (Hüttenau, Müsendrei u.a.) auch bedeutend zur Entwicklung des heutigen Hattinger Stadtteils Welper bei.

Die Stilllegung

Gegen den erbitterten Widerstand wurde 1987 im Zuge des allmählichen Niedergangs der Kohle- und Schwerindustrie im Ruhrgebiet der letzte Hochofen der Henrichshütte stillgelegt. Auch der Neubau der nun überdimensionierten Kosterbrücke über die Ruhr zur Verbesserung der Verkehrsanbindung half nicht mehr. Für Hattingen war es eine große Aufgabe, diesen Strukturwandel zu vollbringen. Dabei muss man sich vor Augen führen, dass durch den Schwund der Kaufkraft und Abwanderungen aus der Stadt und Verlust auch der gesamte Einzelhandel vorübergehend in die Krise gezogen wurde.

thumb|Henrichshütte, Museumsbereich mit Hochofen

Über Umschulungsprogramme usw. hinaus gab es auch soziale Programme: Seniorenstudiengänge in Dortmund und Bochum, eine Arbeitsgruppe zur Renovierung eines Segelschiffs, eine Zeitschrift (W.I.R. Wir im Ruhestand), eine Trachtengruppe. Man befürchtete (zurecht), dass es zu Spannungen in den Ehen kommt (mit erheblichen Problemen bis hin zu Scheidungen und Obdachlosigkeit), wenn insbesondere ältere Arbeitnehmer, die keine neue Arbeit finden konnten, nach Jahrzehnten regelmäßiger Erwerbstätigkeit plötzlich den ganzen Tag zu Hause ohne Beschäftigung verbringen.

Heute ist das 70.000 m² große Gelände der Henrichshütte (altlastensaniert) neben etlichen neuen Gewerbeansiedlungen (zum Beispiel Air Products) und neuer Parkflächen einer der sieben Standorte des Westfälischen Industriemuseums und Teil der Route der Industriekultur.

Das 60 m hohe Gebäude der Henrichshütte selbst, ein Wahrzeichen der Stadt Hattingen, wurde am 23. Januar 2005 um 10:06 Uhr vor den Augen von 2.500 Zuschauern, darunter vielen ehemaligen Mitarbeitern, mit 40 kg Sprengstoff gesprengt. Aus Kostengründen war es nicht möglich gewesen, das Stahlwerk als Industriedenkmal zu erhalten.

Der Gasometer wurde bereits 1994 gesprengt.

thumb|Sprengung Gasometer 1994

Siehe auch: Liste der Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten im Ruhrgebiet

Literatur

Weblinks

See also: Henrichshütte, 1854, 1987, 1994, 2005, 23. Januar, Arbeitersiedlung, Hattingen, Henrich zu Stolberg-Wernigerode, Hochofen