Herdecke
| Wappen | Karte |
|---|---|
| 140px|Wappen fehlt Wappenabbildung auf ngw.nl | 140px|Lage der Stadt Herdecke in Deutschland |
| Basisdaten | |
| Bundesland: | Nordrhein-Westfalen |
| Regierungsbezirk: | Arnsberg |
| Regionalverband: | Regionalverband Ruhr |
| Kreis: | Ennepe-Ruhr-Kreis |
| Fläche: | 22,4 km² |
| Einwohner: | 25.793 (31. Dezember 2003) |
| Bevölkerungsdichte: | 1.152 Einwohner/km² |
| Höhe: | 80-274 m ü. NN |
| Postleitzahl: | 58313 |
| Vorwahl: | 02330 |
| Geografische Lage: | 51° 24' n. Br. 07° 26' ö. L. |
| Kfz-Kennzeichen: | EN |
| Gemeindeschlüssel: | 05 9 54 020 |
| Stadtgliederung: | 2 Stadtteile: Herdecke und Ende |
| Website: | www.herdecke.de |
| E-Mail-Adresse: | stadtverwaltung@herdecke.de |
| Politik | |
| Bürgermeister: | Hans Werner Koch (SPD) |
| Regierende Parteien: | SPD, Grüne |
Herdecke ("Die Stadt zwischen den Ruhrseen") ist eine Stadt an der Ruhr im Ruhrgebiet südlich von Dortmund und liegt im Ennepe-Ruhr-Kreis im westfälischen Teil Nordrhein-Westfalens in Deutschland. Die Stadt gehört dem Regionalverband Ruhr an.
Touristisch bedeutend sind neben dem hohen Freizeit- und Erholungswert der beiden Ruhrseen und der bewaldeten Ardeyhöhen unter anderem das Bachviertel als historische Altstadt mit vielen Fachwerkhäusern und der talüberspannende, gut 30 m hohe Ruhr-Viadukt.
| Inhaltsverzeichnis |
Geografie
Geografische Lage
[[Bild:Hengsteysee_Panorama.jpg|right|thumb|250px|Der Hengsteysee mit dem bewaldeten Herdecker Ruhrabhang]]Herdecke liegt direkt an der Ruhr mit ihren beiden Stauseen Hengsteysee und Harkortsee, dem Ruhrtal und der Ardeypforte. Landschaftlich gehört Herdecke zu den nordwestlichen Ausläufern des Sauerlands und wird konkret dem niederbergisch-märkischen Hügelland zugerechnet.
Unabhängig von naturräumlichen Gegebenheiten wird Herdecke als Bestandteil des Ruhrgebietes wahrgenommen. Von der grundsätzlich auf Steinkohle und Großindustrie basierenden Wirtschaftsgeschichte des Ruhrgebietes wurde die Stadt jedoch nur indirekt beeinflusst. Im Stadtgebiet kommen nur gering mächtige Steinkohlenflöze vor, die zwar teilweise aber nicht rentabel abgebaut, insgesamt jedoch als nicht abbauwürdig eingestuft wurden.
Direkt angrenzende Städte und Gemeinden sind im Uhrzeigersinn Dortmund, Hagen, Wetter und Witten.
Geologie
Die Stadt liegt mitten im Ardeygebirge, einem Teil des Rechtsrheinischen Schiefergebirges. Die oberflächennah anstehenden Gesteine stammen aus dem Oberkarbon. Es handelt sich dabei vorwiegend um Ton- und Schluffstein sowie Sandstein. Der Abbau des hier vorkommenden, so genannten Ruhrsandsteins in zahlreichen Steinbrüchen hat die Stadt sehr geprägt. Ein großer Steinbruch ist heute noch in Betrieb, in ihm werden Bruch- und Werksteine gewonnen.
Klima
Herdecke gehört zum maritim beeinflussten nordwestdeutschen Klimabereich und weist mittlere Jahresniederschläge zwischen 850 und 900 mm sowie ein Jahresmittel der Temperatur vor etwa 10,6 °C auf.
Stadtgebiet und -gliederung
Herdecke liegt mit Ausnahme eines kleinen Zipfels an der Ruhrbrücke ausschließlich nördlich der Ruhr. Das Stadtgebiet dehnt sich maximal etwa 8 km in Nord-Ost/Süd-West-Richtung und etwa 5 km in Nord-West/Süd-Ost-Richtung aus.
Die Stadt Herdecke hat zwei Siedlungskerne: Herdecke und Ende, letzteres umfasst das ehemalige Amt Ende beziehungsweise die Gemeinde Ende mit den Bauernschaften Kirchende, Ostende und Westende.
Geschichte
[[Bild:Hohlweg piepensack.jpg|thumb|250px|Hohlweg am Piepensack]] Hinweis: Herdecke liegt im Gebiet der ehemaligen Grafschaft Mark.
- Vermutlich 819 wurde eine karolingische Basilika als Kirche eines adeligen Frauenstifts erbaut, das zur Keimzelle des Ortes wurde. Heute steht an diesem Platz die Stiftskirche.
- 1355 bekam das "dorp herricke" von Graf Engelbert III. von der Mark die Marktrechte verliehen. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich auf Grund der verkehrlich günstigen Lage am Ruhrübergang und am Schnittpunkt der großen Handelstraßen zwischen Köln und Weserraum sowie Siegerland und Münsterland der regional bedeutsame Herdecker Kornmarkt, der bis Ende des 19. Jahrhunderts bestand.
- 1615 wurde die Ortschaft zur Freiheit erhoben.
- 1739 verlieh Friedrich Wilhelm I. Herdecke die Stadtrechte.
- 1939 wurde Ende eingemeindet.
Bevölkerungsentwicklung
Herdecke verzeichnete zwischen 1939 und 1993 eine enorme Zunahme der Bevölkerung um 147,25 %. Dieses Wachstum ist insbesondere der günstigen Ruhrgebiets-Randlage (Stichwort: Wohnen im Grünen) sowie seit der Diskussion um die Gemeindereform 1975 dem Wunsch geschuldet, durch über 25.000 Einwohner den städtischen Status zu behalten. In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts stagnierte die Einwohnerzahl bei 26.000 weitgehend. Seitdem ist die Anzahl der Bewohner im Zuge der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung allerdings leicht rückläufig.
- 1739 - 896 Einwohner
- 1939 - 10.713 Einwohner (davon 3.766 in Ende)
- 1961 - 17.218 Einwohner
- 1970 - 20.157 Einwohner
- 1987 - 25.238 Einwohner
- 1993 - 26.488 Einwohner
- 2002 - 25.982 Einwohner
Wappen
Auf dem Herdecker Wappen ist eine silberne, auf einem Hügel stehende Eiche mit goldgelben Früchten auf rotem Schild abgebildet. Die örtlich so genannte "Herta-Eiche" ist schon lange das Zeichen der Stadt, schon ein Stadtsiegel von 1784 zeigt einen Baum. Seit der Wappenverleihung 1902 durch das preußische Heroldsamt ist das offizielle Stadtwappen mit einer dreitürmigen Mauerkrone als Oberwappen versehen.
Städtepartnerschaften
Es besteht eine Städtepartnerschaft mit Blankenburg (Harz). Die Partnerstadt ist jedes Jahr auf der Herdecker Maiwoche vertreten, wo neben typischen Speisen und Getränken aus dem Harz auch touristische Angebote vorgestellt werden.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bedeutende Bauwerke
[[Bild:Viadukt_herdecke.jpg|right|thumb|250px|Der imposante Ruhr-Viadukt markiert den Beginn des Harkortsees]] Allgemeine Baudenkmale:
- Ruhr-Viadukt, talüberspannende gut 30 m hohe Eisenbahnbrücke
- Gut Schede
- Haus Mallinckrodt
- Haus Ende
- Haus Kallenberg
- zahlreiche alte Bruchstein- und Fachwerkhäuser
Industriedenkmale:
- Cuno-Kraftwerk
- Koepchenwerk
- Laufwasserkraftwerk Hengstey (das Kraftwerksgebäude befindet sich bereits auf Hagener Stadtgebiet, nur ein Teil der Stauwehranlage gehört zu Herdecke)
Kirchen:
- Ev. Stiftskirche St. Marien
- Ev. Dorfkirche zu Kirchende
- Kath. Pfarrkirche St. Phillipus u. Jacobus
Freizeit- und Sportanlagen
Neben den sich natürlicherseits anbietenden Sport- und Erholungsmöglichkeiten im Wald (Wandern, Jogging) sowie auf und an den Stauseen (Rudern, Kanufahren, Segeln, Radfahren, Inlineskaten etc.) verfügt Herdecke insbesondere mit dem weitgehend frei zugänglichen "Freizeitzentrum Bleichstein" mit öffentlichen Sportplätzen, Kletterwand, Halfpipe, Wiesenflächen und einem größeren Spielplatz über einen größen Anziehungspunkt für viele Besucher. Im Sommerhalbjahr ist das dort gelegene Freibad Freizeitbad Bleichstein mit Rutsche, Wildwasserkanal und Tauchturm ein beliebter Treffpunkt. Benachbart ist das Hallenbad Bleichstein.
Neben der Sportanlage Am Bleichstein besteht im Ortsteil Kichende eine weitere Sportanlage Am Kalkheck. Die Stadt verfügt damit und mit mehreren Tennisanlagen, Reitplätzen, einem Volks-Golfplatz sowie 7 Sporthallen über ein sportliches Potenzial, das von den ansässigen Vereinen und ihren Mitgliedern intensiv genutzt wird. Die Liste der in Herdecke ansässigen Vereine ist lang, die größten Sportvereine sind der TuS Ende e.V. und der TSV 1860 Herdecke e.V. Die Erfolge Herdecker Sportlerinnen und Sportler sind teilweise von internationaler Qualität und haben die Herdecker Vereine über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht.
Des Weiteren existieren weitere kleine Sport- und Freizeitmöglichkeiten, wie zum Beispiel Minigolfanlagen.
Veranstaltungssäle
Die Stadt Herdecke hat zwar keinen eigentlichen Stadtsaal, aber es gibt zwei größere Veranstaltungssäle:
- 1984 wurde gemeinsam mit dem Hotel "Zweibrücker Hof" der Ruhrfestsaal als kommunaler Bürgersaal mit städtischen Nutzungsrechten in privater Trägerschaft für bis zu 350 Besucher errichtet.
- Seit 2001 gibt es zusätzlich als privaten Kammermusiksaal den Werner-Richard-Saal, ebenfalls für bis zu 350 Besucher geeignet.
Museen
Die vom Herdecker Heimat- und Verkehrsvereins e.V. betreute Heimatstube ist das einzige Museum der Stadt. Es existiert seit 1993 in einem historischen Gebäude am Stiftsplatz 3 in direkter Nähe zum Rathaus. Im Rahmen einer Dauerausstellung wird über verschiedene Aspekte der Stadtgeschichte informiert.
Theater
Über Herdecke hinaus bekannt ist das ausschließlich ehrenamtlich getragene Theater am Stiftsplatz.
Kino
Seit 1978 gibt es in Herdecke ein Programmkino, das Onikon, welches von einem ehrenamtlich arbeitenden Verein getragen wird. Der Name des im städtischen Kulturhaus angesiedelten Programmkinos leitet sich ab von "No Kino", rückwärts gelesen.
Regelmäßige Veranstaltungen
- Maiwoche: Jedes Jahr wird von der Stadtverwaltung in der Christi Himmelfahrt-Woche eine viertägige Veranstaltung mit historischem Kunst- und Töpfermarkt mit mittelalterlichen Elementen sowie Musik, Tanz und Sport in der Innenstadt organisiert. Ergänzt wird das Programm durch Stadtführungen, den "Sackträgerlauf" und die "Kreative Straße". Viele Vereine und Organisationen tragen zur Gestaltung bei. Den Abschluss bildet stets ein Höhenfeuerwerk.
- Kram-Markt: Im Mai und Oktober jedes Jahres findet ein bunter Krammarkt in der Fußgängerzone statt.
- Wochenmarkt: jeden Donnerstag Vormittag in der Fußgängerzone
- Herdecker Citylauf: Volkslauf in der Innenstadt, veranstaltet im Juni vom TSV Herdecke.
- Ender Citylauf: Volkslauf in Ende, veranstaltet im September vom TuS Ende.
- Nikolauslauf: Volkslauf zum Jahresabschluss, veranstaltet vom RC Westfalen Herdecke.
Infrastruktur und Wirtschaft
thumb|250px|Das Bachviertel in Herdecke In Herdecke leben relativ viele einkommensstarke Menschen, die Stadt steht in Bezug auf ihre Einwohnerzahl landesweit an fünfter Stelle. 2001 lebten 39 "Einkommensmillionäre" mit einem Jahreseinkommen von mehr als 500.000 Euro in Herdecke (Quelle: LDS Mai 2005).
Verkehr
Historisch bedeutend ist die Eisenbahn der Volmetalbahn-Strecke (RB 52) von Dortmund über Hagen nach Lüdenscheid; sie hält zweifach in Herdecke ("Herdecke Bahnhof" und "Hp. Wittbräucke"). Herdecke gehört dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr an. Außerdem kann der Tarif der Verkehrsgemeinschaft Ruhr-Lippe für Fahrten in deren Gebiet genutzt werden.
Über Herdecker Stadtgebiet führt keine Autobahn, allerdings befinden sich zwei Abfahrten in direkter Nähe: die Abfahrt 88 Hagen-West der Hansalinie A 1 (E 37) und die Abfahrt 8 Dortmund-Süd der Sauerlandlinie A 45 (E 41). Über Herdecker Stadtgebiet, zum Teil durch die Innenstadt, verlaufen jedoch die B 54, die B 226 und die B 234.
Öffentliche Einrichtungen
Die Stadt Herdecke beherbergt - als größten Arbeitgeber in der Stadt - das erste deutsche, bundesweit bekannte anthroposophisch geprägte Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke und die Zivildienstschule im Haus Ende.
Bildung
Herdecke verfügt über fünf Grundschulen (GS im Dorf, GS Kirchende, GS Robert-Bonnermann, GS Schraberg, GS Vinkenberg), eine Sonderschule (Albert-Schweitzer-Schule), eine Hauptschule (HS Am Sonnenstein), eine Realschule (RS Am Bleichstein) sowie ein Gymnasium (Friedrich-Harkort-Schule). Des Weiteren gibt es die Städtische Musikschule und die Volkshochschule Witten-Wetter-Herdecke.
Vom "Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke" ging die Gründung der in der Nachbarstadt Witten angesiedelten privaten Universität Witten/Herdecke aus, deren Namensgebung die nach wie vor enge Beziehung verdeutlicht und Herdecke sehr bekannt gemacht hat. Allerdings führt diese Bezeichnung des öfteren auch zu Irritationen, da Herdecke hierdurch irrtümlich als Stadtteil von Witten angesehen wird.
Medien
Über Herdecke berichten zwei Tageszeitungs-Lokalausgaben der zum WAZ-Konzern gehörenden Westfalenpost und Westfälische Rundschau. Als Lokalradio informiert der kreisweite und zu Radio NRW gehörende Sender Radio EN über die Geschehnisse in der Stadt und im Fernsehen berichtet der WDR als Drittes Fernsehprogramm im Rahmen der Lokalzeit im Revier aus dem Studio Dortmund auch über Herdecke.
Ansässige Unternehmen
Größter Arbeitgeber in der Stadt ist mit über 1.000 Arbeitsplätzen das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke. Herdecke ist gleichfalls Standort mehrerer bundesweit bekannter Unternehmen. Die Firma Dörken stellt Bauverbundfolien und Lacke unter den Markennamen Delta und CD-Color her. Idealspaten ist eine Schaufel- und Spatenfabrik, die bereits zur NS-Zeit als Großlieferant des RAD bekannt war. Die Pharma-Zentrale/Dr. Poehlmann, Medizintechnik und Arzneimittel ist europaweit bekannt durch ihre Produkte Tai Ginseng und Voltax. Des Weiteren unterhält das Unternehmen Mark-E aus der Nachbarstadt Hagen das Cuno-Kraftwerk in Herdecke. 2005 aufgegeben wurde nach 30 Jahren der Standort Herdecke von WestfaliaSurge, vormals Westfalia Separator beziehungsweise Westfalia Landtechnik, weltweit einem der größten Melkanlagen-Hersteller.
Persönlichkeiten
- Friedrich Harkort, in Herdecke beim Harkortschen Besitz Gut Schede beerdigter Unternehmer und Politiker
- Annette Humpe und Inga Humpe, in einem Hagener Krankenhaus geborene, aber in Herdecke aufgewachsene Pop-Musikerinnen
- Hans Jordan, Bankier und ehemaliger Besitzer von Haus Mallinckrodt
- Gerhard Kienle, in Herdecke gestorbener Mediziner und Gründer des Gemeinschaftskrankenhauses
- Matthias Mellinghaus, in Herdecke geborener Ruder-Sportler und Olympiasieger in Seoul 1988
- Meinrad Miltenberger, Herdecker Kanu-Sportler und Olympiasieger in Melbourne 1956
- Robert Müser, Industrieller, Erbauer und Erstbesitzer von Haus Ende
- Philipp Nicolai, ev. Pfarrer in Herdecke im 16. Jahrhundert
- Otti Pfeiffer, lange in Herdecke lebende und dort 2001 gestorbene (Kinderbuch-)Autorin
- Theodor Henrich Rahlenbeck, der "Fienenpastor von Herdecke"
- Irmingard Schewe-Gerigk, in Herdecke lebende Politikerin, seit 1994 Bundestagsabgeordnete
- Julia Schlecht, in Herdecke geborene Volleyball-Nationalspielerin
- Sina Schielke, in Herdecke geborene Leichtathletin
- Albert Vögler, Industrieller und ehemaliger Besitzer von Haus Ende
- Johannes Zirner, in Herdecke geborener Schauspieler
Literatur
- Das Stichwort "Herdecke" in: Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl., Leipzig, 1888-89, Bd. 8, S.413
Weblinks
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