Hermann Göring

Hermann Wilhelm Göring (* 12. Januar 1893 in Rosenheim; † 15. Oktober 1946 in Nürnberg durch Suizid) ist heute vor allem als Kriegsverbrecher und einer der führenden Politiker in der Zeit des Nationalsozialismus bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

bis 1932

[[Bild:Goering_und_Himmler.jpg|thumb|Hermann Göring und Heinrich Himmler betrachten ein Buch während der Geburtstagsfeier von Göring am 12. Januar 1941]] Hermann Görings Vater, Heinrich Göring, war Jurist, und von Bismarck als erster Reichskommissar für Deutsch-Südwestafrika (heute: Namibia) (1885-1888) bestimmt worden.

Göring trat sehr früh in eine Kadettenschule in Karlsruhe ein, die seine Disziplin jedoch nicht besonders verbesserte. Ihm drohte sogar der Rauswurf, wäre da nicht der Einfluss seiner Familie und der Ausbruch des Ersten Weltkrieges gewesen.

Im Krieg selbst erwies sich Göring als taktierender und kluger Anführer; er war Leutnant der Infanterie. Wegen seines Rheumatismus wurde er 1915 in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er wenig später von seinem Freund und Kampfflieger, Bruno Loerzer, überzeugt wurde, der Luftwaffe beizutreten. Göring verließ ohne Genehmigung das Krankenhaus, und diente kurz darauf als Beobachter in einer Fliegertruppe. 1916 bekam er offiziell eine Pilotenausbildung.

Am 14. März desselben Jahres schoss er seinen ersten feindlichen Bomber ab. Nachdem er sich als erfolgreicher Jagdflieger auszeichnete, als Führer der Jagdstaffel 26 fungierte und schließlich zum Hauptmann aufstieg, wurde ihm im Juli 1918 eine weitere Ehre zuteil. Nachdem der Kommandeur des Jagdgeschwaders Nr. 1 Hauptmann Wilhelm Reinhard bei einem Testflug tödlich verunglückte, Kommandeur dieses als Richthofens "Fliegender Zirkus" bekannten Geschwaders. In seiner neuen Position erzielte er schließlich seinen 22. und letzten Luftsieg.

Bereits nach seinem 19. Abschuss war ihm der Orden Pour le Mérite verliehen worden. Die Verleihung stellte eine Ausnahme dar, da ein Kampfpilot eigentlich 20 Luftsiege benötigte.

Nach dem Krieg arbeitete er in Dänemark und Schweden als Kunst- und Verkehrsflieger. In Schweden lernte er dann auch seine erste Frau, Carin Freiin von Kantzow, geb. Fock kennen, die er im Februar 1922 in München heiratete. Sie starb 1931 an Tuberkulose. Später nannte er in Andenken an sie sein pompöses Anwesen in der Schorfheide bei Groß Schönebeck "Carinhall".

Görings Nimbus als Kriegsheld und seine Verbindungen zur Aristokratie machten ihn zu einem idealen Anwärter für die noch junge NSDAP, in die er 1922 eintrat. Hitler ernannte ihn im Dezember 1922 zum Leiter der SA. Am 9. November 1923 nahm er am Putschversuch in München teil. Dabei wurde er schwer verwundet und floh für vier Jahre ins Ausland, bis eine Generalamnestie ihm die Rückkehr erlaubte. Er entkam zunächst nach Italien, wo er Mussolini kennenlernte, und ging schließlich nach Schweden. Dort wurde er in eine psychiatrische Klinik eingeliefert, September 1925 sogar in eine geschlossene Abteilung, weil er wegen seiner nur schlecht heilenden Verwundung morphiumsüchtig geworden war. Ende 1927 kehrte er nach Deutschland zurück und trat erneut in die NSDAP und SA ein.

1928 wurde Göring einer der ersten NSDAP-Abgeordneten im Reichstag und wurde nun von Hitler zum SA-Obergruppenführer ernannt. Damit war er in einer wichtigen Schlüsselstellung, um Hitler den Weg zur Macht zu ebnen. thumb|px50|Uniform Görings

Reichstagspräsident

Nach der für die NSDAP so überaus erfolgreichen Wahl am 31. Juli 1932 wurde Göring in der ersten Sitzung des Reichstags am 30. August 1932 mit Hilfe aller Stimmen der Zentrumspartei und der Bayerischen Volkspartei zum Reichstagspräsidenten gewählt. Damit hatte die NSDAP zunächst die dritthöchste Stelle in der Republik besetzt. Göring erhielt durch sein neues Amt direkten Zugang zum Reichspräsidenten Hindenburg. Schon in der nächsten Sitzung am 12. September 1932 verhinderte Göring durch einen Verfahrenstrick die Auflösung des Reichstags durch Reichskanzler Papen und stürzte durch ein Mißtrauensvotum die Regierung. In den folgenden Monaten übte Göring einen entscheidenden Einfluss aus in der Zerschlagung der Weimarer Republik.

Im Dritten Reich

Göring war im Dritten Reich Luftfahrtminister sowie Reichsforst- und Reichsjägermeister, Preußischer Ministerpräsident und "Reichsmarschall".

Ihm wurde im Mai 1935 der Oberbefehl über die neu gegründete Luftwaffe übertragen. Von 1933 bis 1945 beziehungsweise 1944 war er zudem preußischer Ministerpräsident und preußischer Innenminister. In dieser Funktion war er zunächst auch Leiter der gesamten preußischen Polizei, wodurch er beim Aufbau des nationalsozialistischen Regimes eine entscheidende Rolle spielte. So war er der eigentliche Gründer der Geheimen Staatspolizei (Gestapo), aus der später das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) hervorging. Der erste Chef der Gestapo, Rudolf Diels, war mit Göring familiär verbandelt. Unter seiner Regie entstanden in Zusammenarbeit mit Himmler und Heydrich die ersten Konzentrationslager und beim so genannten Röhm-Putsch im Juni 1934 trug er die Verantwortung für die Ermordung von Ernst Röhm und weiterer hochrangiger SA-Führer. Görings Rivalität zu Joseph Goebbels wurde übrigens für das deutsche Theater bedeutsam, weil er dem Propagandaminister als Preußischer Ministerpräsident diejenige Berliner Bühne entzog, auf der dann der bedeutende und opportunistische Gustaf Gründgens zu wirken vermochte.

Göring entwickelte sich nach Hitler - zumindest im Auge der Öffentlichkeit - zum zweiten Mann im nationalsozialistischen Staat. Aufgrund seiner Erfolge erhielt er den eigens für ihn geschaffenen Dienstgrad "Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches". Seine Prunksucht und Geldgier, aber auch sein Ehrgeiz, waren legendär.

Heinrich Himmler gleich, besaß auch Hermann Göring eine bewaffnete "Elite-Einheit": Die SA-Standarte "Feldherrenhalle", deren "Ehren-Standartenführer" er wurde.

Von ihm stammte unter anderem auch die Idee, nach der Reichspogromnacht den deutschen Juden eine Geldbuße von einer Milliarde Reichsmark aufzuerlegen. Als sich das Kriegsgeschick wendete (und vor allem auch wegen Görings katastrophaler Luftkriegsstrategie gegen England, s. Luftschlacht um England), fiel er mehr und mehr in Ungnade, bis ihn Hitler kurz vor Kriegsende aller Ämter enthob, aus der Partei ausschließen und letztendlich verhaften ließ. Direkt vorangegangen war die Fehleinschätzung Görings, Hitlers Ankündigung, er würde bis zum Schluss in der Reichskanzlei bleiben, als Abdankung zu sehen, und zu versuchen, die Nachfolge Hitlers anzutreten.

Gefangennahme, Prozess und Tod

Göring entkam im April 1945 aus Berlin und begab sich am 7. Mai 1945 auf der Fahrt von Schloss Mauterndorf (Österreich) nach Schloß Fischhorn in die Hände der 7. US-Armee und wurde 1946 als ranghöchster Nationalsozialist in Nürnberg angeklagt. Nach seinem Morphinentzug wirkte er auf viele Protagonisten der Nürnberger Prozesse lebendiger als in all den Jahren des 3. Reiches zuvor. Er wurde in allen vier Anklagepunkten (Verschwörung gegen den Weltfrieden; Planung, Entfesselung und Durchführung eines Angriffskrieges; Verbrechen gegen das Kriegsrecht; Verbrechen gegen die Menschlichkeit) schuldig gesprochen und zum Tod durch Erhängen verurteilt. Der Vollstreckung des Urteils entzog sich Göring durch Selbsttötung mit einer Zyankali-Giftkapsel. Bisher gibt es viele verschiedene Gerüchte und Behauptungen, wie das Gift in die streng bewachte Zelle Görings kommen konnte. Das bekannteste Gerücht besagt, dass das Gift von einem amerikanischen Offizier stamme, der verhindern wollte, dass ein Ritter des Ordens Pour le Mérite am "Strang" endete. Ein weiteres behauptet, Zyankali soll Göring von Journalisten zugesteckt worden sein. Und schließlich meldete sich ein ehemaliger Wachsoldat, der bei den Nürnbergern Prozessen seinen Dienst tat, der behauptete, dass er damals von zwei Männern gebeten worden sei, Göring Notizen und eine in einem Füllfederhalter versteckte Kapsel zuzustecken. Die Männer hätten ihm gesagt, dass Göring ein sehr kranker Mann sei und Medizin benötige. Der Wachsoldat sei heute davon überzeugt, dass es sich bei der "Medizin" um das Zyankali für den Selbstmord gehandelt habe.

Auszeichnungen

Sonstiges

Zur Erforschung von Görings Vorfahren wurden u. a. zahlreiche Kirchenbücher in Mittelfranken verkartet. Resultat ist u. a. das im Stadtarchiv Ansbach verwahrte Brenner-Archiv.

Zitate

Literatur

Siehe auch

Weblinks

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Personendaten
Göring, Hermann
deutscher Politiker in der Zeit des Nationalsozialismus
12. Januar 1893
Rosenheim
15. Oktober 1946
Nürnberg

See also: Hermann Göring, 12. Januar, 12. September, 15. Oktober, 1893