Herpes

Unter Herpes versteht man umgangssprachlich eine Gruppe von Viruserkrankungen, deren Erreger zur Familie der Herpesviren (Herpetoviren) gehören.

Der Ausdruck Herpes stammt aus dem griechischen und lateinischen, und bedeutet eigentlich nur "gruppierte Bläschen". Denmach werden alle Erkrankungen, die mit gruppierten Bläschen einhergehen, als Herpes bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Herpesviren

thumb|Augenherpes

Bei den Herpesviridae oder Herpesviren handelt es sich um doppelsträngige DNA-Viren mit einem ikosaedrischen Kapsid, das von einer Hüllmembran umgeben ist.

Herpesviren sind bei Wirbeltieren und beim Menschen weit verbreitet (siehe hierzu z.B. die Übersicht der Universität Wien über Herpesviren). Sie verbleiben nach der Erstinfektion latent im Körper des befallenen Organismus. Sie können unter bestimmten Bedingungen reaktiviert werden.

Infektion

Herpesviren infizieren in der Regel zuerst Epithelzellen (z.B. Haut- oder Schleimzellen). Hier kommt es zu einer starken Virusvermehrung und zum Absterben der infizierten Zellen. Bevor das Immunsystem die Infektion unter Kontrolle gebracht hat, infizieren die Viren auch bestimmte Nervenzellen. Im Zellkern dieser Neuronen verhält sich das Virus dann still und ist für das Immunsystem nicht zu entdecken. Durch bestimmte Einflüsse (z.B. Immunsuppression, Stress (z.B. Ekel), Krankheit, Hormonschwankungen) wird das Virus wieder aktiv, zerstört die Nervenzelle und befällt dann erneut Epithelzellen, so dass eine akute Herpeserkrankung auftritt.

Da das Immunsystem nur die akute Erkrankung bekämpft, nicht aber die Viren in den Nervenzellen, verbleiben Herpesviren lebenslang im infizierten Organismus.

Die Infektion mit Herpesviren kann jedoch auch sehr schwach erfolgen und es muss nicht zu großen Sekundärinfektionen kommen. Virologen gehen davon aus, dass etwa 85 % der Bevölkerung weltweit mit HSV-1 infiziert ist, gesicherte Zahlen gibt es jedoch weder für Deutschland noch weltweit. Die meisten Menschen dürften sich schon im Kindsalter (bei ihrer Mutter) angesteckt haben.

Systematik

Acht humanpathogene (den Menschen befallende) Arten sind bekannt, die auch als Humane Herpesviren (HHV) bezeichnet und von 1 bis 8 durchnummeriert werden. Die einzelnen Arten sind jeweils Auslöser für spezifische Krankheiten (Erläuterungen zu den Krankheiten siehe weiter unten):

Alpha-Herpesviren replizieren schnell, haben ein breites Wirtsspektrum und überleben in den Ganglien des Wirtes dauerhaft

Beta-Herpesviren replizieren langsam, haben ein enges Wirtsspektrum und führen bei den infizierten Zellen zu starker Vergrößung (Cytomegalie)

Gamma-Herpesviren haben sehr unterschiedliche Replikationszeiten und zeigen ein sehr enges Wirtsspektrum

Erkrankungen

Herpes simplex

Zu den Herpeserkrankungen werden im allgemeinen Sprachgebrauch nur die durch die Herpes-simplex-Viren HSV-1 und HSV-2 ausgelösten Erkrankungen gezählt, nämlich der Herpes simplex.

thumb|Herpes labialis

Herpes Simplex tritt mit zwei sichtbaren Unterformen auf:

Ansteckung

Herpes-Simplex-Viren können übertragen werden durch: Kuss, Tröpfcheninfektion, Benutzung von unsauberen Gläsern, Sexualkontakt. Mehr als 90 % der Weltbevölkerung sind mit dem Herpes Simplex-Virus infiziert, die Viren verbleiben bei den meisten Menschen jedoch inaktiv im Organismus.

Beim Krankheitsverlauf wird zwischen der Erstinfektion und den Folgeinfektionen unterschieden:

Generalisierter Herpes simplex

Herpes-simplex-Viren können auch zu generalisiertem Herpes simplex führen. Bei Erwachsenen kann zum Beispiel eine Herpeshepatitis als Begleithepatitis bei Befall der Leber durch Herpes simplex (als viszeraler Herpes) auftreten.

Einen sehr gefährlichen generalisierten Herpes simplex stellt die Herpes-Sepsis des Neugeborenen dar, die während der Geburt übertragen wird. Hierbei kann die Übertragung sowohl von der mit Herpes simplex erkrankten Mutter ausgehen, als auch von anderen an der Geburt beteiligten erkrankten Personen.

Andere Herpeserkrankungen

Daneben gibt es noch andere Erkrankungen, die von Laien nicht mit Herpesviren in Zusammenhang gebracht werden, wie

Herpeserkrankungen bei Tieren

Daneben sind noch ca. 60 weitere Herpeserkrankungen bei unterschiedlichen Spezien beschrieben.

Behandlung

Behandlung des Lippenherpes

Für die Behandlung des leichten, rezidivierenden (= wiederkehrenden) Lippenherpes ist eine lokale Therapie ausreichend. In Deutschland zur Behandlung zugelassen sind folgende Stoffe:

Cremes oder Salben mit diesen Stoffen sind rezeptfrei erhältlich.

Nach neuen Untersuchungen scheint Honig eine ernstzunehmende Alternative zu Aciclovir zu sein (siehe Weblinks). Die Dauer einer unbehandelten Herpesattacke von durchschnittlich 7-12 Tagen minderte sich bei Anwendung von Aciclovir oder Honig auf im Mittel 5,5 bzw. 2,5 Tage, wobei der Unterschied statistisch signifikant war.

Darüber hinaus kommen weitere Behandlungsmöglichkeiten in Betracht. Sie beruhen auf der Vorstellung, dass das körpereigene Immunsystem stimuliert wird, wodurch ein Ausbruch der Infektion schnell zurück gedrängt wird, oder darauf, dass die infizierten Hautzellen ausgetrocknet bzw. zerstört und die Verbreitung der Viren gebremst werden. Beispiele für solche Mittel bzw. Maßnahmen sind:

Allen Behandlungsvarianten ist gemeinsam, dass sie möglichst gleich beim Auftreten erster Symptome, wie Spannen oder Kribbeln in der Haut, einsetzen sollten. Zusätzlich hilft die Einhaltung bestimmter Verhaltensregeln für die Zeit zwischen den Behandlungen: nämlich die infizierten Stellen nicht zu berühren, nicht einzucremen und trocken zu halten.

Auch Vorbeugung vor einem Herpes-Ausbruch ist möglich. Dazu zählen die

Kinder, Schwangere und Personen mit schweren Verläufen sollten einen Arzt aufsuchen.

Behandlung des Genitalherpes

Eine Behandlung des Herpes simplex der Geschlechtsorgane ist nur systemisch, mit Tabletten oder Infusionen, möglich. Cremes oder Lösungen sind nicht ausreichend wirksam. Die Behandlung gehört auf jeden Fall in die Hand eines Arztes. Arzneistoffe:

Behandlung weiterer Herpeserkrankungen

Neben Aciclovir, Famciclovir und Valaciclovir stehen weitere Nukleosid-Analoga zur Verfügung, die wie die bereits genannten in der Therapie der Gürtelrose, der Zytomegalie oder der Windpocken bei Patienten mit geschwächter Immunabwehr eingesetzt werden.

Weblinks


Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

See also: Herpes, Aciclovir, Aujeszkysche Krankheit, CMV, Cytomegalie, Cytomegalievirus, DNA-Virus, Drei-Tage-Fieber, Epstein-Barr-Virus