Heruler
Die Heruler oder Eruli, waren ein (ost)germanischer Stamm, der kurz nach 250 n. Chr am Schwarzen Meer zum ersten Mal Erwähnung findet. Die ältere Forschung ging von einer Herkunft der Heruler aus Skandinavien aus. Diese Annahme beruhte jedoch auf einer fehlerhaften Lesung einer Passage in Jordanes' Getica. Am Schwarzen Meer nahmen die Heruler in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhundert an den Seezügen von Goten und Boranern teil. Zum Ende des 4. Jh. wurden die Heruler von den Ostgoten unterworfen. Als das greutungische/ostgotische Reich des Ermanarich um 375 n. Chr. von den Hunnen erobert wurde, wurden damit auch die Heruler zu deren Vasallen. Erst nach dem Untergang des hunnischen Reiches im Jahre 454 gelang es den Herulern ein eigenes Reich an der March im Süden der heutigen Slowakei zu errichten. Ihre hunnische Lebensweise brachte die Heruler immer wieder in Konflikt mit ihren Nachbarn.
Im Jahre 510 wurde das Heruler-Reich unter dem König Rudolf endgültig von den Langobarden vernichtet. Die verbleibenden Heruler teilten sich in mehrere Gruppen, von denen sich eine den Langobarden anschloss, eine bei den Ostgoten in Italien Zuflucht fand und eine dritte nach längerer Wanderung zunächst zu den Gepiden floh, von dort aber schließlich Aufnahme im oströmischen Reich fand. Beim heutigen Belgrad wurde ihnen gestattet, ein kleines Föderatenreich zu errichten. Sie spielten eine nicht geringe Rolle bei der Restauratio imperii des oströmischen Kaisers Justinian I. Nach der Mitte des 6. Jahrhunderts verschwinden sie jedoch aus den Quellen. Prokopios von Caesarea berichtet, dass die letztere Gruppe der Heruler sich nochmals spaltete, bevor sie die Donau überschritt und sich ein Kontingent nach Norden wandte, um in Thule, dem Ende der Welt, wie es Procopius nannte, Zuflucht zu suchen.
Neben diesen Ost-Herulern werden seit dem Ende des 3. Jh. auch Heruler genannt, die nach Gallien und Spanien einfallen. Diese Heruler werden als West-Heruler bezeichnet, und ihr Siedlungsgebiet wird am Niederrhein vermutet.
Literatur
- Christensen, Arne Sǿby. Cassiodorus Jordanes and the History of the Goths. Studies in a Migration Myth. Copenhagen: Museum Tusculanum Press 2002. 391 pp. ISBN 87-7289-7104.
- Ellegård, Alvar. “Who were the Eruli?” Scandia. Tidskrift för historisk forskning 53 (1987) 5 – 34. Lund: Scandia 1987. ISSN 0036-5483.
- Goffart, Walter. The narrators of barbarian history (A.D. 550-800). Jordanes, Gregory of Tours, Bede, and Paul the Deacon. Princeton: Princeton University Press 1988. XV + 491 pp. ISBN 0-691-05514-9.
- Lakatos, Pál. Quellenbuch zur Geschichte der Heruler. Acta Antiqua et Archaeologica XXI. Opuscula Byzantina VI. Szeged : Csukás István a Jate BTK dékánja 1978. 118 pp. leider nix ISBN da ehemaliger Osten, aber in Bibliotheken zu bekommen und in der Qualität unübertroffen.
- Martindale, John R. “Odovacer/ Rodulfus.” In The Prosopography of the Later Roman Empire. II AD 395-527. Cambridge: Cambridge University Press 1980. pp. 791-793 und 946. ISBN 0-521-20159-4.
- Neumann, Guenter/Matthew Taylor. “Heruler.“ In: Reallexikon der germanischen Altertumskunde 2. Auflage 14. Hg. Heinrich Beck/Dieter Geuenich/Heiko Steuer. Berlin, New York: Walter de Gruyter 1999. pp. 468-474. ISBN 3-11-016423-X.
- Pohl, Walter. „Die Gepiden und die gentes an der mittleren Donau nach dem Zerfall des Attilareiches.“ In: Die Völker an der mittleren und unteren Donau im fünften und sechsten Jahrhundert. Hg. Herwig Wolfram/Falko Daim. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1980. pp. 239-305. ISBN 3-70001-0353-0.
- Rappaport, Bruno. „Heruli.“ In: Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft VIII, 1. Hg. Georg Wissowa. Stuttgart: J. B. Metzler 1898/1992. pp. 1150-1167. ISBN 3-476-01028-7.
- Wolfram, Herwig. The Roman Empire and its Germanic peoples. Berkeley: University of California Press 1997. XX + 361 pp. ISBN 0-520-08511-6.
Internet: [1] - Germanen-Bibliographie des Instituts für Mittelalterforschung der Oesterr. Akademie der Wissenschaften
