Herz-Sutra

Das Sutra der höchsten Weisheit, die Essenz des erhabenen Hinübergelangens ans jenseitige Ufer der Weisheit oder Herz-Sutra (Sanskrit, n., प्रज्ञपारमिता हॄदयसूत्र, Prajñāpāramitā Hṛdayasūtra, Japanisch: 摩訶般若波羅蜜多心経 Maka Hannya Haramita Shingyō, Pinyin: móhē bānruò bōluómìduō xīnjīng) gehört zu den bekanntesten buddhistischen Texten des Mahayana-Buddhismus. Meist wird nicht das Sanskrit-Original, sondern die chinesische Fassung studiert, diese wird zudem oft japanisch ausgesprochen, da das Sutra besonders in Japan beliebt ist.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Das Sutra ist geprägt durch äußerste Kürze und Präzision, die Kalligraphie – s.u. Weblinks – passt auf eine Seite. Es existieren zwei Rezensionen (eine längere und eine kürzere), die in ihrer Lehre übereinstimmen, wobei der längere Text aber auch die Umstände der Übermittlung darlegt.

Das Herz-Sutra wird auch als knappste Zusammenfassung der sogenannten Prajñā Pāramitā-Literatur betrachtet, einer sechshundertbändigen Bearbeitung der Lehre Buddhas. Es wird besonders im Zen studiert und rezitiert.

Im Sutra belehrt der Bodhisattva Avalokiteshvara den Shariputra über die transzendente spirituelle Erfahrung. Einer der Kernsätze dabei ist, in japanischer Aussprache der chinesischen Übersetzung des Textes, Shiki soku ze kū, kū soku ze shiki, oft wiedergegeben als Form ist Leere, Leere ist Form. Taisen Deshimaru-Rōshi legt allerdings in seinem Kommentar dazu dar, dass die Übersetzung von als Leere zu kurz greift. Ihm zufolge richtet sich Avalokiteshvara als Sinnbild des Mitgefühls an Shariputra (der als Sinnbild der Vernunft gilt), indem er ihm die Unbeständigkeit aller Dinge vor Augen führt, wobei die Haltung, stets beide Aspekte einer Erscheinung zu bedenken, Mitgefühl bezeugt. Weit davon entfernt, einem Nihilismus das Wort zu reden (den eine oberflächliche Interpretation von nahelegen könnte), lehrt das Herz-Sutra die Freiheit von Anhaftung, die Mitgefühl erzeugt. Die Quintessenz des Herz-Sutra stellt das Mantra dar, mit dem das Sutra schließt: Gate gate Pāragate Pārasamgate Bodhi svāhā. Dieses wird auch in der chinesischen Fassung nicht übersetzt, sondern nur in chinesische Zeichen umgeschrieben.

Text des Herz-Sutra

Chinesischer Text

仏説摩訶般若波羅蜜多心経

観自在菩薩。行深般若波羅蜜多時。照見五蘊皆空。度一切苦厄。

舎利子。色不異空。空不異色。色即是空。空即是色。受想行識。亦復如是。

舎利子。是諸法空相。不生不滅。不垢不浄。不増不減。

是故空中。無色無受想行識。無眼耳鼻舌身意。無色声香味触法。無眼界乃至無意識界。

無無明亦無無明尽。乃至無老死。亦無老死尽。

無苦集滅道。

無智亦無得。以無所得故。

菩提薩埵。依般若波羅蜜多故。心無罣礙。

無罣礙故。無有恐怖。遠離一切顚倒夢想。究竟涅槃。

三世諸仏。依般若波羅蜜多故。得阿耨多羅。三藐三菩提。

Deutsche Übersetzung

Folgendes habe ich einmal gehört:

Einst hielt sich der Buddha
auf dem Geierberg in Rajgir (Rajagrha) auf,
zusammen mit einer großen Gruppe von Mönchen
und einer großen Gruppe von Bodhisattvas.

Einmal war er vertieft in die Meditation
über die verschiedenen Arten von Erscheinungen,
die als die tiefe Einsicht bekannt ist.

Zur gleichen Zeit konzentrierte sich
der Bodhisattva-Mahasattva,
der erhabene, machtvolle Avalokiteshvara,
ganz und gar auf die tiefe Praxis
des Hinübergelangens ans jenseitige Ufer der Weisheit.

Er konzentrierte sich völlig, vor allem darauf,
daß die fünf Skandas leer von Eigenexistenz sind.

Da sprach durch die Kraft des Buddha veranlasst,
der ehrenwerte Shariputra in der folgenden Weise
zu dem Bodhisattva-Mahasattva,
dem erhabenen, machtvollen Avalokiteshvara:

"Sohn einer edlen Familie, wenn jemand sie tiefe Praxis
des Hinübergelangens
ans jenseitige Ufer der Weisheit
ausüben will, wie sollte er vorgehen?"
So sagte er.

Der Bodhisattva-Mahasattva,
der erhabene machtvolle Avalokiteshvara,
gab Shariputra folgende Antwot:

"Shariputra, ein Sproß aus edler Familie,
ob Mann oder Frau,
der die tiefe Praxis
des Hinübergelangens
ans jenseitige Ufer der Weisheit
ausüben will, sollte er sich in folgender Weise
ganz und gar vor allem darauf konzentrieren,
dass die fünf Skandas
leer von Eigenexistenz sind.

Form ist leer.
Leerheit ist Form.

Form ist nichts anderes als Leerheit.
Auch ist Leerheit nichts anderes als Form.

Ebenso sind Gefühl,
Unterscheidung,
Gestaltungskraft
und Bewusstsein leer.

Shariputra!
Auf diese Weise sind alle Dinge leer,
ohne Merkmal,
ohne Entstehen,
ohne Vergehen.
Sie sind weder befleckt
noch unbefleckt,
weder abnehmend
noch zunehmend.

Shariputra!
Deshalb gibt es
in der Leerheit keine Form,
kein Gefühl,
keine Unterscheidung,
keine Gestaltungskraft,
kein Bewusstsein,
kein Auge, kein Ohr, keine Nase, keine Zunge,
keinen Körper, keinen Geist,
keine Form, keinen Klang, keinen Geruch, keinen Geschmack,
kein Berührungsobjekt, kein Phänomen.

Vom Augenbereich
über den Geistbereich
bis zum Bewusstseinsbereich
gibt es nichts.

Von der Unwissenheit
und dem Aufhören der Unwissenheit
bis zum Altern und Sterben
und zum Aufhören des Alterns und Sterbens
existiert nichts.

Ebenso gibt es das Leiden
den Ursprung,
die Beendigung
und den Weg nicht,
keine Weisheit, kein Erlangen,
und auch kein Nicht-Erlangen.

Shariputra,
es gibt deshalb
für die Boddhisattvas
nichts zu erreichen.

Indem sie sich so
Fortwährend auf das Hinübergelangen
ans jenseitige Ufer der Weisheit stützen,
gibt es in ihrem Geist
keine Verdunkelung und keine Furcht.

Und indem sie alle Irrtümer
vollständig hinter sich lassen,
gelangen sie über die Grenzen des Leidens hinaus.

Auch alle Buddhas der drei Zeiten
haben sich auf das Hinübergelangen
ans jenseitige Ufer der Weisheit gestützt
und damit das höchste Erwachen,
die vollendete Buddhaschaft, erlangt.

Deshalb sollst du in dem Mantra
des Hinübergelangens ans jenseitige Ufer der Weisheit,
weil es das Mantra des großen Wissens ist,
das unübertroffene Mantra,
das mit nichts zu vergleichende Mantra,
das Mantra, das alle Leiden vollständig beendet,
das frei von Täuschung ist,
die Wahrheit erkennen.

Das Mantra des Hinübergelangens ans jenseitige Ufer der Weisheit
lautet folgendermaßen:

TATYATA:

OM GATE GATE PARA GATE PARA SAM GATE

BODHI SVAHA

Shariputra,
ein Bodhisattva-Mahasattva
sollte auf diese Weise die tiefe Praxis
des Hinübergelangens ans jenseitige Ufer der Weisheit ausüben.“

Darauf erhob sich der Buddha aus
seiner meditativen Versenkung,
lobte den Bodhisattva-Mahasattva,
den erhabenen machtvollen Avalokiteshvara,
und sagte zu ihm:

„Gut, gut, Sohn einer edlen Familie.
So ist es.
Genauso ist es.
Wie Du es gezeigt hast,
so sollte die tiefe Praxis des Hinübergelangens
ans jenseitige Ufer der Weisheit geübt werden.

Die Tathagatas freuen sich darüber.“

Als der Buddha das sagte,
wurden der ehrenwerte Shariputra und der Bodhisattva-Mahasattva,
der erhabene, machtvolle Avalokiteshvara,
sowie die Wesen der verschiedenen Welten,
die sich um ihn versammelt hatte,
Götter, Menschen, Asuras und Gandharvas,
von Freude erfüllt,
und sie priesen aufs höchste seine Worte.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

See also: Herz-Sutra, Asura, Avalokiteshvara, Bodhisattva, Buddhismus, Furigana, Gandharva, Japanische Sprache, Mahayana, Mantra