Hessischer Dialekt
Weiterleitung zu: Dialekte in Hessen
Unter dem prototypischen Hessischen Dialekt versteht man heute ungenauerweise meist das Frankfurterische und das Südhessische, welche zu den rheinfränkischen Dialekten gehören. Im historischen Kernland Hessens - im Großraum um Kassel und Marburg - spricht man jedoch ganz andere rheinfränkische Dialekte. Im Regierungsbezirk Kassel wird Niederhessisch, im Großraum Gießen bis hinunter nach Bad Homburg wird Oberhessisch und in der Umgebung von Fulda wird Osthessisch gesprochen. Im niederhessischen Sprachgebiet haben die Mundarten viele Gemeinsamkeiten mit den angenzenden ostfränkischen und thüringisch-obersächsischen Dialekten. Nordwestlich von Kassel verläuft zudem die Sprachgrenze zum Niederdeutschen Sprachraum.
Besonders stark zu der verbreiteten Annahme - die Dialekte Südhessens seien "Das Hessische" - hat wohl die ausgeprägte humoristische Tradition Südhessens beigetragen. In früherer Zeit entwickelte sich diese im Fasching, im Volkstheater (z.B. im Frankfurter Volkstheater von Liesel Christ und Lia Wöhr) und in der Dialektliteratur (z.B. Friedrich und Adolf Stoltze), in neuerer Zeiten kommen volkstümlichen Fernsehsendungen und aus lokaler Kleinkunst entstandenes Entertainment hinzu, wie Heinz Schenks "Der blaue Bock", die legendären "Hesselbachs" mit Wolf Schmidt und Liesel Christ und in jüngerer Zeit auch die Rockband "Rodgau Monotones", die Trash-Comedy Gruppen "Badesalz" und "Mundstuhl", sowie der Komiker Bodo Bach. Im allerweitesten Sinne könnte man vielleicht sogar die Rap-Gruppe "Rödelheim Hartreim Projekt" dazu einreihen (obwohl hier eher ein hessisch-hochdeutsches "Missingsch" verwendet wird). Die dabei vorgetragenen Dialekte sind überwiegend Frankfurterisch und auch Südhessisch, deren Mundarten im Frankfurter, Offenbacher und Darmstädter Raum gesprochen werden, bzw. rheinfränkisch eingefärbtes Hochdeutsch.
Die aufgrund der wirtschaftlichen Stärke der südhessischen Region das Sprach- und Kulturempfinden des Rhein-Main-Raumes stärker betonende Programmgestaltung des Hessischen Rundfunks ist wohl als mit ursächlich für die fortdauernden Popularisierung der im übrigen Bundesgebiet verbreiteten Fehleinschätzung des Rheinfränkischen als gesamthessischen Dialekt anzuführen. Als besonders drastisches Beispiel hierfür wäre die mehrteilige Fernsehproduktion des Hessischen Rundfunks "Der Winter der ein Sommer war" zu nennen. In dem in Kassel angesiedelte Fernsehfilm wird in einer Nebenrolle Hochdeutsch mit niederhessischem Anklang gesprochen, ansonsten bedienen sich in Dialektpassagen die Darsteller der gänzlich ortsfremden südhessischen Mundart.
Weiterführende Informationen zur Dialektverbreitung in Hessen und Sprachproben sind bei der Arbeitsstelle Sprache in Hessen und über den Deutschen Sprachatlas, beide angesiedelt an der Philipps-Universität Marburg, zu erhalten.
Weblinks
- Dialekte in Hessen (inkl. Sprachproben)
- Bembelsänger, Dibbegugger, Ossenköppe. Dialekt und regionale Identität in Hessen (HR)
- Mundartgruppe KORK aus Ruttershausen(inkl. Liedproben)
Siehe auch: Hessisch-Nassauisch
