Hilary Putnam

Hilary Whitehall Putnam (* 31. Juli 1926 in Chicago) ist ein US-amerikanischer Philosoph. Er gilt als eine der Schlüsselfiguren der Philosophie des Geistes im 20. Jahrhundert.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach seinem Bachelor-Abschluss an der University of Pennsylvania in Philadelphia promovierte er bei Hans Reichenbach an der University of California in Los Angeles. Danach lehrte er unter anderem am MIT, in Princeton und an der Harvard-Universität, wo er seit seiner Emeritierung im Jahr 2000 nun "John Cogan University Professor emeritus" ist.

In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren setzte er sich sehr gegen die US-amerikanische Intervention in Vietnam und für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung ein. Ab 1968 versuchte er diese Ziele in der Progressive Labor Party (PLP) zu verwirklichen, einer kleinen, nach eigenen Angaben marxistisch-leninistischen Organisation. Die Leitung der Harvard-Universität versuchte einmal, Putnam wegen seiner politischen Tätigkeit zu zensieren, er konnte diesen Versuch jedoch mit Hilfe einer großen Zahl von Freunden und Unterstützern abwehren. Es ist nicht bekannt, wann genau Putnam seine Verbindung zur PLP auflöste; bis 1975 hatte er jedenfalls jeden Kontakt mit der Organisation abgebrochen. 1997 gab er bei einem Treffen von ehemaligen Wehrdienstverweigerungsaktivisten in Boston zu, mit dem Eintritt in die PLP einen Fehler begangen zu haben. Er sagt, er sei zunächst beeindruckt gewesen vom Engagement der PLP in Bündnissen mit anderen Gruppierungen und von ihrer Bereitschaft, die Armee von innen zu unterwandern.

Putnams Veröffentlichungen zu politischen Themen sind jedoch weniger zahlreich als seine philosophischen Beiträge.

Putnam steht in dem Ruf, während seiner Laufbahn häufig seine Meinung geändert zu haben; und er hat über so viele verschiedene Themenbereiche geschrieben, dass es oftmals schwer fällt, seine Meinung knapp und klar wiederzugeben.

Werk

Philosophie des Geistes

Putnam ist einer der zentralen Akteure in der Philosophie des Geistes. In den sechziger Jahren entwickelte er eine Position, die unter dem Namen Funktionalismus bekannt geworden ist. Sie basierte ursprünglich auf der Analogie zum Computer. Insbesondere die Automatentheorie und das Konzept der Turing-Maschine waren die zentralen Ideengeber. Automaten lassen sich funktional beschreiben, genau das sollte auch beim Menschen möglich sein. Mentale Zustände sollten einzelnen funktionalen Zuständen entsprechen.

Mit dem Aufstieg des Funktionalismus war ein rasanter Popularitätsverlust der Identitätstheorie verbunden. Putnam motivierte seine Position nämlich mit einem sehr einflussreichen Argument gegen die Identitätstheorie. Die Identitätstheorie hatte behauptet, dass mentale Zustände und neuronale Zustände identisch sein, doch Putnam argumentierte, dass dies aufgrund der multiplen Realisierbarkeit von mentalen Zuständen nicht möglich sei. Damit ist gemeint, dass Wesen den gleichen mentalen Zustand haben können, obwohl sie ganz verschiedene neuronale Zustände haben. Auch hier war eine Analogie zum Computer möglich: Auf Computern mit verschiedener Hardware kann die gleiche Software laufen. Die Programme sind also multipel realisierbar. Mentale Zustände sollten daher die „Software des Gehirns“ sein.

Putnam hat sich in den achtziger Jahren vom Funktionalismus abgewandt. Er ist nun der Meinung, dass mentale Zustände weder mit neuronalen, noch mit funktionalen Zuständen identisch sind. Dennoch ist Putnam kein Dualist geworden. Er meint vielmehr, dass das Leib-Seele-Problem in seiner aktuellen Form auf einer falschen Ontologie basiert. Wenn man sich von einem metaphysischen Realismus abwendet, so verschwindet auch die Frage, womit denn nun der Geist identisch sei. Der Geist bleibt nicht reduzierbar, ohne dass dies ein Problem wäre.

Sprachphilosophie

Einer von Putnams bedeutendsten Beiträgen zur Sprachphilosophie war sein Grundsatz, dass "meaning just ain't in the head" ("Bedeutungen nunmal nicht im Kopf sind"), was er mit dem "Gedankenexperiment der Zwillingserde" verdeutlicht: Er geht davon aus, dass ein Erdenbewohner eine Flüssigkeit sieht und diese "Wasser" nennt, und ein Zwilling, der ihm bis ins letzte Detail gleicht, auf einem anderen Planeten ebenfalls eine Flüssigkeit sieht und sie ebenfalls "Wasser" nennt. Wenn nun die Flüssigkeit auf dem anderen Planeten nicht H2O ist, sondern etwa XYZ, dann meinen die beiden mit "Wasser" etwas unterschiedliches, obwohl Wasser für beide die selbe Funktion hat. Das Gedankenexperiment illustriert auch Putnams Abkehr vom Funktionalismus als brauchbarer Philosophie des Geistes.

Philosophie der Mathematik

Putnam trug zum Beweis der Unentscheidbarkeit von Hilberts 10. mathematischen Problem (Lösung einer diophantischen Gleichung) bei.

Die von ihm 1964 zusammen mit Paul Benacerraf herausgegebene Aufsatzsammlung Philosophy of Mathematics: Selected Readings enthält eine Einführung in die Philosophie der Mathematik.

Putnam vertritt die Meinung, dass in der Mathematik wie in der Physik und anderen empirischen Naturwissenschaften keine streng logischen Beweise, sondern "quasi-empirische" Methoden verwendet werden, wenn sie auch nicht ausdrücklich als solche gekennzeichnet werden. Als Beispiel nennt er einen durch viele einzelne Berechnungen geführten Versuch, den großen fermatschen Satz zu beweisen. Selbst wenn auf solche Art empirisch gewonnenes Wissen als Vermutung und nicht als strenger Beweis behandelt wird, wird es doch als Grundlage zur Entwicklung mathematischer Ideen benutzt.

Philosophie der Philosophie

Putnams Beiträge zu Fragen der so genannten Metaphilosophie sind zwar weniger bekannt wie die Richard Rortys, versuchen jedoch – im Gegensatz zu Rorty und anderen NeopragmatikernRelativismus zu vermeiden.

Veröffentlichungen

Literatur

Weblinks

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Personendaten
Putnam, Hilary Whitehall
US-amerikanischer Philosoph
31. Juli 1926
Chicago

See also: Hilary Putnam, 1926, 1960er, 1968, 1970er, 1997, 20. Jahrhundert, 2000, 31. Juli