Hildegard von Bingen
thumb|right|Hildegard von Bingen empfängt eine göttliche Inspiration. Aus einem mittelalterlichen Manuskript thumb|right|Seite aus dem Liber Divinorum Operum
Hildegard von Bingen (* 16. September 1098 in Bermersheim; † 17. September 1179 im Kloster Rupertsberg bei Bingen) war eine Mystikerin, deren Leistungen heute von unterschiedlichen Disziplinen wie Medizin, Biologie und Musik anerkannt werden. In der katholischen Kirche wird sie als Heilige verehrt, obwohl sie nicht heilig gesprochen wurde. Politisch hat sie es in der Zeit des Mittelalters als Frau geschafft, sich gegen herrschende Meinungen durchzusetzen. Die Andersartigkeit der von ihr entwickelten Denkansätze bergen noch heute Entdeckungspotential und Interpretationsmöglichkeiten.
| Inhaltsverzeichnis |
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2.1 Bedeutung in der Musik |
Vita
Hildegard von Bingen wurde als Tochter des Edelfreien Hildebertus von Bermersheim geboren.
Ab 1106 lebte Hildegard bei Jutta von Sponheim, die ihr in der von beiden begründeten Klause an dem von Benediktinermönchen bewohnten Disibodenberg die Lehrmeisterin war.
Nach dem Tode Juttas von Sponheim wurde sie 1136 zur Lehrmeisterin dieser Klause gewählt und gründete um 1150 das Kloster Rupertsberg bei (heute:in) Bingen am Rhein gegen den Widerstand ihres Abtes Hugo. Erzbischof Heinrich (Mainz) bestätigte die Überschreibung der durch ihren Ruf sehr umfangreich gewordenen Klostergüter. Das Kloster wurde (durch Schenkungen) äußerst wohlhabend, und Hildegard gründete 1165 in Eibingen ein noch bestehendes Filialkloster, das heute die Rechte der Klöster Rupertsberg und Eibingen besitzt (seit der Zerstörung von Rupertsberg 1660). Nach ihrem Tod setzten sich beide Klöster für ihre Heiligsprechung ein, verloren aber bald ihre Bedeutung (und die Konvente ihre Mitglieder). Die wenigen Kunstgegenstände, vor allem das gold-purpurne Antependium, zeugen vom Reichtum Rupertsbergs.
Von Bernhard von Clairvaux auf ihrem Weg bekräftigt, begann sie 1141 in Zusammenarbeit mit Propst Volmar von Disibodenberg und der Nonne Richardis von Stade, ihre Visionen und theologischen wie anthropologischen Vorstellungen in lateinischer Sprache niederzuschreiben. Ihr Hauptwerk Liber Scivias Domini (Wisse die Wege des Herrn) entstand in einem Zeitraum von sechs Jahren. Dieses Buch enthält 35 Miniaturen. Diese Miniaturen theologischen Inhalts sind äußerst kunstvoll, mit leuchtenden Farben gemalt und dienen hauptsächlich zur besseren Begrifflichkeit des komplizierten und tiefsinnigen Textes.
Ihre Reliquien sind am Ort ihrer zweiten Klostergründung in der heutigen Pfarrkirche "Sankt Hildegard und St. Johannes d.T." in Eibingen in einem goldenen Schrein aufbewahrt.
Interdisziplinäres Wirken
Die Bedeutung von Hildgard von Bingen lässt sich schlecht in eine einzelne Kategorie zwängen. Während sie zu ihrer Zeit vor allem durch eigene Denkansätze aus dem Rahmen fiel, lässt sie sich auch heute oft schwer einordnen, da sich unser Weltbild nach der Aufklärung stark verändert hat. Hildegard von Bingen wird allgemein gesprochen jedoch als eine Person eingeschätzt, die durch eigene Denkansätze neue Impulse setzte und damit einen erweiterten Blickwinkel ermöglichte.
Bedeutung in der Musik
Die 70 von ihr komponierten geistlichen Lieder sind in der Sammlung Symphonia armonie celestium revelationum (Die Symphonie der Harmonie der himmlischen Erscheinungen) enthalten.
Bedeutung in Biologie und Medizin
Interessant für Biologie und Medizin sind ihre Abhandlungen über Pflanzen und Krankheiten. Nach 1150 verfasste Hildegard mit Causae et Curae (Ursachen und Heilungen) ein Buch über die Entstehung und Behandlung von verschiedenen Krankheiten. Das zweite der naturkundlichen Werke heißt Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum, was auf Deutsch so viel bedeutet wie: "Buch über das innere Wesen (Beschaffenheit und Heilkraft) der verschiedenen Kreaturen und Pflanzen", weshalb Hildegard heute teilweise als erste deutsche Ärztin bezeichnet wird. Zu ihrer Zeit waren Ärzte noch Klostermediziner und Wunderheiler, die kein Studium an einer Universität absolviert hatten. Die Leistung Hildegard von Bingens liegt unter anderem darin, dass sie das damalige Wissen über Krankheiten und Pflanzen aus der griechisch-lateinischen Tradition mit dem der Volksmedizin zusammenbrachte und erstmals die volkstümlichen Pflanzennamen nutzte. Sie entwickelte eine eigene Ansicht von Körperlichkeit - einschließlich der Sexualität.
Religiöse und politische Bedeutung in ihrer Zeit
Ihr selbstbewusstes, charismatisches Auftreten führte zu ihrer großen Bekanntheit. Sie predigte als erste Nonne öffentlich dem Volk die Umkehr zu Gott (u.a. auf Predigtreisen nach Mainz, Würzburg, Bamberg, Trier, Metz, Bonn und Köln). Kaiser Barbarossa berief sie zu seiner Pfalz Ingelheim, um Rat zu suchen. Auch im hohen Alter unternahm sie noch Reisen zu verschiedenen Klöstern.
Sie wurde für viele Menschen zur Wegweiserin wegen ihres Glaubens und ihrer Lebensart, und schon zu ihren Lebzeiten nannten viele sie eine Heilige (s.u.). Ihre moralische Lehre faszinierte zu ihrer Zeit nicht nur die Nonnen, sondern auch Mönche, Adlige und Laien. Mit bewundernswertem Selbstbewusstsein setzte sie ihre Interessen gegen andere durch, nicht immer zur persönlichen Bereicherung, sondern aus Überzeugung (z.B. bei der Bestattung eines Exkommunizierten oder dem Abstreiten der Besitzrechte des Disibodenberges).
Ihre umfangreiche Korrespondenz mit hohen geistlichen und weltlichen Würdenträgern (darunter auch Bernhard von Clairvaux) ist in ca. 300 Schriftstücken erhalten geblieben. Dabei zeigte sich ihr außergewöhnlich starker Charakter und Gottesglaube. Für diese Zeit erscheinen ihre offenen Worte und Ermahnungen, die sie gegenüber König und Papst führte, als besonders bemerkenswert. Die Besetzung höchster Kirchenämter durch Verwandte (u.a. ihr Bruder Hugo als Domkantor von Mainz) verschafften ihr den nötigen Einfluss, um angehört zu werden.
Verehrung und Brauchtum
Heiligsprechung
Bereits zu Lebzeiten wurde Hildegard wie eine Heilige verehrt. 1228 wurde ein erster Antrag auf Heiligsprechung gestellt. Das Verfahren dauerte jedoch so lange, dass selbst der letzte Versuch einer Kanonisation unter Papst Innozenz IV. im Jahre 1244 zu keinem Ergebnis führte. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde Hildegard dann in das Martyrologium, das Verzeichnis der Heiligen der Kirche, aufgenommen. Die Aufnahme in dieses Verzeichnis gilt als offiziell, eine Heiligsprechung fand jedoch nicht statt. Die regelmäßig zu größeren Festlichkeiten oder Jubiläen von Heiligen übersendeten päpstlichen Bullen zeugen von der großen Bedeutung der Heiligkeit Hildegards, die vom aktuellen Papst Benedikt Bestätigung findet.
Laufende Verfahren beim römischen Stuhl
Von verschiedenen Gruppierungen wurde im 20. Jahrhundert ein Verfahren zur Anerkennung Hildegards als "Kirchenlehrerin" eingebracht. Dieses Verfahren ist nach wie vor im Vatikan in der Prüfungsphase. Die Problematik ihrer (angestrebten) Heiligsprechung ist davon unberührt.
Eibinger Reliquienschatz
Hildegard hat als eine der bedeutendsten Frauen des Mittelalters eine große Anzahl von Reliquien geschenkt bekommen und zusammengetragen. Diese als der "Eibinger Reliquienschatz" bezeichnete Reliquien befinden sich, wie der Hildegardisschrein selbst, in der Pfarrkirche "Sankt Hildegard und St. Johannes d.T." in Eibingen. Der Reliquienschatz wird in dem südlichen Teil des Hauptschiffes in einem gläsernen Altar aufbewahrt. Der Hildegardisschrein befindet sich im Altarraum der Kirche in einem Hochgrab. Weiterhin gehören zum Eibinger Reliquienschatz:
- Das Haupt der Heiligen Gudula, der Nationalheiligen von Belgien und Patronin der europäischen Parlamentshauptstadt Brüssel.
- Das Haupt der Heiligen Berta, der Mutter des heiligen Rupert von Bingen
- Das Haupt des Heiligen Valerian
- Der Arm des Heiligen Rupert von Bingen
Hildegardisfest in Eibingen
Das religiös katholisch geprägte Hildegardisfest wird jährlich am 17. September in Eibingen gefeiert. Es gliedert sich traditionell in das am Morgen gehaltene Pontifikalamt und die mittags stattfindende Reliquienfeier mit anschließender Reliquienprozession durch die Straßen von Eibingen. Der Reliquienschrein wird an diesem Tag geöffnet. Das Fest schließt mit der Hildegardisvesper in der ebenfalls in Eibingen gelegenen Abtei "St. Hildegard".
Gesellschaften/Forschung
Die Hildegard-Forschung hat mittlerweile weltweite Bedeutung gewonnen. In Deutschland und Europa befassen sich unzählige Diplomarbeiten, Forschungsgruppen und Hildegard-Gesellschaften mit den Schriften und dem Wirken der Heiligen. In den letzten Jahren hat verstärkt Interesse an den Hildegard-Werken aus den Vereinigten Staaten und Asien eingesetzt. Hildegard-Kongresse in den USA oder Asien zeugen vom weltumspannenden Interesse am Thema der Nonnenklöster im allgemeinen und Hildegard im besonderen.
Werke
Siehe auch: Hildegard-Medizin
Weblinks
- Pfarrei St. Hildegard in Eibingen mit Informationen über Hildegard von Bingen und die Pfarrkirche sowie dem dort befindlichen Hildegardisschrein
- Abtei St. Hildegard in Eibingen mit Informationen über Hildegard von Bingen und das Klosterleben
- Hildegard von Bingen im Projekt Gutenberg
- Biografie, Werk, Verweise
- Diskographie (engl.)
- Bistum Trier über Hildegard von Bingen
- Biographie, Frauenbild, Briefwechsel mit Bernhard von Clairvaux im Volltext
- Geschichte des Disibodenbergs
- Eintrag im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon (BBKL)
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hildegard von Bingen |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | Mystikerin; Verfasserin theologischer und medizinischer Werke; Komponistin geistlicher Lieder |
| GEBURTSDATUM | 16. September 1098 |
| GEBURTSORT | Bermersheim vor der Höhe bei Alzey |
| STERBEDATUM | 17. September 1179 |
| STERBEORT | Kloster Rupertsberg bei Bingen |
