Hitler-Stalin-Pakt

thumb|300px|Molotow unterzeichnet den Pakt, rechts hinter ihm Stalin Der Begriff Hitler-Stalin-Pakt bezeichnet den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt, der am 23. August 1939 in Moskau von dem deutschen Außenminister Joachim von Ribbentrop und dem sowjetischen Außenminister Wjatscheslaw Molotow unterzeichnet wurde.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Der Pakt sah neben den Nichtangriffsklauseln auch die gegenseitige Neutralität im Kriegsfalle der anderen Partei vor.

In einem geheimen Zusatzprotokoll legten die Länder die Aufteilung Nord- Ost- und Süd-Europas fest, sofern es zu einer "territorialen Umgestaltung" kommen sollte. Polen sollte dabei längs der Flüsse Narew, Weichsel und San geteilt werden. Die Deutschen bekundeten kein Interesse an Bessarabien (heute Moldawien). Die baltischen Staaten – mit Ausnahme Litauens – sowie Finnland sollten in den sowjetischen Interessenbereich übergehen. In diesem Zusatzprotokoll wurde außerdem vereinbart, dass die deutschen Bevölkerungsgruppen aus der sowjetischen Interessensphäre zwangsweise umgesiedelt werden sollten (Bessarabiendeutsche, Baltendeutsche, Bukowinadeutsche).

Ziele

Ein Krieg gegen Russland war auf deutscher Seite zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend beschlossene Sache, und auch Russland ging kurze Zeit später in die Kriegswirtschaft über, es handelt sich bei dem Pakt also im wesentlichen um eine Farce. Dennoch verfolgten beide Seiten ihre jeweiligen kurzfristigen Ziele.

Die Sowjets wollten die Teilnahme Frankreichs und Großbritanniens an einem zu erwartenden Krieg gegen Hitler erzwingen. Auch kann die Verzögerung des deutschen Angriffs um ein Jahr auf 1941 als sowjetischer Erfolg angesehen werden (auch wenn dies kein direktes Ergebnis des Paktes war).

Auf deutscher Seite war man an einer Fortsetzung der Lieferung russischer Waren (Getreide, Kohle) interessiert und wollte die eigenen Absichten und vor allem deren genauen Zeitrahmen möglichst verschleiern. In dieser Hinsicht weist der Pakt Parallelen zum Deutsch-polnischen Nichtangriffspakt von 1934 und zur Appeasement-Politik Frankreichs und Großbritanniens auf.

Folgen

Der Pakt löste bei den Kommunisten (und auch in anderen Kreisen von Gesellschaft und Politik) in Westeuropa einen großen Schock und Verunsicherung aus, da es sich schließlich um eine Kehrtwende der sowjetischen Politik um 180 Grad handelte. Allerdings wurde von vielen durchaus geglaubt, mit dem Pakt würde der Frieden in Europa gesichert werden - das geheime Zusatzprotokoll war schließlich geheim gehalten worden. In Wirklichkeit war der Pakt geradezu der Startschuss zum Zweiten Weltkrieg, da Hitler sich des sowjetischen Stillhaltens nach dem Angriff auf Polen gewiss war. Allerdings irrte sich Hitler bezüglich der Reaktion des Westens - anders als im Frühjahr 1939, als Deutschland die so genannte Rest-Tschechei besetzte, erklärten England und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg (kurz zuvor war ein Beistandspakt mit Polen unterzeichnet worden).

Das Resultat des Paktes war, dass nach der Eroberung Polens (ungefähr 4 Wochen nach dem Angriff Anfang September) die Deutschen und die Sowjets ihre Grenzen verschieben konnten. Allerdings war die deutsch-sowjetische Demarkationslinie durch eine weitere Vereinbarung vom 28. September 1939 dahingehend abgeändert worden, dass nunmehr auch Litauen in den sowjetischen Interessenbereich fallen sollte, während dafür die Grenze in Polen zu Gunsten von Deutschland von der Weichsel nach Osten an den Bug verschoben wurde.

Als weitere Folge des Paktes stellte die Sowjetunion 1940 an Rumänien ein Ultimatum, infolge dessen sie Bessarabien und den Nordteil der Bukowina (heute Teil der Ukraine) annektierte. Auch die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen wurden 1940 besetzt und der Sowjetunion einverleibt.

Am 22. Juni 1941 brach Hitler den Pakt mit dem Angriff auf die Sowjetunion (Unternehmen Barbarossa).

Die Sowjetunion hat in der Folge stets die Existenz des geheimen Zusatzprotokolls (wegen der darin offenbarten Annexionspläne Stalins) geleugnet, um international - vor allem aber in Osteuropa - ihren Ruf als Befreier und Friedenswahrer aufrechterhalten zu können.

Literatur

Weblinks

See also: Hitler-Stalin-Pakt, 1939, 1941, 22. Juni, 23. August, Adolf Hitler, Appeasement-Politik, Baltendeutsche, Baltikum, Bessarabien