Hochwasser

thumb|240px|Hochwasser am Main in Würzburg Hochwasser wird der Zustand bei Gewässern genannt, bei dem der Wasserstand sich deutlich über dem normalen Pegelstand des Gewässers befindet.

Es wird zwischen regelmäßig wiederkehrenden Hochwassern (Tidehochwasser oder Flut, Frühjahrshochwasser) und unregelmäßigen oder einmaligen Ereignissen (Tsunami, Sturmfluten, Jahrhundertflut an der Elbe und an der Donau) unterschieden.

Länder mit geringen Reliefhöhen wie die Niederlande, Deutschland und Dänemark versuchen, sich durch massive Deichbaumaßnahmen und Sperrwerke (z.B. das Emssperrwerk bei Emden) vor (Meeres-)Hochwasser zu schützen. Wird kein intensiver Hochwasserschutz betrieben, kann es wie in Bangladesch am Mündungsdelta des Ganges häufiger zu humanitären Katastrophen und vielen tausend Toten kommen.

In Kriegssituationen kann eine vorsätzliche Überflutung eine Verteidigungswaffe gegen Angreifer sein. Unter anderem den Niederlanden hat diese Strategie oft Erfolg gegen Feinden gebracht. Siehe: Achtzigjähriger Krieg, Alkmaar, Inundierung.

Hochwasser-Situationen entstehen auch im Landinneren durch das Anschwellen der Flüsse und Seen sowie durch die Gefahren des Wildbaches. Ebenso können durch Eisstau Hochwassergefahren entstehen.

Grundsätzlich sind Hochwasser Bestandteile des natürlichen Geschehens. Zur Katastrophe werden sie erst, wenn menschliche Werte betroffen sind. Im Zuge der fortschreitenden Landnutzung wurden immer größere Flächen, die Hochwassergefahren ausgesetzt sind, genutzt. Somit stieg die Bedrohung durch Hochwasser ständig. Zudem wirkt die menschliche Flächennutzung (Versiegelung der Landschaft) sowie der Ausbau der Gewässer (lineare Regulierung, Verminderung der Retentionsräume) verschärfend auf den Hochwasserabfluss. Weiters können bestehende Regulierungen durch mangelnde Instandhaltung (z.B. wegen Bewuchs, Anlandungen) ihre Leistung verlieren. [[Bild:180802 Elbehochwasser Ausschnitt aus NASA A2002230.1035.721.250m.jpg|thumb|240px|left|18. August 2002: Das Hochwasser der Elbe in Sachsen]] Extreme Hochwasserereignisse in mittleren und großen Einzugsgebieten sind auf extreme Niederschläge zurückzuführen. Bei diesen Extremereignissen sind die Auswirkungen menschlicher Eingriffe gering. Ebenso ist der Einfluss der Versiegelung der Landschaft gering, da wegen der Sättigung des Bodens durch den Regen der Abflussbeiwert auch in natürlichen Einzugsgebieten hoch ist. Besonders trifft dies auf Niederschlagsereignisse zu, die nach Vorregen folgen oder auf gefrorenen Boden treffen.

Signifikante Änderungen des Abflussgeschehens durch die Bodenversiegelung sind vor allem in kleinen Einzugsgebieten zu erwarten.

Der Beitrag des Klimawandels zum Hochwassergeschehen ist strittig und von den örtlichen Verhältnisse abhängig (Steigerung von Extremereignissen, Verschiebung von Schnee zum Regen etc.). In manchen Regionen ist mit einer Steigerung des Jahresniederschlages, in anderen mit einer Verminderung oder einer anderen Verteilung zu rechnen.

Das Hochwasserrisiko lässt sich durch zwei Komponenten beschreiben:

Maßnahmen zum Hochwasserschutz können daher folgende Aspekte umfassen: thumb|180px|right|Hochwassermarken am Schloss Pillnitz bei Dresden

Zwischen den einzelnen Maßnahmen bestehen Abhängigkeiten. Z. B. können Regulierungen und Deichbaumaßnahmen zu einer Verschärfung der Hochwassergefahr für Unterlieger oder Anrainer führen. Die Errichtung von Hochwasserrückhaltebecken (Retentionsbecken) verringert das Risiko einer häufigen Überflutung zu Lasten eines seltenen, aber katastrophalen Dammbruchs durch ein Totalversagen des Rückhaltebeckens.

Eine umfassende Strategie zur Verminderung der Folgen eines Hochwassers gibt das Hochwassermanagement.

Qualifikation von Hochwassern

Hochwasser werden zumeist als Ereignisse mit Wiederkehrsintervallen angegeben. Beispielhaft ist das 100jährliche Hochwasser (HQ100) ein Ereignis, das statistisch gesehen in 100 Jahren einmal auftritt. Das heißt nicht, dass nach einem Jahrhunderthochwasser hundert Jahre kein Ereignis dieser Größe folgt. Ein Ereignis kann durchaus einem anderen folgen. Zudem ist zu beachten, dass sich die Wahrscheinlichkeit, im Zuge der Nutzungsdauer eines Gebäudes von einem Ereignis getroffen zu werden, akkumuliert. Bei einer Nutzungsdauer von 30 Jahren beträgt die Wahrscheinlichkeit von einem HQ100 getroffen zu werden circa 24 Prozent und sollte somit nicht vernachlässigt werden.

Im Allgemeinen werden folgende Schutzziele angestrebt (gilt explizit für Österreich)

HQ30 Untergeordnete Objekte

HQ100 Standardschutz

HQ150 Ausbaugrad Wildbach

darüber hinausgehende Schutzgrade werden bei besonderer Schutzerfordernis (z. B. für die Stadt Wien) angestrebt.

Bei allen Hochwasserschutzmaßnahmen ist jedoch zu beachten, dass stets ein Restrisiko besteht (Anlageversagen, Überschreitung des Bemessungshochwassers).

In Deutschland schreibt das Wasserhaushaltsgesetz vor, Flächen, die statistisch gesehen ein mal in Hundert Jahren überschwemmt werden können, als Überschwemmungsgebiete in amtlichen Karten auszuweisen und in die Bauleitplanung zu übernehmen. In solchen Überschwemmungsgebieten werden nach den Landesgesetzen oder Gemeindesatzungen weitere Vorschriften erlassen. So ist zum Beispiel bei Eingriffen die zuständige Wasserbehörde zu konsultieren. Die Bauleitplanung oder die Wasserbehörde kann Maßnahmen, wie eine Gebäudeerweiterung oder eine Aufforstung, auch auf privaten Grundstücken verbieten. Hochwassergefährdete Flächen (HQ > 100, z. B. Versagen eines Deiches) sind in Deutschland ebenfalls zu kennzeichnen. Die Kommune ist verpflichtet, die Bevölkerung auf diese Gefahren hinzuweisen, damit eine private Vorsorge ermöglicht wird. Vor dem Hintergrund der Klimaänderung und der veralteten Klimadaten (Berechnungsgrundlagen) wird z. B. in Sachsen inzwischen angestrebt, Durchflussmengen von „HQ 200“ schadlos ableiten zu können.

Organisation des Hochwasserschutzes

Für Österreich gilt:

Die unmittelbare Hilfe und Abwehr im Hochwasserfall erfolgt durch die örtliche Feuerwehr. Langfristigere Hilfe erfolgt durch den Katastrophenhilfsdienst der Feuerwehr und Assistenzeinsätze des Bundesheeres.

Das meist benutzte Hilfsmittel beim Hochwasserschutz ist der Sandsack.

Die Errichtung, Erhaltung und Betrieb von Hochwasserschutzmaßnahmen erfolgt durch die individuell Betroffenen, Wassergenossenschaften, Kommunen und Wasserverbände.

Siehe auch: Portal Feuerwehr, Wiener Donauregulierung

Weblinks

See also: Hochwasser, 2002, Abflussbeiwert, Achtzigjähriger Krieg, Alarm, Alkmaar, Bangladesch, Bauleitplanung, Binnensee, Bodenversiegelung