Nomenklatorischer Typus

Der Holotypus ist in der Biologie und der Paläontologie das Exemplar einer Art oder eines übergeordneten Taxons, welches einer Erstbeschreibung zugrundeliegt. Alle Merkmale dieser Erstbeschreibung beziehen sich also auf dieses Exemplar, welches auch als Typusexemplar oder kurz Typus bezeichnet wird.

Die durch den Typus festgelegten Merkmale können als Grundlage für Vergleiche mit neuen Exemplaren oder zur Abgrenzung zu anderen neuen Arten genutzt werden. Der neu eingeführte wissenschaftliche Name ist nach Publikation definitionsgemäß der korrekte Name für das Typexemplar, vorausgesetzt es handelt sich um einen gültigen Namen (nicht beispielsweise um ein neueres Synonym einer bereits beschriebenen Art). Beim Abgleich von Merkmalen bezieht sich der neue Name immer zuerst auf das Typexemplar, selbst wenn die Beschreibung von diesem abweicht. Die Festlegung eines Holotypus ist notwendig, um Zweifelsfälle auszuräumen, die durch eine unvollständige Erstbeschreibung entstehen, und Unvollständigkeiten sind fast unausweichlich, da die Relevanz vieler Merkmale zum Zeitpunkt der Erstbeschreibung noch nicht bekannt ist.

Im Normalfall soll für eine neue Art nur ein Exemplar als Typus angelegt und archiviert werden. Legt der Erstbeschreiber jedoch eine Sammlungsserie (Typusserie) an, um zugleich Merkmalvariationen erkennbar zu machen, und wird ein Exemplar der Serie als Holotypus festgelegt, dann werden die übrigen Exemplare als Paratypus bezeichnet. Die Gesamtheit der Serie (Holotypus und Paratypen) nennt man dann Syntypus. Wurde für die Erstbeschreibung auf Basis einer Typusserie kein Holotypus festgelegt, aber das verwendete Material archiviert, kann im Nachhinein ein Exemplar dieses Materials als Lectotypus festgelegt werden, der dann die gleiche Bedeutung wie ein Holotypus hat. Wird kein Typusexemplar archiviert oder ist dieses seit der Erstbeschreibung verschollen, wird ein neuer Typus, ein so genannter Neotypus, bestimmt.

Typen werden mit entsprechenden Vermerken in den wissenschaftlichen Sammlungen aufbewahrt und entsprechend gekennzeichnet. Durch die Typusnummer (die je nach Sammlung unterschiedlich aufgebaut sein kann) und das Wissen um die Archivsammlung (Museum, Universität, Privatsammler) gelangt jeder spätere Bearbeiter an das Typusexemplar.

Als Beispiel ist etwa der Holotypus der ausgestorbenen Protostegidae namens Santanachelys gaffneyi in der japanischen Teikyo Heisei Universität in Ichihara, Chiba unter der Nummer THUg1386 archiviert. Bestimmt wurde dieser Typus vom Erstbeschreiber Ren Hirayama durch die in der Nature 1998 erschienene Erstbeschreibung Oldest known sea turtle (Nature 392, 705 - 708)

See also: Nomenklatorischer Typus, Art (Biologie), Biologie, Chiba, Nature, Paläontologie, Protostegidae, Santanachelys gaffneyi, Synonym, Taxon